Sonntag, 28. Februar 2016

Der Niedergang des Michael Moore

von Jorge Arprin, ohne Rücksicht
Michael Moore eilt bei einigen der Ruf nach, ein Dokumentarfilmer zu sein. Seine Filme sind in der Regel durchaus unterhaltsam, aber mit “manipulativ” noch nett umschrieben. Das könnte an Moores politischen Einstellungen liegen. Moore ist ein entschiedener Kapitalismusgegner. Als solcher sucht er gerne nach Alternativen zum Kapitalismus und wird auch fündig, z.B. in Kuba. Beim konservativen Radiomoderator Sean Hannity legte er dar, was er über Meinungsfreiheit in Kuba denkt:



HANNITY: You – if you went to Cuba … Do you think Fidel Castro would allow you to produce a movie and millions of dollars trashing his system?
MOORE: Well, I don’t know, that’s a good question.
HANNITY: You’d be killed.
MOORE: Oh, I don’t think so. Oh, come on. … What about the murder that’s been done in our name in the last decade? … What’s been done in our name, in our Christian name, to Iraq, in Afghanistan, these other places.

Nachdem er offenbar mit Kuba durch ist, hat er sich einen anderen Ort ausgesucht, der als Alternative zum Kapitalismus dienen soll: Europa. Da fragt man sich als Erstes, wozu das noch notwendig ist, hat doch Amerika in den letzten Jahren eine “Europäisierung” erlebt (wer nicht weiß, ob das als Lob oder Kritik gemeint ist: Denkt nach!). Aber für Moore ist es offenbar nicht genug. Amerika sollte noch viel mehr wie Europa werden, lautet die Botschaft seines neuen Films “Where to invade next”. In diesem Film besucht Moore u.a. Italien, Frankreich, Skandinavien und Deutschland, um die Überlegenheit des europäischen Systems zu beweisen. Dummerweise hätte er sich keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können.

Zum Inhalt: Italien ist toll, weil die Arbeiter ein dreizehntes Monatsgehalt und viel Urlaub bekommen. Frankreich ist toll, weil das Essen so lecker ist und es keine Hamburger gibt, die die Amerikaner so fett machen wie z.B. Michael Moore. Deutschland ist toll weil es Babypausen mit Lohnfortzahlung gibt und es seine Geschichte aufgearbeitet hat. Slowenien ist toll, weil es “kostenlose Bildung” für alle gibt. Finnland ist toll, weil es keine Hausaufgaben für Schüler gibt und es bei PISA trotzdem immer oben ist. Norwegen ist toll, weil die Gefängnisinsassen so human behandelt werden und sie trotzdem eine niedrige Rückfallquote haben. Und Portugal ist toll, weil es den Drogenkonsum dekriminalisiert hat. Nun mag die Portugal-Sache stimmen, aber der Rest ist sehr fragwürdig.

Bei seiner Analyse von Italien hätte er sich mal fragen können: Kann es nicht sein, dass die staatlich verordneten Lohnzusatzkosten die Ursache für die sehr hohe Arbeitslosigkeit sind, die im zweistelligen Bereich liegt? Bei Jugendlichen liegt die Arbeitslosenrate bei über 40%, auch in Griechenland, Spanien, Frankreich, Schweden und auch Großbritannien liegt sie bei über 20%. Ist das wirklich ein Vorbild für Amerika, wo die Jugendarbeitslosenrate bei 10% liegt und auch die Gesamtarbeitslosenrate aufgrund weniger Regulierungen als in Europa traditionell viel niedriger ist? Im Übrigen hätte Moore mit ein bisschen Recherche auch feststellen können, dass Deutschland nicht wegen Babypausen mit Lohnfortzahlungen gut dasteht, sondern wegen der “neoliberalen, menschenverachtenden” Hartz-Reformen, die gerade die von Moore gehassten “amerikanischen Verhältnisse” nach Deutschland brachten.

Aber wenn man sieht, dass Moore ausgerechnet das aktuelle Frankreich mit seiner hohen Arbeitslosigkeit, niedrigem Wachstum und islamistischem Terror als ein Vorbild für Amerika betrachtet, scheint Hopfen und Malz verloren zu sein. Besonders deutlich wurde das in einer Fragerunde nach einer Vorstellung zu seinem Film. Als man ihn fragte, ob er glaubt, die Franzosen würden nach dem Terror in Paris zu Maßnahmen wie dem Patriot Act zurückgreifen, sagte er: “Die Franzosen werden nicht aufhören, Franzosen zu sein”. In Wirklichkeit hat Frankreich schon nach Tagen (!) Maßnahmen ergriffen, gegen die der Patriot Act ein Witz ist und die auf Monate verlängert wurden. Es ist in Frankreich derzeit staatlichen Stellen gesetzlich erlaubt, ohne richterlichen Beschluss, also einfach auf Verdacht hin, Privatwohnungen zu stürmen und Menschen unter Hausarrest zu stellen. Sowas wäre in Amerika wegen der Verfassung nicht möglich.

Angesichts der derzeitigen Lage Europas mit den schweren Wirtschaftskrisen in Südeuropa, der Lage in Frankreich, der Flüchtlingskrise, dem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU und nicht zuletzt dem ungelösten Ukraine-Konflikt wäre wohl nur noch das Jahr 1941 unpassender, um einen Film über Europas Überlegenheit zu machen. Vielleicht könnte er ja für seinen nächsten Film weiter östlich gehen und eine neue Alternative finden: Russland. Ein verlässlicher Rechtsstaat, eine diversifizierte, rohstoffunabhängige Wirtschaft, eine gute demografische Entwicklung und hervorragende Beziehungen zu seinen Nachbarn. Russland ist das Land der Zukunft.

1 Kommentar:

  1. Es ist ohnehin nur für jene ein Geheimnis, die keinerlei wirklichen Kontakt zu Amerikanern und Amerika haben, dass Michael Moores Ruf auf der anderen Seite des Atlantiks ungemein schlechter ist als in der Heimat der sozialen Gerechtigkeit. Etwas Anderes als ein gewichtiger, man möchte fast meinen übergewichtiger Kronzeuge aller Antiamerikanisten ist er ohnehin nie gewesen, und dass er sich in Europa bejubeln lässt, nimmt auch nicht weiter Wunder. Merkel lässt sich ja auch am Liebsten mit ihren Jubelpersern bzw. -arabern fotografieren.
    Allein, ich frage mich, weshalb der Autor da noch von einem Niedergang spricht. Bei Gérard Depardieu wäre das ja noch angemessen, denn er war zumindest einmal ein recht leidlicher Schauspieler, ist er auch nunmehr eine aufgedunsene Kremlkröte. Ich kann mich bei Michael Moore hingegen nicht daran erinnern, dass er jemals irgendetwas Gescheites in die Welt gebracht hätte. Er hat schwach angefangen und dann immer weiter nachgelassen, ja, er hat es sogar geschafft, noch hässlicher zu werden, als er es zu seinen Bushbashinzeiten war. Im Ernst, Michel, lass dir wenigstens wieder deinen Bart stehen.

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