Dienstag, 15. Dezember 2015

Wohnungsmarkt: Staatliche Interventionen und Deregulierung

von Tommy Casagrande
Auf einem freien Markt werden menschliche Bedürfnisse gehandelt. Es kommt somit so gut wie immer zu einer Befriedigung. Ansonsten wäre ein freier Markt in sich unlogisch. Freier Markt bedeutet, dass Menschen mit individuellen Freiheitsrechten versehen sind und im Sinne dieser Rechte zueinander in Beziehung treten. Wo auch immer das beschnitten wird, findet (mit fadenscheinigen Behauptungen) ein Angriff auf diese Rechte statt. 

Umgelegt auf die Thematik Wohnbau findet derzeit keine Befriedigung von Bedürfnissen hinsichtlich Preis-Leistung statt. Oder es mangelt an Angeboten hinsichtlich des Preises oder hinsichtlich der Leistung. In einem freien Wohnungsmarkt konkurrieren Unternehmen darum, den Kunden bestmöglichst zu dienen. Der Kunde ist kein Almosenempfänger, der mit dem zufrieden zu sein hat, was man ihm liefert und ansonsten habe er den Mund zu halten. Das wäre Sozialismus. Im Sozialismus sind Kundenwünsche wertlos. 

Aber in einem freien Markt trägt der Unternehmer das volle Risiko. Wenn die Architektur den Menschen nicht gefällt, gibt es andere Anbieter, die es einem genehmer machen. Wenn Preis und/oder Leistung missfallen, wählt man einen anderen Anbieter. 

Ein freier Markt ist ein organisches Gewebe, das sich zu keiner Zeit jemals in einem Endzustand befindet und fertig ist. Es ist ein unendliches Trial and Error. Und nichts passt besser zum menschlichen Lebewesen als eine solche Ordnung, die so spontan ist, um auf individuelle Bedürfnisse reagieren zu können. Und wer es weniger spontan mag, wird genauso befriedigt. Nur im Sozialismus gibt es eine Geschwindigkeit, ein Niveau für alle. Naja, fast alle . 

Wenn nun gemeinhin von einer Deregulierung gesprochen wird, dann sollte man davon ausgehen können, dass, wenn sie ernsthaft vollzogen wird, den menschlichen Bedürfnissen dadurch mehr entsprochen wird als zu jenem Moment, als es sie noch nicht gab. Es ist aber durchaus möglich, dass es aufgrund von Anpassungen zu steigenden Preisen kommen kann. Die Schuld liegt dann aber nicht an der vorgenommenen Deregulierung, sondern an allen noch ausstehenden Deregulierungen. 

Man darf nicht ignorieren, dass das, was wir Markt nennen, gegenwärtig ein Gebilde ist, in dem einerseits Marktwirtschaft, andererseits aber staatlicher Interventionismus parallel stattfinden. Die staatlichen Eingriffe verzerren Strukturen, Angebote, Nachfrage, Preise, Qualität, Quantität, Tauschhandlungen usw. auf dem Markt. Dadurch kann sehr wohl der Effekt entstehen, dass wenn man einen gesellschaftlichen Bereich autark dereguliert, hinterher die Preise anziehen, weil die restlichen gesellschaftlichen Bereiche immer noch durch staatliche Interventionen verzerrt werden. Zudem gilt es zu beachten, ob eine Deregulierung, die sich auf einen gesellschaftlichen Bereich konzentriert, konsequent und vollumfänglich durchgezogen wurde oder nur teilweise. Man wird bei näherer Prüfung feststellen, dass meist nur eine teilweise Deregulierung stattfindet, sodass auch dies ein Grund für eine Preissteigerung sein kann, nämlich dann, wenn beispielsweise die Preissetzung der bestehenden Dienstleister oder der Dienstleister unter den bestehenden Gesetzen dereguliert wird, die Ausübung jener Dienstleistung an sich aber immer noch durch den Staat reguliert wird. Auf diese Weise scheint es dann so, als wenn Deregulierung zu höheren Preisen führen muss. Die Ursache ist aber in der nicht konsequenten Deregulierung zu suchen. Denn wenn auch die Ausübung einer Dienstleistung nicht mehr durch den Staat reguliert wird, kann es einen echten Preis-Leistungs-Wettbewerb geben, bei dem für individuelle, subjektive Bedürfnisse jeweils Angebote geschaffen werden können, die durch Wettbewerb und Wohlstandsgewinn im Laufe der Zeit höhere Standards erklimmen, die unter den Bedingungen eines solch auf Gewinnorientierung aufgebauten, marktwirtschaftlichem Mechanismus, nachhaltig wären, wohingegen staatlich gesetzte Standards nicht nachhaltig sind. Vielmehr sind sie fragil und ressourcenverschwendend, gehen an den individuellen Bedürfnissen vorbei und haben eine schlechtere Preis-Leistungs-Performance, als sie sich in einer freien Marktwirtschaft entwickeln würde.

1 Kommentar:

  1. Vollkommen richtig, der Artikel.
    Beim Wohnungsmarkt sind meiner Meinung nach die gravierendsten Eingriffe des Staates, die künstliche Verknappung des Baugrunds und die Flächenbebauungspläne.

    Durch die staatliche Ausweisung von Baugrund wird dieser extrem teuer. Also für ein Stück Land, welches niemand nutzt, muss ein Durchschnittsverdiener mancher Orts schon ein halbes Leben arbeiten, damit er auf so einer ungenutzten Fläche bauen darf. Also für Lebensraum, welcher schon immer da lag und niemandem gehört, verlangt irgendjemand der dieses Land offenkundig nicht nutzt, ein Vermögen. Dadurch wird auch der Wohnraum künstlich verknappt und stark verteuert.

    Durch die Flächenbebauungspläne wird mal wieder am Bedarf vorbei reguliert. Wie immer!
    Aktuell wollen sehr viele Menschen in Innenstadtlage wohnen. Die Fläche einer Innenstadt wird als quasi Gott gegeben hingenommen. Bezüglich der Innenstadt, die irgendwann mal im Mittelalter entstanden ist, wird behauptet, diese sei nun mal begrenzt. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Die Innenstadt und der Flair des urbanen Wohnens kann beliebig ausgedehnt werden. Es können um ein Stadtzentrum herum neue kleine Neben-Zentren wachsen und die Gesamtfläche der Innenstadt je nach Bedarf immer größer werden.
    Dieses natürliche wachsen einer Stadt wird durch den Staat unterbunden, indem er vorschreibt wo, was, wie gebaut werden darf. Also auf dem einen Quadratkilometer sollen die Menschen in ihren Brutkastenhäusern sitzen, auf dem anderen sollen sie arbeiten und dem nächsten dürfen sie sich vergnügen. Vergnügen, wenn sie noch Zeit haben zwischen pendeln und arbeiten für eine nutzlose Bürokratie, möglichst nur alle halbe Jahr mal. Das reicht damit der Steuersklave keinen Aufstand macht.

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