Dienstag, 25. August 2015

Franz Josef Strauß und Co.: Der Glaube an die feinen Unterschiede

Franz Josef Strauß im Cockpit
von Kurt Kowalsky
Franz Josef Strauß soll eine Briefkastenfirma unterhalten haben, um Schmiergelder zu kassieren, meldete der Spiegel. Ich gehe davon aus, dass der durchschnittliche Bildungsbürger auch außerhalb Bayerns weiß, wer Franz Josef Strauß war. Unverständlich ist mir wieder einmal die Empörung, welche sich im einschlägigen Wirrwarr der Kommentare durchsetzt.

Unter den sogenannten Libertären kann man den Reflex feststellen, dass sie diese Meldung als rote Propaganda abtun.

Ja, die über 60-jährige Indoktrination der christlich-liberalen Gewalttäter, die von Konrad Adenauer über Ludwig Erhard, Franz Josef Strauß bis zur ersten Wahl von Frau Merkel andauerte, hat ihre Spuren hinterlassen.

In freier Selbstbestimmung und in klarer Erkenntnis einer wichtigen Sache, hat man sich für die eigene Unmündigkeit entschieden und glaubt bis heute an die feinen Unterschiede, welche die parlamentarischen Jongleure in kleinere und größere Übel unterteilt. Ludwig Erhard, der Kämpfer für die freie Marktwirtschaft, und Franz Josef Strauß, der Don Quijote gegen das rote Gesindel, sind die historisch verklärten Lichtgestalten bundesdeutscher Dumpfheit.

Und bevor hier nun jemand seine Erkenntnisdefizite zum Besten gibt: ich habe alle diese christlich-liberalen Falschmünzer erlebt. Mir sind die Gewerbeordnungen und die Marktzugangsbeschränkungen, sowie die Steuerquoten dieser Zeiten noch gut in Erinnerung.

Der mit den Schmiergeldern war besonders wortgewaltig, ging es darum, seine sozialdemokratische Politik zu verbrämen. Und selbstverständlich wurde in jedem Wahlkampf davon erzählt, man wolle den "Mittelstand" stärken.

Blödsinnigerweise zählte ich mich lange Zeit selbst zu diesem Mittelstand. Irgendwann wurde mir dann diese verlogene Kategorie bewusst. Es wurde mir klar, dass man Unternehmer wie mich im politischen Schmierentheater benötigte, wie die Nebelmaschine in einer Sherlock-Holmes-Verfilmung.

Da steht er nun, auf eigenes Risiko, im harten Wettbewerb des Marktes, Seit an Seit mit den Bürgerlichen und all den Heroen, denen man jeden Gebrauchtwagen abkaufen würde (müssten sie ihn nicht selbst fahren, weil sie sich kein neues Auto leisten können) und trotzen den Angriffen der roten Horden.

Zugegeben, da sieht man den Herrn Betriebsprüfer des Finanzamts im völlig anderen Licht. Steht man doch selbst - wie dieser - auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und fällt in die Kategorie des anständigen Christenmenschen, auch wenn man nicht an Gott glaubt.

Ich grüße Herrn Hoeneß recht herzlich. Er wird das trotz Verfolgung und Verurteilung nicht ganz verstanden haben. Ist aber auch wurscht. Einer meiner Bekannten hat sich jüngst selbst beim Finanzamt angeschissen. Macht doch sein Herr Sohn derzeit sein Referendariat als zukünftiger Volljurist. Ja, da weiß man wo vorne ist.

Die Zugehörigkeit zum bürgerlichen Stande, zum Mittelstande, zu den Besserverdienenden, zu den Tüchtigen, Rechtschaffenen ist vergleichbar mit dem Stolz eines Schweines, in die Fleischerinnung aufgenommen worden zu sein. Etwas Besseres, konnten sich die liberal-konservativen Gewalttäter in den sogenannten Wirtschaftswunderjahren gar nicht wünschen.

Nun, Frau Merkel hat diese Trickserei nicht mehr nötig. Alternativlos hat man sich mit dem angeblich roten Gesindel früher Zeiten vereinigt. Und während man zu Zeiten von Strauß für die Darstellung von Dick und Doof noch zwei Schauspieler benötigte, bewältigt dies die SPD-Führung mit einem Ungelernten.

Sozial-liberal-christlich-jüdisch-islamisch-marktwirtschaftlich-konservativ-mittelständisch-grün ist die CDU/CSU zur echten Volkspartei mutiert, welche mit Mindestlohn und Windrädern, mit Kriegshetze und Terrorismusphobie, Arm in Arm mit unseren amerikanischen Freunden den Überwachungsstaat ausbaut.

Denn Deutschland geht es jetzt gut. Acht Jahre Deflation und Stagnation, Reallohnsenkung für die Arbeiter, GEZ-Gebühren für Taube und Blinde, Zwangsversicherung für Selbstständige, Rauchverbot für Nichtschwimmer ...

All das ging am Mittelstand vorbei, denn er hat sich irgendwie aufgelöst. Um sich als Mittelständler ein kleines Vermögen zu erarbeiten, musste man nämlich ein großes besitzen. Und das war nicht jedem vergönnt.

Aber ich komme vom Thema ab. Während die geistig-moralisch Gewendeten die roten Gespenster vertrieben, bauten sich ihre politischen Führer mal da eine Villa und mal da einen Ferienwohnsitz an der Côte d'Azur.

Während sich der Gewerbetreibende um sein polizeiliches Führungszeugnis sorgt, treibt es die verfaulten Leiber seiner marktwirtschaftlichen Wegleuchten nun ins moralische Abseits. Es fehlte nur, dass der Spiegel eines Tages mit der Sensation aufwartet, dass die Jungfrau Maria nach der Geburt von Jesus keine Jungfrau mehr war. Das wäre das Ende des christlichen Abendlands.

Nein, ich bin nicht empört. Die großen Straßen dieser Republik tragen die Namen von Kriegsverbrechern. Massenmörder bekommen den Friedensnobelpreis. Ich finde das vollkommen normal. Warum sollte der Flughafen in München nicht Franz-Josef-Strauß-Flughafen heißen? Hatte der Mann doch eine Pilotenlizenz.

Irgendwer von der FDP (ich kann verstehen, dass die jüngeren Leser nicht mehr wissen was das ist) hat nun gefordert, diesen Flughafen umzutaufen. Ja, kann man machen. Man kann auch einen Ochsen ein Rindvieh nennen, die Kategorie bleibt die selbe.

(zuerst auf der Facebookseite des Autors erschienen)

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