Freitag, 8. Januar 2016

Nach Silvester in Köln: Integration - was sie ist, und was sie nicht ist

Screenshot: FocusOnline/HansPaulEntertainment
von Michael Auksutat
Was mir immer wieder auffällt: Gerade nicht die heimgebliebenen Kaffer in fester Anstellung, am besten beim Staat, sehen die aktuelle Bevölkerungsauffrischung kritisch, sondern jene, die ziemlich viel in der Welt unterwegs gewesen sind. Und zwar nicht zum Urlaub oder für eine Weltklimakonferenz, die zufällig in Sandstrandnähe oder am Champs-Élysées stattgefunden hat, sondern zum arbeiten und leben. 

Wenn man sich ein bisschen auf der Erde bewegt kommt man zwangsläufig in Länder, bei denen einem bei bestimmten Sachverhalten das Gruseln kommt. Man hält aber die Klappe. Man ist ja nur Gast. Und wenn es einem nicht gefällt, dann bleibt man halt weg da. Andere Länder, andere Sitten. 

Unterm Baukran demonstriert es sich nur schlecht für Homo-Rechte. Letztendlich ist jedes Volk für sein eigenes Schicksal verantwortlich. Als Weltenbürger muss man nicht davon ausgehen, dass es überall aussieht wie in Essen-Kray. Umgekehrt hingegen reift in einem eine gewisse Erwartungshaltung, dass die Kultur und die Rechtsordnung, die man zuhause hat, dort auch unumstößlich gilt. Und dass die politisch Verantwortlichen nicht etwa die Abschöpfung des Steuersubstrats, sondern die Verteidigung des Status Quo als ihre primäre Aufgabe wahrnehmen. 

Wenn man mit den Menschen anderer Länder so einfach Wohlstand schaffen könnte, indem man ihnen einen Sprachkurs und einen Gabelstaplerschein verpasst und ihnen kultursensibel das Binnen-I beibringt, dann wären wahrscheinlich schon die Regierungen der Heimatländer auf die selbe Idee gekommen. Sobald man Deutschland in egal welche Richtung verlässt und tausend Kilometer weit reist, dann trifft man bereits auf andere Traditionen. Auf ein anderes Gemeinschaftsverständnis. Auf ein anderes Arbeitsethos. Auf ein anderes Verhältnis zu Religion und Staat.

Das alles passt dort hin. Es hat sich dort so entwickelt, weil es augenscheinlich im jeweiligen Kontext Vorteile hatte. Bei uns ist es eben so wie es ist - ebenfalls aus bestimmten Gründen und Erfahrungen heraus. Fremden Volkschaften mögen unsere Ansichten teilweise skurril anmuten, sieht man es doch in ihrem Kontext völlig anders. Vielleicht nimmt man diese Ansichten auch mit, wenn man nach Deutschland einreist. Das passiert einem umgekehrt auch häufig, wenn man aus Deutschland ausreist. 

Wenn ich in ein stockkonservatives Land fahre, kann ich nicht einfach eng umschlungen mit meiner Partnerin in der Öffentlichkeit flanieren. Ich mag das als mein Recht wahrnehmen, aber das ist es eben dort nicht. Dann muss ich eben diesem Flecken der Erde fern bleiben. Vielleicht unterlasse ich es sogar, weil ich keinen Ärger mit der lokalen Rechtsordnung haben möchte. Diese Empörung wird mir jedoch wahrscheinlich einen Lebtag lang fremd bleiben. Ich passe mich eben an. Wenn um mich herum jedoch plötzlich tausende von Deutschen sind, könnte ich durchaus in die Versuchung kommen, meine heimischen Ansichten auch dort durchzusetzen. Massen entwickeln da ja eine gewisse Eigendynamik. Wie also kann es also Hundertschaften junger Männer anders gehen, die aus Kulturen kommen, in denen Frauen primär Objekte sind, derer man habhaft werden kann? Das sollte man durchaus mit kaltem Herzen unbewertet berücksichtigen. Integration ist kein Prozess, den man in fünf Doppelstunden an der Volkshochschule durchpeitschen kann. Integration ist ein schmerzhafter Prozess der Notwendigkeit, der einen ein Leben lang beschäftigt. Mit gutem Willen gelingt er vielleicht erst den eigenen Kindern wirklich. Und er kann auch nur gelingen, wenn ich von der Rechtsordnung meines Gast- und zukünftigen Heimatlandes überzeugt bin. Vielleicht, weil ich meinen eigenen Kindern eine bessere Zukunft bieten möchte. 

Die Notwendigkeit der Integration entfällt, wenn das Geld aus der Wand kommt. Mein Lebensstandard ohne Arbeit bereits höher ist, als wenn ich mir in meiner bisherigen Heimat den Rücken krumm buckele. Und das einzige Kriterium für meine Aufnahme ist, dass bei mir zuhause geschossen wird. Von diesen Ländern gibt es auf der Erde nämlich mehr als reichlich. Dass bei uns Frieden und relativ großer Wohlstand herrscht, ist das Resultat einer sehr langen Entwicklung mit teilweise absurden und schockierenden Fällen in die Barbarei. Das Resultat von Fehlern, Irrungen, harter Arbeit und Denktraditionen, die einst verfolgt wurden und nun scheinbar normaler Bestandteil unseres Denkens ist. Es ist unsere Kultur , die es uns erlaubt mit einem überschaubaren Anteil an Arbeit die Kühlschränke voll zu machen. Das ist ein Geschenk, das uns unsere Vorfahren gemacht haben. Verpackt in einer zarten Hülle der Kultur. Ein sehr fragiles Geschenk, das jeden Tag aufs neue verteidigt und gepflegt sein möchte. Ein Geschenk, das man auch Zuwanderern nur machen kann, solange es noch existiert. Und sie es annehmen möchten. 

Integration ist ein Prozess der Wertschätzung. Wertschätzung von jenen, die bereits da sind, von dem, was sie in den Händen halten. Und Wertschätzung der Neuen, ob des Kleinods, das sie da bekommen. Auf das man es in Zukunft gemeinsam pflege.

Integration ist keine Selbstaufgabe, sondern Respekt und Wertschätzung von allen Seiten.
Alles wie zuhause plus Geld vom Amt ist es auf jeden Fall nicht.

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