Montag, 12. Oktober 2015

Staatenlose Staaten? Deine Chancen in Bergkarabach

Bergkarabach - schöne Landschaften. Foto: (c) Wikimedia
Commons/Sergey Yakovlev CraculaARM.
von Christoph Heuermann, der gerne staatenlos ist
Staatenlose Staaten? Ja, selbst die gibt es. Sie sind zwar unabhängige Staaten mit eigenen Parlamenten, werden jedoch von keinem Land der Welt diplomatisch anerkannt. Bei diesen meist russisch beeinflussten Gebieten handelt es sich neben Transnistrien, Südossetien und Abchasien auch um Bergkarabach, welches der Autor im September 2014 bereiste.

Bergkarabach? Nie gehört!

Bergkarabach liegt mitten im Kaukasus und grenzt ans befreundete Armenien, feindliche Aserbaidschan und tolerante Iran. 50000 Menschen leben hier in der kargen Bergwelt im ständigen Konflikt mit ihren aserbaidschanischen Nachbarn. Bergkarabach liegt nämlich auf dem eigentlichen Territorium von Aserbaidschan, ist aber seit jeher von ethnischen Armeniern bewohnt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion mündete das in einem Krieg zwischem dem muslimischen Aserbaidschan und christlichen Karabach, den die Bergkarabacher trotz ihrer relativen Unterlegenheit für sich gewinnen konnten. Der Konflikt dauert bis heute an – ständig gibt es Schießereien an den Grenzen mit entsprechenden Opfern.

Karabach selbst jedoch ist sehr sicher und heißt seine Besucher herzlich willkommen. Lediglich die Grenzen und manche Gebiete – Stichwort Landminen – sind zu meiden. Die raue Schönheit Bergkarabachs wird dabei bisher nur von wenigen Touristen in Anspruch genommen – etwa 15000 jährlich. Das macht das Land noch zu einem echten Geheimtipp – auch wenn oder gerade weil die Anreise beschwerlich ist.

Stepanakert (siehe Beitragsbild) ist trotz der Kriegswirren eine sehr anmutige, kleine aber feine Hauptstadt. Mit nur etwa 50.000 Bewohnern, mehreren Universitäten und vielen eleganten Gebäuden strahlt sie Zukunftsoptimismus aus, den man an einem solchen Ort nicht gerade erwarten würden. In einem Tal gelegen, das von schneebedeckten Bergen umgeben ist, bietet sich stetig gute Ausblicke. Die Liebe zu in ihrem Land haben die Bewohner Karabachs in dem sehenswerten „Wir und unsere Berge“-Monument am Stadtrand Stepanakerts ausgedrückt. 2 Statuen, die Großeltern („Papik und Tatik“) genannt, wachen auf einem Hügel über die Stadt. Darüber hinaus bietet das Land grandiose Natur, viele Klöster und mit dem Sperrgebiet Aghdam eine der größten Geisterstädte der Welt.

Ein Geheimtipp ist das Land jedoch nicht nur für Touristen, sondern auch Investoren mit der Vorliebe von fast unbekannten Märkten zu profitieren.

Wie komme ich nach Bergkarabach?

Dazu sollte man sich am besten einen Blick über die Lage vor Ort verschaffen. Aus der armenischen Hauptstadt Yerevan fahren tägliche Busse nach Stepanakert. Die Reise durch das Bergland Armeniens dauert etwa 7 Stunden. Direkt nach Bergkarabach fliegen kann man deshalb nicht, weil Aserbaidschan droht solche Flugzeuge abzuschießen. So bleibt als einzige Möglichkeit der Landweg über die Gebirgspässe. Dabei muss man den Lachin-Korridor durchqueren – immer noch aserbaidschanisches Gebiet, das von Armenien und Karabach besetzt ist um die Versorgung zu gewährleisten. Die Berge bilden hier eine natürliche Barriere zum restlichen Aserbaidschan.

Die meisten Europäer müssen sich vorher um kein Visum kümmern. An der Grenze zwischen Armenien und Karabach, nominell eher ein Wachhäuschen, wird man gebeten, sich innerhalb von 2 Tagen beim Außenministerium Bergkarabachs zu registrieren. Da man theoretisch einfach durchfahren kann (die Armenier werden nämlich nicht kontrolliert), kann man das auf eigenes Risiko auch unterlassen. Das Visum für 3 Wochen kostet jedoch lediglich ca. 9€. Aufpassen muss man allerdings, wenn man noch nach Aserbaidschan reisen will: ein Visum von Karabach im Pass bedeutet lebenslanges Einreiseverbot in Aserbaidschan. Auf Wunsch kann man jedoch das Visa auf einem separaten Stück Papier bekommen.

Was hat Bergkarabach zu bieten?

Bergkarabach ein souveräner Staat, der jedoch darunter leidet, dass er von keinem anderen Staat der Welt anerkannt wird. Die einzige nennenswerte Unterstützung gibt es von Armenien und den USA, sowie von heimgeschickten Geldern im Ausland lebender Karabacher. Im Gegensatz zum sehr russlandfreundlichen Armenien ist Karabach eher westlicher ausgerichtet. Der Eurasischen Zollunion möchte sich das Land beispielsweise nicht anschließen. Das hat aber weniger mit der Wirtschaftspolitik zu tun, die nämlich sehr liberal ist.

Artsakh, wie das Land in Landessprache heißt, konnte die letzen Jahre durchgehend zweistellige Wachstumsraten verzeichnen. Investieren ist dabei wegen dem leichten Zugang zu den Eliten des Landes ein Kinderspiel.

Im Gespräch mit dem persönlichen Wirtschaftsberater des Präsidenten von Bergkarabach erfuhr der Staatenlos-Blog, von welchen Investitionen Du besonders profitieren könntest:

- Landwirtschaft: Bergkarabach produziert ausgezeichneten Wein, der das Land bisher jedoch kaum verlässt. Mit zunehmender Bekanntheit wird sich dies vermutlich ändern – findige Exporteure können den exquisiten Hochland-Wein teuer vermarkten. Nachteile sind wie in fast jedem Bereich die schlechte Infrastruktur und langen Wege zum nächsten Hafen/Flughafen.

- Natürliche Ressourcen: Bergkarabach besitzt einige Vorkommen an Gold- und Kupfer, von denen viele erst noch erschlossen werden müssen. Wenn effizientere Extraktionsmethoden ins Land kommen, kann sich hier eine Investition goldig auszahlen.

- Tourismus: Mit bisher nur 15000 Touristen jährlich ist Bergkarabach ein noch sehr exotisches Reiseland. Da es mittlerweile aber sehr sicher zu bereisen ist, kommen immer mehr Ausländer um die Schätze des Landes zu entdecken. Eine fast kaum vorhandene Touristen-Infrastruktur bietet Dutzende Möglichkeiten sinnvoller Investitionen um von der zunehmenden Zahl an Besuchern zu profitieren.

- Kaviar: Obwohl Bergkarabach weder über Meereszugang noch über große Seen oder Flüsse verfügt, ist das Land unterwegs eines der größten Kaviar-Produzenten weltweit zu werden. Das Schwarze Gold – Eier des Störs- ist eine weltweite Delikatesse, die mit steigender Nachfrage bei sinkendem Angebot zu kämpfen hat. Du als Investors könntest dabei große Gewinne mitnehmen.

Warum Bergkarabach eine gute Wahl sein kann

In Bergkarabach werden Geschäfte freilich anders abgeschlossen als im Westen. Fehlende staatliche Strukturen und insbesondere die virtuelle Nichtexistenz des Landes im Geiste vieler Weltregulierer machen Dinge möglich, die in anderen Staaten schwierig sind. So wirst Du kaum Informationen im Internet über Investment-Möglichkeiten finden – aber die brauchst Du auch nicht! Denn der leichte Zugang zu sämtlichen Eliten des Landes – insbesondere wenn Du über Russisch-Kenntnisse verfügst, tut sein übriges.

Steuern und Regulierungen sind niedrig bis kaum existent, die Ansiedlung ausländischen Kapitals genießt hohe Priorität in der Regierung.

Das Land winkt zudem mit vielen jungen, gut ausgebildeten Arbeitskräften, die trotz der „Staatenlosigkeit“ ihres Landes ihre Fähigkeiten beweisen wollen.

Das größte Risiko für das aufstrebende Land bleibt ein potentieller erneuter Kriegsausbruch mit Aserbaidschan, welches zunehmend aggressiver auftritt und seine Armee aufgerüstet hat. Dem entgegen stehen die positiven Anstrengungen des Landes international anerkannt zu werden. Falls dies irgendwann geschieht, werden sich sehr viel mehr Blicke von Investoren auf diese kleine Kaukasus-Republik richten. Wer ordentlich von der aufkeimenden Wirtschaft Bergkarabachs profitieren möchte, sollte deshalb keine Zeit verlieren. Und allen anderen sei ein Besuch in einem „staatenlosen“ Staat empfohlen – und einem höchst sehenswerten Land.

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