Samstag, 30. Januar 2016

Die zwangsläufige Spaltung der AfD

Das Buch kann hier bestellt werden
Hubert Milz rezensiert
André F. Lichtschlag: Operation Spaltung: Kriminalgeschichte der AfD, 120 Seiten, Lichtschlag, 15,90 Euro
André F. Lichtschlag, der Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift "eigentümlich frei", liefert mit diesem Buch eine 120-seitige Reportage zur Gründungsphase der Alternative für Deutschland.

Die AfD, die aus der Wahlalternative 2013 um Bernd Lucke hervorgegangen ist, wurde im April 2013 gegründet und Lichtschlag kommentiert kenntnisreich - mit feinen Histörchen gewürzt - den Weg der AfD von der Gründung bis zum Abgang der Gründungsfigur Bernd Lucke samt dessen Anhang.

Schön nachgezeichnet hat Lichtschlag die verschiedenen Strömungen und Richtungen, die sich anfänglich aus Unzufriedenheit, Sorge und Protest zum etablierten Parteiensystem in der AfD gesammelt hatten. Lichtschlag zeigt gut auf, dass Bernd Lucke im eigentlichen Sinne weder liberal noch konservativ ist, sondern ein Mann des etablierten System, der mit seiner Gefolgschaft im Grunde genommen nur die Absicht gehabt hatte, mittels der AfD eine Art von "CDU-FDP 2.0" aufzubauen. Also eine Partei, die der Lucke-Mannschaft als Mehrheitsbeschaffer für andere Parteien die Teilhabe an den Futtertrögen der Macht sichern sollte. Bei allen wichtigen Politikfelder blieb das Lucke-Lager bei programmatischen Aussagen ziemlich flach und seicht; selbst beim Eurothema als verhängnisvollen Irrtum legte sich das Lucke-Lager keineswegs eindeutig fest, obwohl doch gerade die Thematik der Euro-Staatsschulden-Krise der Impuls schlechthin für die Gründung der AfD gewesen war.

Das andere Lager innerhalb der AfD versammelte gerade diejenigen, die tatsächlich das herrschende System grundlegend verändern, welche die eingespielten und hohl wirkenden Rituale der etablierten Eliten in der BRD - sei es in Sachen Sozialpolitik, Energiepolitik, Sicherheitspolitik usw. - aufmischen woll(t)en, grundsätzlich infrage stell(t)en und tatsächlich nach Alternativen such(t)en. Ein Lager, in welchem viele den Bürgern der BRD tatsächlich den Rang des Artikels 20 Grundgesetz zugestehen woll(t)en; ein Lager, in welchem sehr viele für einen tatsächlich funktionierenden Rechtsstaat und für eine wirklich gelebte Gewaltenteilung fochten und fechten.

Dieses Lager traf auf einen Lucke, dem - wie dies die Berichterstattung Lichtschlags deutlich werden lässt - im Grunde seines Herzens das Wollen und das Wünschen der Parteibasis lästig war und der nicht durch Beschlüsse einer Parteibasis gebunden sein wollte. Lucke wollte niemanden neben sich dulden und die AfD autokratisch führen. Ihm sollte die Partei vorbehaltlos Gefolgschaft leisten, die Parteigremien sollten nach seinem Willen nur Abnicker seiner Ambitionen, seiner Pläne sein.

Zu Konflikten zwischen den beiden Lagern musste es zwangsläufig kommen. Die Wahlerfolge der AfD bei den Landtagswahlen beruhten gerade auf der Thematisierung der Politikfelder, welche das Lucke-Lager weitgehend mied und scheute. Diese erfolgreichen Landtagswahlen führten dazu, dass jene erfolgreichen AfD-Landesverbände Lucke die Stirn boten - der Machtkampf innerhalb der AfD eskalierte, auch dadurch, weil Lucke diese Machtfrage auf die Spitze trieb und überreizte: beim Gründungsparteitag im Jahre 2013 standen noch nahezu 100% hinter Lucke - rund zwei Jahre später, beim Parteitag in Essen, wurde Lucke von der ihm lästigen Basis abgewählt und seine Träume als AfD-Führer waren perdu.

Lichtschlags Berichterstattung bestätigt meinen persönlichen Eindruck, den ich seit 2013 von Lucke gehabt habe - und immer noch habe. Lucke selbst hatte diesen meinen Eindruck höchstpersönlich in kaum zu überbietender Art und Weise bestätigt und auf dem Parteitag in Essen unnachahmlich in Pose gesetzt:
- Als "Galionsfigur der Gründungszeit der AfD" wurde Lucke in Essen mit einem überwältigenden Applaus gewürdigt.
- Nach der Wahl Frauke Petrys - also der Abwahl Luckes - ging der Parteitag der AfD programmgemäß weiter; die Abwahl als Parteisprecher empfand Lucke wohl als eine Art von "Majestätsbeleidigung"; denn anders kann ich mir nicht erklären, warum Lucke mitten im Tagungsaal eine Pressekonferenz gab, die den Fortgang des Parteitages massiv störte.
- Über diese Unfähigkeit zum Benimm und über die Respektlosigkeiten Luckes berichtete die bundesdeutsche Journaille kaum. Vielmehr unterstützte der Großteil der bundesdeutschen Journaille Lucke fleißig beim Rufmord gegen die AfD. Ein Rufmord, der versucht der AfD das Brandzeichen "rechter Pöbel" aufzubrennen.

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