Samstag, 3. Oktober 2015

Über die geplante Obsoleszenz

von Tommy Casagrande
Hartnäckig geistert umher, dass viele Unternehmen eine geplante Obsoleszens durchführen, um eine Quasi-Produzentenrente zu erhalten. 
Zu leugnen, dass dies vorkommt, mag unrichtig sein. Der Generalverdacht, dass es jeder tut, ist eine haltlose Unterstellung. Sie setzt ein Allwissen voraus, das keinem gegeben ist. Denn wer kann wissen, ob ein Unternehmen eine geplante Obsoleszenz betreibt? Wenn ein Unternehmen es von sich zugibt - in Ordnung. Aber Annahmen über sonstige Unternehmen aufzustellen gehört ins Reich der Spekulation. 

Ich denke, dass die geplante Obsoleszens allein deshalb vorkommt, weil manche Unternehmen sie anscheinend zugeben. Dennoch möchte ich einige Punkte auflisten, die eine Aufmerksamkeit lohnen, wie ich finde.

1. Jedes Material geht irgendwann einmal kaputt, ob man es plant oder nicht. Nichts hält ewig. Insofern ist es von dieser Warte aus egal, ob es eine geplante Obsoleszenz gibt. Denn die Haltbarkeit gibt nur einen relativen Zustand an, der demnach höher oder geringer liegen kann.

2. Der ökonomische Aspekt beinhaltet, dass ein Anbieter jenes Material verwendet, dass er sich leisten, aber auch absetzen kann. Was bringt es einem Unternehmer, ein länger haltendes Material zu verwenden, wenn es seine Kosten übersteigt oder er annehmen muss, dass die Menschen das Geld dafür nicht haben? 

3. Nun mag es auch welche geben, die aus der Not eine Tugend machen oder die Möglichkeiten hätten, auf haltbareres Material zu setzen, es aber nicht tun, weil sie auf eine ständige Nachfrage spekulieren. Sie spekulieren auf eine Produzentenrente.

4. Diese Spekulation auf eine Produzentenrente ist eine Spekulation, weil auf dem Markt immer auch Alternativen entstehen oder sich Kundenbedürfnisse ändern. Die Spekulation geht eher noch auf, wenn der Markt dank staatlicher Eingriffe unfrei ist, sodass Alternativangebote nicht existieren. Andernfalls müsste man sich fragen, was jemanden sonst davon abhält, selbst zum Anbieter eines Produktes zu werden, wie er es auf dem Markt vermisst? Nur in einem unfreien Markt kann es Bedürfnisse geben, die unbefriedigt bleiben und um die sich niemand kümmert.

5. In einem freien Markt wäre geplante Obsoleszenz kein Problem, man hat ja Alternativen oder kann selbst welche erzeugen. In einem unfreien Markt dürfte die Tendenz zur geplanten Obsoleszenz ebenso höher sein wie die Tendenz zur Monopolisierung bestimmter Branchen, weil durch staatliche Eingriffe der Wettbewerb schrumpft.

6. Trotzdem: Kein Material hält ewig. Alles ist vergänglich. Der Kunde hat gemeinhin keinen Einblick in die Hintergründe, warum sich ein Unternehmen für bestimme Materialien entscheidet. Wir aber können annehmen, dass es oft auch einfach ökonomische "Zwänge" sind, warum billigere, schneller kaputt gehende Materialien benutzt werden.

Kommentare:

  1. Letztlich muss man leider sagen, dass in der Marktwirtschaft Gebrauchsgüter zu Verbrauchsgütern werden. Schon auf einem ganz klassischen, altertümlichen Markt haben wir Leute, die Vebrauchsgüter (z.B. Lebensmittel) anbieten und andere, die Gebrauchsgüter (z.B. Werkzeug) anbieten. Bei den Verbrauchsgütern funktioniert das super: Wenn die Ware gut ist, komme ich am nächsten Tag wieder. Somit sorgt Qualität für den Erfolg des Händlers. Wenn meine Schaufel dagegen nicht kaputt geht, muss ich auch keine neue kaufen. Der Händler kann sich auch einen guten Namen machen, und andere kaufen dann bei ihm. Aber letztlich hat er ein Problem, wenn seine Produkte so gut sind, dass sie ewig halten.

    Eine Hardware-Seitige geplante Obsoleszenz (also dass da etwas bewusst so konstruiert ist, dass es irgendwann kaputt geht) ist aber oft für die Hersteller nötig. Stattdessen sorgt "modische Obsoleszenz" dafür, dass die Leute neue Dinge kaufen, obwohl die alten noch gehen.


    AntwortenLöschen
  2. Der Kunde muss einfach sein Gehirn einschalten. Ich hatte Probleme mit Apple-Kopfhörern, weil sie so schnell defekt waren - deshalb bin ich auf eine andere Marke umgestiegen. Wenn das Vertrauen in den Hersteller einmal weg ist, kann er einpacken. Wie sollten die mich je wieder überzeugen ihren Kram zu kaufen? Wenn genügend Leute so handeln, sind die schlechten Produkte schnell vom Markt. Dann sind die Hersteller entweder gezwungen die Produktion aufzugeben oder die Preise so weit zu senken, wie es der (Nicht-)Qualität ihrer Produkte entspricht, was jede Aussicht auf eine Rente zerstört. Wenn sie Pech haben, dann bekommen sie sogar einen schlechteren Ruf als sie es verdient haben.

    AntwortenLöschen
  3. Ein Apfelbaum der reich an Früchten trägt, lässt sie zu Boden fallen und führt die aus dem Boden entnommenen Ressourcen zurück. Zertifizierungen wie „Cradle to Cradle“ überzeugen mich ein Produkt zu kaufen, das nach vollendeter Lebensdauer nicht zu einer Umweltbelastung wird. So schmeiße ich meine Kleidung wie überreife Äpfel auf den Kompost oder gebe Haushaltsgegenstände in einen „ewigen“ Kreislauf. Ist mir die Lagerkapazität der Äpfel (Die Lebensdauer des Produktes) zu kurz, entscheide ich mich für einen Lagerapfel. In einer freien Gesellschaft ist geplante Obsoleszenz kein Problem, im Sozialismus wünscht sich das Stimmvieh einen eingreifenden Staat, der dem Apfelbaum vorschreibt, wie lang seine Äpfel zu halten haben. Erfreulich ist, dass es im Internet zahlreiche Seiten gibt, die Anleitungen für das Reparieren von Produkten bereit halten. Neulichst habe ich mir einen neuen Drucker bei Amazon bestellt und mich für das Produkt entschieden, das in der Kundenbewertung gleich die Anleitung zum „Toner Reset“ mitlieferte.

    Freisinnige Inselgrüße
    Tobias Weise

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *