Mittwoch, 21. Oktober 2015

Vorsicht vor Ikonen

Eines der ersten Propagandabilder: Paul Reveres
Stich vom Boston-Massaker 1775.
von Jorge Arprin, ohne Rücksicht auf Gefühle
Manchmal prägen sich Bilder in die Köpfe der Menschen ein. Sie werden zu Ikonen ihrer Zeit -wenn wir sie ansehen, wird uns eine ganze Zeit vor Augen geführt. Dazu gehört das Bild von Paul Reveres Stich des Boston-Massakers 1775 oder das von Robert Capa im Jahr 1936 geschossene Foto des fallenden Soldaten im spanischen Bürgerkrieg. Bei diesen Ikonenbildern geht es in erster Linie um die Botschaft. Sie soll die Menschen aufrütteln. Das kann durchaus was Gutes sein, ist aber in zweierlei Hinsicht problematisch: Manchmal sind sie unehrlich, denn sie stellen eine Situation übertrieben dar oder inszenieren sie komplett. Das zweite Problem ist, dass sie oft nur auf Emotionen appellieren und nicht das Ziel haben, vernünftige Lösungsvorschläge für ein Problem anzubieten.

Fälschungen sind bei Ikonenbildern nicht ungewöhnlich. Paul Revere hat in seinem Stich des Boston-Massakers die Ereignisse propagandistisch verfälscht. In Wirklichkeit standen die britischen Soldaten nicht in einer Reihe und schossen auf die Opfer, es war ein gegenseitiger Aufruhr, und es fand nicht tagsüber, sondern um 21 Uhr statt. Auch bei Robert Capas Foto kamen nach seinem Tod Zweifel auf, ob sein Foto vom fallenden Soldat nicht gestellt wurde. Oft werden auch Geschichten erfunden, mit denen sich die Menschen identifizieren sollen, wie die des Armeniers Soghomon Tehlirian, der Talaat Pascha, den Planer des Völkermords, oder die des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi, dessen Tod den arabischen Frühling auslöste.

In den letzten Monaten ging das Foto des toten Jungen Aylan Kurdi durch die Medien. Er ertrank bei dem Versuch zusammen mit seiner Familie mit einem Schlepperboot illegal nach Europa zu kommen. Was der genaue Anlass war, warum seine Familie nach Europa wollte, ist nach den Interviews des Vaters und der Tante noch nicht völlig klar. Aber das Bild des toten Jungen ist dennoch zur Ikone geworden. Die Menschen, die das Bild teilen, tun dies jedoch überwiegend aus emotionalen Gründen, nicht um einen vernünftigen Vorschlag zur Lösung eines Problems zu geben. Es ist quasi die Einstellung “Ich habe geweint, also bin ich gut”, wie es Brendan O’Neill in einem sehr treffenden Beitrag ausdrückt.

Man stelle sich vor, jemand würde das Bild einer Mutter zeigen, die nach jahrelangem Alkoholkonsum gestorben ist und nun zwei Kinder hinterlässt. Jeder würde das für eine Tragödie halten. Doch es wäre absurd, das als Anlass zu nehmen, um ein komplettes Alkoholverbot zu fordern. Das wäre eine emotionale Reaktion, die das Problem nicht lösen würde und es sogar verschlimmern könnte, da ein Schwarzmarkt für Verbrecher entstehen würde. Jeder erkennt die Tragödie, die hinter dem Tod eines Jungen steckt, doch bloße Empörung reicht nicht aus, um das Problem zu lösen. Bilder von toten Kindern zu teilen ist außerdem grundsätzlich ein fragwürdiger Stil.

Anstatt also eine Ikone zu erschaffen, sollten wir eine vernünftige Debatte über das Flüchtlingsproblem führen. Keine der etablierten Parteien in Deutschland hat sich gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen, wie es Aylan Kurdi und seine Familie waren, ausgesprochen. Bei den sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen sieht die Lage anders aus, und das ist sicher verständlich. Die Leute, die meinen, man könnte den Sozialstaat, 800.000 Flüchtlinge und den sozialen Frieden erhalten, werden, wenn nichts getan wird, eine böse Überraschung erleben. Ich bin der Meinung, dass mein Vorschlag – für alle Einwanderungswilligen die Grenzen öffnen und den Sozialstaat schließen – die beste Lösung ist. Darüber sollte diskutiert werden, ohne tote Kinder zu instrumentalisieren.

Das Schlusswort überlasse ich dem großartigen Professor Bryan Caplan:

,,emotionality drowns out clear thinking, and clear thinking tends to lead to truth. The more emotional people are, the less clear thinking they do, so the less likely they are to be right.

Furthermore, people who hope to persuade others normally highlight their strongest evidence. So if advocates of a view spend most of their time emoting on you, it is reasonable to infer that they lack better evidence. And sides with low-quality evidence are also less likely to be right.''

Kommentare:

  1. "Ich bin der Meinung, dass mein Vorschlag – für alle Einwanderungswilligen die Grenzen öffnen und den Sozialstaat schließen – die beste Lösung ist."

    nö!
    Wofür ist denn ein Staat gut, wenn nicht zum Schutz des Eigentums? Klar, der Sozialstaat ist das Gegenteil davon, Staat an sich jedoch nicht wirklich.

    Man kann es natürlich auch durch die anarchokapitatlistische Brille sehen, aber da kommt man auch zu dem selben Schluss: Gated Communities und Sicherheitsfirmen werden beauftragt und bezahlt. Nunja, ich habe diesen Staat nicht beauftragt, aber wenn ich schon zahle, so kann er gefälligst auch seiner "angeblichen Aufgabe" nachkommen.
    In diesem Sinne: Grenzen zu und lasst gefälligst die "Sicherheitsfirmen" ihrer Aufgabe nachkommen.

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  2. Wenn meine Sicherheitsfirma aber grundsätzlich nur Besucher mit Deutschem Personalausweise auf mein Grundstück lassen würde, wäre ich sauer und würde die Sicherheitsfirma wechseln. Dummerweise kann ich innerhalb der Grenzen der BRD nicht entscheiden, welche Sicherheitsfirma darüber entscheiden darf, welche Besucher etwa per Hubschrauber auf mein Grundstück eingeflogen werden dürfen.

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  3. "Wenn meine Sicherheitsfirma aber grundsätzlich nur Besucher mit Deutschem Personalausweise auf mein Grundstück lassen würde,"

    ...was aber nicht den Tatsachen entspricht. Schon immer war es so, dass jeder der ein berechtigtes Interesse vorweist hier rein kann.
    Bei marodieren Banden die einfach so ohne jegliche Absprache die Grenzen stürmen und ihre Zelte verbrennen, damit dem Deutschen von MultiKulti-Rotgrün im Gegenzug die Wohnungen enteignet werden, kann ich das nicht erkennen.

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