Montag, 30. November 2015

Massenmedien als Massenvernichtungswaffe?

Foto: Pixabay.
von Philipp Bogensberger
Immer häufiger lese ich, dass die Massenmedien Schuld an “falschen” Entwicklungen in der Gesellschaft seien. Durch Desinformation und einseitige Berichterstattung würden die Massen manipuliert und ruhig gehalten werden. Der Begriff “Lügenpresse” erlebt ein erneutes und vermutlich nicht sein letztes Comeback.

1968 waren es noch linke Gruppierungen, die unter anderem die Enteignung Springers und eine “demokratische Kontrolle” der Presse forderten. Die Pressekritik wurde damals durch Molotow-Cocktails, Steinwürfe und Attentate gegen Springer untermauert. Da der Marsch durch die Institutionen weitgehend geglückt ist und auch große Teile der Presselandschaft erfasst hat, geht die Pressekritik heute hauptsächlich von rechten Etatisten bei PEGIDA und AfD aus, die sich gegen den sogenannten linken Mainstream richten.

Auch bei Libertären ist die Presse Zielscheibe der Kritik und wenn man durch die großen Zeitungen blättert, findet man primär etatistisches Gedankengut vor. An allen Übeln der Welt sind Kapitalismus, Gier und der sogenannte Neoliberalismus schuld - an der Finanzkrise, an der weltweiten Armut, am Zerfall der Familie, an der Wegwerfgesellschaft, an der Klimaerwärmung etc. Joelle Stolz brachte es vor kurzem sogar fertig, einen Ultraliberalismus, an dessen Spitze Google, Apple, Facebook und Amazon als die vier Reiter der Apokalypse stehen sollen, für die Attentate in Paris verantwortlich zu machen. Abgedruckt wurde der Artikel im “Standard”, dem österreichischen Leitmedium der Bobos und Linksintellektuellen. Dass Ex-Pirat Christopher Lauer in der Welt eine Verstaatlichung des Internets fordert und die gesamte Infrastruktur derselben Organisation, der auch der BND angehört, übertragen würde, ist nicht nur eine lustige Pointe, sondern spiegelt auch den Grundtenor der deutschen Presse im Jahre 2015 wieder - Der Staat soll’s richten!

Der Verdacht, dass die Massenmedien Schuld am marktfeindlichen und staatshörigen Meinungsklima sind, liegt zwar nahe, unterliegt aber einem logischen Widerspruch. Die Massenmedien, insbesondere die Printmedien, unterliegen den Gesetzen des Marktes. Finanziert werden sie hauptsächlich durch Anzeigenverkäufe. Der Preis für die Anzeigen steigt mit der Anzahl der Leser und die Leserschaft steigt, wenn geschrieben wird, was die Leser lesen wollen. Natürlich findet eine Marktverzerrung durch staatliche Intervention statt - insbesondere in Österreich ist der Staat einer der besten Anzeigenkunden und natürlich können Politiker, die ja die Hauptdarsteller des Nachrichtenspektakels sind, unliebsame Medien benachteiligen, indem sie Interviews verweigern. Dass diese Marktverzerrung alleine reicht, um ein solches Meinungsklima hervorzubringen, bezweifle ich aber.

Letztendlich sind die Auflagenzahlen ausschlaggebend für den Gewinn, es wird also geschrieben, was den Leser interessieren könnte. Die privaten Medien versuchen eine Nachfrage zu befriedigen, die zwangsfinanzierten Staatsmedien sind natürlich die Ausnahme.

Wenn man sich die sogenannten Qualitätszeitungen ansieht, ist es recht offensichtlich, dass die Leser keine Informationen, sondern Unterhaltung nachfragen. Politik, Meinungen und alarmierende Überschriften prägen die Zeitung von heute. Die gelieferten Informationen sind für den Leser weitgehend irrelevant. Sie haben kaum Auswirkungen auf die Lebensentscheidungen des Lesers. Die zehnseitige Analyse der letzten Bundestagswahl in der FAZ beinhaltet weniger wertvolle Information als die Rezension eines Staubsaugers auf Amazon. Letztere hilft mir zu entscheiden, welchem Hersteller ich mein Geld anvertraue, bei ersterer wurde bereits entschieden, wem ich mein Geld zu geben habe.

Die Tageszeitung befriedigt nicht das Bedürfnis nach Information, sondern nach Emotion und Sensation. Die Überschriften machen den Leuten Angst und die Meinungskolumnen bestätigen die Weltsicht des Lesers. Angst und Bestätigung sind die Emotionen, die die Massenmedien befriedigen. Manchmal ärgert sich der Leser auch über die falsche Meinung eines Redakteurs, doch passiert dies zu häufig, wird die Zeitung abbestellt. Deswegen hat jede Zeitung ihre eigene Klientel. Als Linker liest man das SED-Parteiorgan “Neues Deutschland” oder die TAZ, als Rechter die “Junge Freiheit” oder die “Preußische Allgemeine Zeitung”, Liberale bevorzugen die NZZ.

Ich empfinde diesen Umstand auch keineswegs als negativ, während die einen ihre Lust nach Sensation und Bestätigung im Nachmittagsprogramm von RTL befriedigen, lesen andere die Bunte und manche eben die Qualitätsmedien.

Worauf ich hinaus will ist, dass die meisten Medienkonsumenten bereits eine Meinung haben und diese nicht erst durch die Medien gemacht wird. Natürlich wirken sich die Medien auch auf die Meinung der Öffentlichkeit aus, aber die Möglichkeiten, die öffentliche Meinung zu ändern, sind begrenzt, begrenzt durch den Willen der Kunden, also der Leser. Der Einfluss der Staatsschulen auf die Meinungen ist vermutlich um ein vielfaches höher als der der Medien.

Ich denke also nicht, dass die Gesellschaft das Spiegelbild der Medien ist, sondern die Medien sind das Spiegelbild der Gesellschaft. Würde eine prominente Zeitung wie die Bild ab morgen fordern, dass die Schulpflicht aufgehoben, die Waffengesetze liberalisiert und der Sozialstaat abgeschafft wird, um ein paar unpopuläre liberale Forderungen zu nennen, würde dies nicht das Ende der Staatsgläubigkeit, sondern das Ende der Bild bedeuten.

Wer sich zur Zeit abseits des Mainstreams befindet und sich in den Medien nicht wieder findet, kann sich damit trösten, dass sich die Leser- und Zuschauerzahlen fast aller Medien im Sinkflug befinden. Der Deutsche Journalistenverband hat nun sogar eine Zeitungs-GEZ gefordert, die Geschichte der deutschen Presse könnte tatsächlich mit dem feuchten Traum der 68er, der Demokratisierung der Presse enden - unter Beifall von Springer.

Kommentare:

  1. Das erklärt aber nicht, wieso die Print-Medien (die meinungsbildenden elektronischen agieren ja weitgehend unabhängig vom Markt, da zwangsfinanziert) auch objektiv gegen ihre eigenen ökonomischen Interessen handeln. Alleine wie der Ukraine-Konflikt rezipiert wurde mit Abweichungen von Journalistenmeinung zu Lesermeinung von bis zu 90 Prozent wirft Fragen auf.

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  2. Dass Libertäre den Massenmedien die Schuld an allem möglichen geben, liest man in der Tat immer häufiger, z.B. hier:

    Die Werkzeuge des Etatismus
    http://globalefreiheit.de/article/360

    lg ;-)

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