Mittwoch, 23. September 2015

Warum Stadtstaaten überlegen sind: Sieben gute Gründe für Hongkong und Singapur

von Christoph Heuermann, der gerne staatenlos ist
Hongkong und Singapur. Zwei kleine Stadtstaaten, die in den vergangenen Jahrzehnten ein atemberaubendes Wachstum erfahren haben. Zwei kleine Länder, die dem Meer Land abgerungen haben, auf dem sich jetzt hohe Wolkenkratzer erstrecken. Zwei Finanz-Mittelpunkte, die zu den wohlhabendsten der Welt gehören. Zwei lebenswerte Metropolen, die Massen an ausländisches Kapital anziehen.


Welche davon ist besser? Und vielmehr: warum sind beide besser als der Rest der Welt? Und wie kannst Du davon profitieren? All diese Fragen seien in den nächsten Zeilen beantwortet.


Was macht Hongkong und Singapur so besonders?


Hongkong und Singapur stehen im engen Wettbewerb miteinander. Sie beide konkurrieren um den Titel des wichtigsten internationalen Geschäfts-, Finanz- und Handelszentrum Asiens. Sie beide sind stabil, kapitalistisch und finanziell robust. Sie haben zudem beide Industrie und einen der geschäftigsten Container-Häfen weltweit. Und sie beide werden konsistent an der Spitze verschiedener Rankings geführt. So tauschen Hongkong und Singapur im Ease of Doing Business Index der Weltbank regelmäßig die Spitzenplätze unter sich aus.

Warum kann der Rest der Welt nicht mit Hongkong und Singapur mithalten? Die Antwort kann eine lange Doktorarbeit umfassen oder aber auf einen Satz herunter gebrochen werden:

Sowohl Hongkong als auch Singapur begreifen die Kräfte der Märkte. Statt sie erfolglos zu bekämpfen, nutzen sie sie lieber erfolgreich aus.

Was können Dir Hongkong und Singapur bieten?

Singapur wie Hongkong mögen keine wirklichen Demokratien sein. Sie mögen nicht einmal persönliche Freiheiten hochhalten, die in Westeuropa wertgeschätzt werden. Doch sie garantieren in viel höherem Maße privates Eigentum und wertschätzen freiwillige Entscheidungen. So kommst Du zum Beispiel in den Genuss folgender Vorteile, wenn Du in einem dieser Länder lebst:


- maximal 20% Steuerlast selbst für die Wohlhabendsten, für viele deutlich geringer,
- keine Kapitalertrags- oder Grundsteuern,
- richtig strukturierte Offshore-Unternehmungen müssen effektiv Null Prozent Steuern zahlen, sofern sie keine lokalen Kunden haben, ansonsten geringe 17% (Singapur) bzw. 16,5% (Hongkong)Flat-Tax,
- transparentes, schnelles und effizientes Geschäfte machen,

- die stabilsten Banken der Welt,
- private Versicherungen/wenig Versicherungszwang,
- hohe Sicherheit und Lebensqualität.

Schön wäre es freilich, wenn dies überall so wäre. In Hongkong und Singapur leben so nur knapp 1% der Weltbevölkerung ein Leben auf Augenhöhe mit dem Staat. Sie werden nicht bevormundet, sondern bedient.

Der Staat ist in erster Linie Dienstleister, erst in zweiter Zwangsinstitution.

Singapur oder Hongkong - wer gewinnt?

Welcher dieser Stadtstaaten ist nun die bessere Wahl? Das kommt wohl ganz auf Dich an. Denn sowohl Singapur als auch Hongkong haben komparative Vorteile in gewissen Bereichen.

Singapur wäre beispielsweise für Dich, wenn Du ein Unternehmen gründen möchtest und Wagniskapital brauchst. Nicht zuletzt durch Englisch als offizielle Sprache ist der Prozess etwas leichter und transparenter als im immer mehr chinesisch beeinflussten Hongkong. .

Dort bist Du wiederum für Finanzen und andere Investitionsgeschichten besser aufgehoben. Die direkte Verbindung nach China sowie die die Präsenz von mehr internationalen Banken und anderen Institutionen machen Hongkong in diesem Bereich kompetitiver.

Wo Singapur etwa Vorteile in Wechselkursgeschäften, Edelmetallen und im Private Banking hat, liegen jene Hongkongs im ausländischen Börsengeschäft, Internationalem Handel und Investment-Banking. Statt die beiden jedoch gegeneinander auszustechen, solltest Du sie viel mehr komplementär betrachten.

Wenn Du in beide (und andere Länder) diversifizierst, bist Du auf der richtigen Seite. Denn sowohl Hongkong als auch Singapur gehören zu den wirtschaftsfreundlichsten Ländern der Welt. Da dies vermutlich auch in Zukunft so bleiben wird, solltest Du beide Stadtstaaten auf jeden Fall im Blick behalten. Mit ihrer relativen Nähe zu vielen aufstrebenden Ländern Asiens sind es die Zentren, von denen aus Du andere Märkte erobern kannst!

Kommentare:

  1. Ich finde den Grad an Freiheit den man in diesen beiden Stadtstaaten genießen kann großartig, und ich würde dort auch gerne leben. Nur der Bericht über die sogenannten "Cage People" in Hong Kong hat mich doch ziemlich erschreckt.

    https://www.youtube.com/watch?v=PL5PNP6shAc

    Wie könnte man solche Dinge in einer freien Gesellschaft verhindern?

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  2. Hongkong ist kein Stadtstaat. Hongkong ist ein Teil von China. Großbritannien hat Hongkong durch einen Angriffskrieg China entrissen. Daraus entstand in Hongkong bei vielen ein gemischtes Bewusstsein. Halb britisch-halb chinesisch. Die Briten haben Hongkong an China zurückgegeben. Das Abkommen sieht vor, dass Hongkong seine Autonomie bis 2050 großteils behält, eh es komplett wieder zu China eingegliedert wird. China hingegen drängt schneller auf diese Integration, was nachvollziehbar ist. Das würde in Europa oder den USA nicht anders laufen. Natürlich gibt es in Hongkong Menschen die sich möglicherweise als eigenständig betrachten oder sich wünschen, sie wären ein Stadtstaat aber das kann kein Beleg dafür sein, ob sie einer sind. Sie sind offiziell ein Teil von China. Auch Barcelona ist offiziell ein Teil von Spanien. Auch Alaska und Hawai sind offiziell Teile der USA. Auch Schottland ist offiziell ein Teil von Großbritannien. Auch ich bin offiziell ein Staatsbürger, auch wenn ich mich selbst in meinem Bewusstsein als staatenlos definiere. Wir sollten nicht die Wirklichkeit beliebig verzerren wie es uns passt. Hongkong ist de facto kein Stadtstaat und wird es vermutlich auch niemals sein. Der Grund warum Hongkong von einigen aus dem Westen so behandelt wird, ist eher ein ideologischer Grund. Man wünscht sich, dass China einen Teil seiner Größe verliert damit der Westen größer erscheint. Dazu kann ich aber nur sagen, dass das gleiche andersrum auch gelten muss. Ansonsten befinden wir uns im Bereich der Heuchelei.
    In einer Welt voller Staaten kann man nicht willkürlich Trennungen und Zusammenhänge aufstellen. Ich kann nicht entgegen des offiziellen Status einfach schreiben, Hongkong sei ein Stadtstaat. Ich kann genauso wenig schreiben, dass Katalonien ein Staat ist, wenn es nunmal offiziell noch nicht so ist. Diese Lügenmärchen zu verbreiten ziehmen sich nicht für eine libertäre Position. Wenn man nämlich ganz konsequent denkt, muss jeder Mensch, der in seinem Bewusstsein sich nicht als Teil des Staates sieht, aus diesem ausgenommen werden. Das tut aber niemand. Auch der Herr Autor dieses Textes tut das nicht. Das heißt, er definiert die zugehörigkeiten zu einem Staat willkürlich und nach Sympathie. Und das finde ich intellektuell dürftig.

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