Mittwoch, 9. September 2015

Rezension: Freiheit - das ist die Botschaft

Das Buch kann hier erworben werden.
Hubert Milz rezensiert
Ludwig von Mises: Liberalismus, 224 Seiten, 15 Euro, Academia.
Ludwig von Mises (1881-1973) war nach Ende des 1. Weltkriegs einer der wenigen Intellektuellen, die die Ideale des Liberalismus hochhielten und entschieden verteidigten. Prof. Dr. Hülsmann gab seiner großen Mises-Biographie den Titel "Mises: The Last Knight of Liberalism" (Mises: Der letzte Ritter des Liberalismus) und dies ist nicht zuviel gesagt.

Mises bietet anhand zeitgenössischer Beispiele eine Einführung in die Ideen des klassischen Liberalismus. Das Buch wurde erstmals 1927 veröffentlicht, deshalb sollte der Leser aus diesem Sichtwinkel die zeitgenössischen Beispiele, die Mises anführt, reflektieren. Für Mises ist es das Grundziel des Liberalismus den Frieden im Inlande und mit dem Auslande anzustreben und zu sichern. Ist der Friede gesichert, dann kann auch die heimische bzw. internationale Arbeitsteilung funktionieren: Nur die friedvolle Ausnutzung der arbeitsteiligen Marktwirtschaft erzeugt 'Wohlstand für Alle' und dies weltweit.

Mises belegt mit bestechender Logik, dass alle kollektivistischen Konstrukte, egal ob diese als Etatismus, Interventionismus, Wohlfahrtsstaat, Sozialismus, Kommunismus, Nationalsozialismus oder Faschismus daherkommen, nur Unfrieden zeitigen können. Dieser dauerhafte Unfriede beinhaltet Wohlstandsverluste und -verhinderung und versetzt die Völker in unnatürliche Feindschaften - zumindest mental sind die Nationen dann permanent im Kriegszustand. Schon 1927 erwartete Mises, dass diese antiliberalen Bewegungen zu endlosen Kriegen nach Innen und zwischen den Völkern führen müssten; eine Prognose, die durch den 2. Weltkrieg und den 'Kalten Krieg' bestätigt worden ist.

Die Basis für eine Gesellschaft von freien Menschen bildet für den Autor die freie Marktwirtschaft mit dem privaten Eigentum an den Produktionsmitteln. Aus diesem Grunde nehmen Wirtschaftsfragen den weitaus größten Teil im Buch ein. Wirtschaftsordnungen wie der Sozialismus, die kein Privateigentum an den Produktionsmitteln wollen, können nach Mises wegen fehlender Möglichkeit zur Wirtschaftsrechnung nicht wirklich funktionieren (auch hier wurde Mises durch den Zusammenbruch des Sowjetreiches bestätigt). Die damals und heute üblichen gemischten Wirtschaftsverfassungen sind gemäß Mises nicht beständig und enden ihm zufolge im Sozialismus:
- staatliche Einmischung in den Marktprozess verfehlt ihr Ziel. Oft ist das Ergebnis das Gegenteil des Gewünschten;
- diese nicht gewünschten und nicht beabsichtigten Folgen einer staatlichen Intervention ziehen, um das gewünschte Ziel doch noch zu erreichen, weitere Interventionen nach sich;
- auch diese verfehlen das gesteckte Ziel, so dass eine Interventionsspirale in Gang gesetzt wird, die schließlich - als Folge immer mehr und mehr an Regulierungen - den Markt und damit die unternehmerische Wirtschaftstätigkeit stranguliert;
- als Folge übernimmt die Regierung nun komplett die Macht und die Regie über die Wirtschaft.

Interventionen können dadurch entstehen, dass die inländischen Unternehmen durch Lobbyarbeit zu erreichen suchen, dass sie vor der ausländischen Konkurrenz geschützt werden. Oder dadurch, dass Gewerkschaften durch Regierungsmaßnahmen ihre heimische Klientel vor der Zuwanderung ausländischer Arbeitssuchender schützen wollen. Interventionen sind also auch der Versuch den Wettbewerb auszuschalten. Auch versuchen Regierungen durch Interventionen (Subventionen und Transferleistungen jedweder Art) Anpassungen an den Strukturwandel abzumildern oder gar auszuschalten.

Mises ist also keinesfalls den 'Wirtschaftsbossen' freundlich gesinnt, sondern er ist für eine weltweite freie Marktwirtschaft als Grundbedingung einer freien Gesellschaft, in welcher jedermann unbehelligt seine Interessen verfolgt. Daraus folgt, dass die Staatsregierungen den Frieden nach Innen und Außen gewährleisten sollen, für Sicherheit zu sorgen haben, die Freizügigkeit und die Bürgerrechte schützen sollen. Der nationale Sozialist Ferdinand Lassalle, einer der Ahnherren der Sozialdemokratie, nannte einen solchen Staat spöttisch "Nachtwächterstaat", für Lassalle hingegen galt "Der Staat ist Gott".
Für Mises ist der Liberalismus die einzige politische Idee, welche nicht an irgendwelche Interessen irgendwelcher Bevölkerungsgruppen gebunden ist. Dies ist die grundlegende Botschaft des Buches und dies zeigt Mises durch seine logische Argumentation: Schritt für Schritt wird diese Botschaft erörtert.

Die Frage ist natürlich, ob ein solches Ideal in den parlamentarischen Demokratien, in welchen wir leben, in der Praxis umgesetzt werden kann? Die Antwort wird eher ein "Nein" sein, denn die 'guten Onkels und Tanten' der politischen Parteien, die dem Wähler die meisten Versprechungen machen, haben - in der Regel - den größten Zulauf: Das 1. Gesetz der Nationalökonomie besagt: wir leben nicht im Schlaraffenland, sondern alle Güter sind knapp. Mit diesen knappen Ressourcen ist rational umzugehen, während das 1. Gesetz der Politik lautet, dass sich die Politiker anmaßen das 1. ökonomische Gesetz außer Kraft setzen zu können.

Kommentare:

  1. "Es kann nicht geleugnet werden, daß der Faszismus und alle ähnlichen Diktaturbestrebungen voll von den besten Absichten sind und daß ihr Eingreifen für den Augenblick die europäische Gesittung gerettet hat. Das Verdienst, das sich der Faszismus damit erworben hat, wird in der Geschichte ewig fortleben. Doch die Politik, die im Augenblick Rettung gebracht hat, ist nicht von der Art, daß das dauernde Festhalten an ihr Erfolg versprechen könnte. Der Faszismus war ein Notbehelf des Augenblicks; ihn als mehr anzusehen, wäre ein verhängnisvoller Irrtum." Seite 45 hier:
    http://docs.mises.de/Mises/Mises_Liberalismus.pdf

    Von Linken Zeitgenossen wird diese Aussage gerne gegen Ludwig von Mises verwendet und behaupte, er hätte den Faschismus "verherrlicht".

    Für jemand, wie mich, der die Lehren von Ludwig von Mises sehr schätzt, ist zwar klar, dass eine solche Aussage, wie sie von Linken gegen Ludwig von Mises vorgebracht wird, absurd ist, aber wie mache ich das einem linken Genossen überzeugend klar?
    Der Verweis auf sein gesamtes Werk wird nicht fruchten, denn das wird von solchen Zeitgenossen sowieso nicht gelesen. Eine kurze, prägnante Antwort wäre da vielleicht hilfreich.

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  2. Sie werden lachen, aber zu meiner Studienzeit in Wien ist der Name Ludwig von Mises nur einmal gefallen, und zwar im Zusammenhang mit diesem Zitat. Was dazu zu sagen ist: Mises schrieb ''Liberalismus'' im Jahre 1927, also einige Zeit bevor die schlimmen Folgen des Faschismus zutage getreten sind, und: Er hat den Faschismus nicht verherrlicht, nur sah in ihm, verglichen mit dem sowjetischen Bolschewismus, schlichtweg das kleinere Übel und einen Gegenpol zum besagten größeren Übel.

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