Mittwoch, 7. Oktober 2015

Der Asylwerber, das unbekannte Wesen

von Ralph Eisbär
Angesichts der momentanen Hysterie ist es Zeit für eine ganz simple Feststellung: Es gibt ihn nicht, den Asylwerber. Ebenso wenig wie es den Deutschen, den Österreicher, den Bayern oder den Moslem gibt. 

Nicht jeder, der über die Grenze kommt, um ein neues Leben anzufangen, ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Nicht zwangsläufig verhaftet in Clandenken und darauf aus, den Sozialstaat zu melken. Umgekehrt kommen auch nicht ausschließlich tolerante und mit den besten Absichten kommende Fachkräfte, die nur darauf warten, sich „integrieren zu lassen“ beziehungsweise ohnehin bereits eine quasi-westliche und wundervoll aufgeklärte Mentalität aufweisen.
Nicht jeder hat Asylgründe im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention und ihrem Zusatzprotokoll vorzuweisen, einige jedoch durchaus. Feststellen lässt sich das von hier aus ohnehin nur schwierig. Ja, viele sind vermutlich in Clanstrukturen und kollektivistischem Denken verhaftet, Individualismus ist in den Herkunftsländern weitaus weniger weit verbreitet als in hiesigen Breiten. Aber auch beziehungsweise gerade dort könnte es immer wieder eigenständige und eigenverantwortliche Köpfe geben. Ein Extrem bedingt oft das andere und somit dürfte es auch viele Verhaltensmuster geben – womit die Hoffnung bleibt, dass es gerade in nicht-atomisierten Massengesellschaften auch Menschen gibt, die gegenteilig denken und handeln. Die sich von ihrem Glauben emanzipiert haben oder zumindest bereit sind, diesen kritisch zu hinterfragen. Die die Voraussetzungen für eine gesunde Staatsskepsis mitbringen, ohne notwendigerweise an das Primat göttlichen Rechts und dem, was religiöse Gelehrte als solches identifizieren, glauben. 

Das war es auch schon wieder; es geht hier weniger um Thesen denn um eine simple Erinnerung. Schließlich wird die Notwendigkeit zur Differenzierung nicht nur in der gesellschaftlich-medialen Debatte, sondern auch innerhalb des libertären Diskurses gerne unterschlagen, obwohl es gerade hier wenig bis keinen Raum für Pauschalierungen geben sollte.

Kommentare:

  1. Auf die Weise können wir die staatlichen Strukturen nicht loswerden. Eine "Staatsskepsis" ist nicht dasselbe wie eine allgemeine "Gewaltskepsis", die benötigt wird, damit der Staat nicht durch Machtkämpfe zurückkommt (und vorher massenweise Menschen sterben) - wenn die Staatsskepsis das Entscheidende wäre, dann wären die gescheiterten Staaten wahre Paradiese (obwohl einige Regierungen so schlecht waren, das selbst das Chaos besser ist). Sie sind es nicht, weil die Menschen dort immer noch der Ansicht sind, dass Gewalt ok ist, dass jemand sie beherrschen dürfte oder umgekehrt. Das stärkt den Eifer der Gewaltbereiten, sich möglichst viel Macht zu greifen.
    Wir müssen überhaupt nichts differenzieren, weil die moralische Frage für sich spricht: Ist es akzeptabel, dass die Regierung die Bevölkerung ausraubt um irgendeinem Haufen Menschen, dem keiner von uns persönlich auch nur einen Cent schuldet, hier Unterkunft und Verpflegung zu geben? Die Flüchtlinge könnten die reinsten Engel sein (Anteil Krimineller liegt übrigens bei 10%!) aber die Antwortet lautet NEIN.

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  2. geht also in die Richtung "aber nicht alle sind schlecht....".

    Ist mir ziemlich Schnuppe, das Argument zieht nicht, weil:

    Fakt ist, wir haben Grenzen und wir haben einen Staat, das mag nicht dem Freiheitsgedanken einiger gefallen, egal, aber so ist es nunmal. Eine unumstößliche IST-Situation.
    Und dieser Staat verbietet mir zu Selbstjustiz und Selbstverteidigung zu greifen. Sollte ich mich bewaffenen, werde ich dafür bestraft. Kann man gut finden oder auch nicht, ist die unumstößliche IST-Situation.

    Daraus folgt: Dieser Staat ist verpflichtet das schlechte von der Gesellschaft in seinen Grenzen abzuhalten ("ich schwöre Schaden vom deutschen Volke abzuhalten"). Es ist vollkommen egal, ob nun "nur" 1% oder 50% Kriminelle unsere Grenzen überrennen und marodierend durch unsere Lande ziehen, der Staat hat dem Einhalt zu gebieten, sonst hat er jede Legitimation verloren. Der Staat hat gefälligst entweder sein bestmögliches zu tun, nur tatsächliche friedfertige "Fachkräfte" rein zu lassen. Kann er das nicht, hat er gefälligst garkeinen reinzulassen und die Grenzen mit höchster Waffengewalt zu verteidigen. Kann und will er das nicht, soll er sich entweder auflösen und/oder Waffen zur Selbstverteidigung den Bürgern ermöglichen.

    Gruß, AD

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