Sonntag, 29. November 2015

Saudi Arabien hui, Islamischer Staat pfui

Saudi Arabien hui?
von Ralph Eisbär
Es gibt für jedes Problem grundsätzlich zwei Herangehensweisen: Man kann die Symptome oder die Ursachen bekämpfen. Politik zelebriert, nicht zuletzt aufgrund der systemimmanenten Kurzsichtigkeit in Demokratien, wo kaum jemand über die eigene Wahlperiode hinausdenkt (nach der man sich gerne mal in die Pseudo-Privatwirtschaft vertschüsst), zumeist Symptombekämpfung.

Lehrbuchbeispiel Terror"bekämpfung": Bomben gegen den "Islamischen Staat", allen voran seine Hochburg Ar-Raqqa. Dort leben über 220 000 Menschen und nur der größte Naivling bis Realitätsverweigerer glaubt, dass dort stets nur seine Kämpfer und militärische Einrichtungen getroffen werden. Sogar in "Foreign Policy", nicht gerade ein übermäßig kritisches Magazin, wurden die offiziellen Zahlen zu den zivilen Opfern offen angezweifelt. Interessanterweise gibt es nur wenige Berichte über zivile Opfer. Anscheinend hat man die Aufdeckerjournalisten, sofern es überhaupt welche gibt, mittlerweile besser im Griff; oder der "Islamische Staat" ist wirklich so böse, dass er auch aus den letzten Humanisten kaltblütige Utilitaristen im Sinne von "der Zweck heiligt die Mittel" – vulgo: Auch "Kollateralschläden", übrigens das Unwort des Jahres von 1999 – macht.
 

Gleichzeitig wird an der im Zweiten Weltkrieg begründeten und bis heute fortbestehenden westlichen Allianz mit dem wahhabistischen Regime in Saudi Arabien, das seine geistesgestörte Islam-Interpretation (man erinnere sich an die in einer Schule verbrannten Mädchen, die von der Feuerwehr nicht gerettet werden durften, weil sie in der Panik ihre Kopftücher zurückgelassen hatten – mittlerweile darf die Feuerwehr auch in solchen Fällen Kinder retten, sehr progressiv; oder bedenke das simple Faktum, dass auf Homosexualität die Todesstrafe droht, ebenso für die Beleidigung oder gar Abfall vom Islam) auch noch finanziell oder durch die Entsendung Gelehrter exportiert, starr festgehalten.

Hier ist die Wurzel sehr, sehr vieler Probleme. Aber die Wurzel hat zwei Argumente. Eines ist allgemein bekannt, Saudi Arabien hat 18% der weltweiten Erdölvorkommen und ist der größte Exporteur. Die USA sind von allen Staaten der größte Abnehmer, der Großteil saudischen Öls landet in Asien

Der zweite Grund fürs Festhalten an Saudi-Arabien wird gerne unterschlagen: Teile des saudischen Herrscherregimes dürften hinter verschlossenen Türen weitaus weniger radikal sein als man denkt, vielmehr herrscht die Doppelmoral. Auch, weil sie im eigenen Land von wesentlich radikaleren Gruppen und einflussreichen Einzelpersonen, die auch den "Islamischen Staat" unterstützen, bedroht werden. Durchaus möglich, dass das gegenwärtige dortige Regime in Saudi-Arabien sogar das geringere Übel darstellt. Es graut einem vor der Vorstellung, wer diejenigen sind, die an deren Stelle treten wollen.

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