Montag, 25. Januar 2016

Rassenschande in Hollywood

von Jorge Arprin, ohne Rücksicht
Hier sehen wir den größten Skandal der Oscar-Verleihung der letzten Jahre:


Leider ist das nicht das große Thema, das Hollywood derzeit beschäftigt. Die Schlagzeilen beherrscht die fehlende Nominierung von schwarzen Schauspielern bei allen Kategorien für die Oscar-Verleihung 2016. Unter dem Hashtag “oscarssowhite” machte sich Frust über die mangelnde ethnische Diversität breit - der Oscar-Jury wurde Rassismus vorgeworfen. Jada Pinkett Smith und Spike Lee kündigten an, die Oscar-Verleihung aus Protest zu ignorieren. Das muss man sich in etwa so vorstellen: Schauspieler, die Millionen verdient haben und zu den oberen 1% gehören, stellen sich die Frage: “Was hätte ich erreichen können, wenn es keinen Rassismus gäbe?”.

Natürlich sind sie bei dieser Debatte die eigentlichen Rassisten. Wer bei den Nominierungen für einen Preis nicht auf die Leistungen schaut, sondern auf die Hautfarbe der Nominierten, der … nun ja, reduziert Menschen auf ihre Hautfarbe - das ist die Definition von Rassismus. 

Es gab schwarze Oscar-Gewinner: Jamie Foxx, Halle Berry, Forest Whitaker und andere. Sie alle wurden für ihre Leistungen ausgezeichnet, nicht weil es eine Schwarzen-Quote gab. Warum sollte es aber unbedingt jedes Jahr einen schwarzen Nominierten geben? Was, wenn es in einem Jahr keine herausragenden Leistungen eines Schwarzen gab oder die Nicht-Schwarzen einfach besser waren?

Das heißt nicht, dass die Oscar-Jury unfehlbar sei. Womöglich urteilen die Juroren manchmal falsch - das kommt bei allen Jurys vor -, aber es ist doch absurd anzunehmen, ein objektives Urteil könne es nur geben, wenn ethnische Minderheiten gleichmäßig vertreten sind. Der eigentliche Skandal bei den Oscars ist nicht die fehlende Nominierung von Schwarzen für die Darstellerkategorien, sondern die Tatsache, dass unser deutscher Expat Leonardo DiCaprio noch immer keinen Oscar gewonnen hat. Dabei hätte er für seine Leistung in “The Wolf of Wall Street” nicht nur den Oscar, sondern auch gleich den Nobelpreis verdient. Was auch auffällt ist das gähnende Schweigen über die mangelnde ethnische Diversität in anderen Bereichen, wie z.B. der NBA.

In der NBA stellten im Jahr 2015 Schwarze 74% der Profis, Weiße stellten hingegen nur 23%. Gibt es einen Hashtag “nbasoblack”? Ok, tatsächlich gab es einen, aber nur als Parodie des ''oscarssowhite''-Hashtags. In der Realität beschwert sich keiner über die eklatante Unterrepräsentierung von Weißen in der NBA. In der NFL sind 68% der Profis Schwarze und 28% Weiße. Auch in Europa finden sich solche Muster. In der französischen Fußballnationalmannschaft waren bei der WM 2014 11 von 23 Spielern Schwarze, obwohl Schwarze in Frankreich nur 3% der Bevölkerung ausmachen. Trotzdem: Kein Skandal. Niemand spricht von Rassismus, niemand fordert eine Weißen-Quote.

Was sendet das für eine Botschaft für weiße Jugendliche aus? “Es ist egal, wie sehr ihr euch anstrengt, am Ende zählt nur die richtige Hautfarbe”? Nein, die Botschaft ist: Nur die Leistung zählt, die Hautfarbe ist egal, gerade deswegen könnt ihr euch, falls ihr es nicht nach oben schafft, nicht über Rassismus beschweren. Manchmal bringen Angehörige einer Ethnie in einer Disziplin im Durchschnitt bessere Leistungen, andernfalls ist die Zusammenstellung der NBA-Kader einer der größten Rassismus-Skandale in den USA. Zum Abschluss bleibt noch zu sagen: Ich habe “The Revenant” nicht gesehen, aber Leonardos Karriere muss einfach irgendwann gekrönt werden. Kein Oscar für DiCaprio ist wie keine Champions League für Bayern München.

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