Freitag, 7. August 2015

Die besten Maßnahmen für den Tierschutz

von Jorge Arprin, ohne Rücksicht auf Gefühle
Cecil ist tot. Die Welt ist in Aufruhr. Die Menschen in Simbabwe haben sicher andere Sorgen als den Tod eines Löwen, doch die Herzen der Tierschützer und Tierrechtler in den reicheren Ländern der Welt sind gebrochen. Einen ähnlichen Aufruhr gab es, als im Februar 2014 eine Giraffe in einem dänischen Zoo geschlachtet und an einen Löwen verfüttert wurde. Es ist erstaunlich, dass es Löwen und Giraffen schaffen, zum Symbol für das von Menschen verursachte Leid von Tieren zu werden, während Schlachthöfe keine prominenten Opfer hervorbringen. Wahrscheinlich gibt es einfach zu wenige Jäger, während sich die Fleischesser, zu denen auch ich gehöre, in der großen Mehrheit befinden.

In dem 2005 erschienen Dokumentarfilm “Earthlings” wird anhand von fünf Beispielen schonungslos auf das ganze Leid von Tieren aufmerksam gemacht: Der Lage von Tieren in Tierheimen, der Massentierhaltung, der Pelz- und Lederindustrie, Tierquälerei zu Sport- und Unterhaltungszwecken sowie den Tierversuchen zu wissenschaftlichen Zwecken. Die Bilder sind schwer zu ertragen. Auch wenn ich die Moral des Films nicht teile (ich bin kein Speziesist – würden eines Tages Aliens gegen Menschen kämpfen, und an unserer Seite würde ein Hitler herrschen, bei den Aliens freiheitliche Demokraten, würde ich für die Aliens sein – aber Rechte können nur für vernunftbegabte Lebewesen gelten, also nicht für Tiere), sind die im Film dargestellten Missstände durchaus Realität. Was lässt sich dagegen unternehmen?

Wenn man ein Tierschützer ist, befindet man sich in einer hoffnungslosen Lage. Der Fleischkonsum steigt unaufhaltsam, Pelz und Leder bleiben in der Mode angesagt, Tierquälerei zu Unterhaltungszwecken bleibt verbreitet. Trotz des Mitgefühls für Tiere will die Mehrheit ihr Verhalten nicht ändern. Einige radikale Gruppen wie die “Animal Liberation Front” sehen nur noch Gewalt als Lösung an, doch sollte jedem klar denkenden Mensch bewusst sein, dass sich das Leid der Tiere so erst Recht nicht beenden lässt. Tatsächlich gibt es erfolgsversprechende Wege, um das Leid der Tiere zu beenden. Zwei Probleme lassen sich durch technischen Fortschritt, zwei durch die bereits heute mögliche effizientere Anwendung von Methoden lösen, nur bei einem hilft nur ein Mentalitätswandel.

1. Massentierhaltung

Die Lösung, die Tierschützer anstreben, lautet meistens: Alle Menschen sollen Vegetarier oder Veganer werden. Dies ist jedoch höchst unrealistisch, selbst mit staatlichen Regulierungen würde man das nicht hinkriegen, denn Fleisch und Milch sind eben sehr lecker. Eine andere Lösung würde dagegen durchaus das Leid der weltweit jährlich 60 Milliarden geschlachteten Tiere beenden und den Fleischkonsum unangetastet lassen: Künstliches Fleisch. Noch ist die Wissenschaft nicht so weit, aber in 10-20 Jahren könnten bereits preiswerte, laborgezüchtete Burger angeboten werden (derzeit kostet die Herstellung 80 Dollar pro Kilo, der erste Labburger hatte 2013 noch 250.000 gekostet – ein Preisverfall von 99,9% in 2 Jahren). Währenddessen arbeitet das Start-up Muufri an der Herstellung von künstlicher Milch.

Das größte Hindernis ist die Abneigung der Menschen, künstliches Fleisch oder Milch zu essen. Aber das wäre wohl nur ein temporäres Problem. Wenn es wie traditionelles Fleisch aussieht, riecht und schmeckt, werden es die Leute schnell akzeptieren, bei Milch genauso. Um den Konsum anzuregen, könnte man moralinsaure Kampagnen starten: Künstliches Fleisch könnte man dann “Ethical Meat” (E-Meat) nennen und Fleischessern bewusst machen, dass es eine tierleid-freie Alternative für ihren Konsum gibt. Was Tierschützer machen sollten ist, für die Forschung zu spenden, die an künstlichem Fleisch und Milch arbeitet, sodass bis Ende des Jahrhunderts kein einziges Tier mehr für Fleisch oder Milch leiden muss.

2. Tierversuche

Zwei Sachen im Vorfeld: Tierversuche haben sehr viel Gutes bewirkt – u.a. wären der Impfstoff gegen Kinderlähmung und Antibiotika, Organtransplantationen und Blutdrucksenker ohne Tierversuche unmöglich gewesen – und sind somit viel wichtiger als die im Grunde schon heute überflüssige Massentierhaltung (für Fleisch werden in Deutschland jährlich 750 Millionen Tiere geschlachtet, für Tierversuche 2,4 Millionen Tiere benutzt). Und entgegen der öffentlichen Wahrnehmung werden meistens nicht Affen, Hunde und Katzen für Tierversuche benutzt, sondern Mäuse und Ratten (in 80-85% der Fälle, Hunde, Katzen und Affen machen nur 0,2% aus). Dennoch ist es unbestritten, dass Tiere bei Versuchen oft Qualen erleiden müssen.

Es gibt eine Alternative: Künstliche Zellen und Gewebe. Wie bei künstlichem Fleisch ist die Forschung hier noch nicht so weit, dass sie alle Tierversuche ersetzen können, vor allem weil die meisten Medikamente auf den ganzen Körper wirken und nicht nur an einzelnen Gewebeproben und Zellen. Forscher arbeiten daran, künstliche Mini-Organismen (Zellen aus Organen, die wie in einem Blutkreislauf miteinander verbunden werden) herzustellen, um damit die Stoffwechselvorgänge beim menschlichen Körper zu analysieren. Was Tierschützer machen sollten ist, für die Forscher zu spenden, die an künstlichen Zellen, Geweben und Organismen arbeiten, sodass bis Ende des Jahrhunderts kein einziges Tier mehr für die Herstellung von neuen Medikamenten leiden muss.

3. Pelz und Leder

Wenn man als Tierschützer an Pelz denkt, denkt man an Hunde und Katzen, die in Pelzfarmen in China ein qualvolles Leben führen, nur damit Models in Amerika und Europa sich mit ihrer Haut schmücken können. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber wahrscheinlich sterben 50-100 Millionen Tiere jährlich, mehrheitlich Nerze und Füchse, für die Herstellung von Pelz. Aus irgendeinem Grund ist Leder weniger verwerflich als Pelz, aber natürlich müssen auch für Leder Tiere sterben. Die einfachste Lösung für dieses Problem ist die Verwendung von Kunstpelz- und Leder. Einen Qualitätsunterschied gibt es wohl dank verbesserter Technik nicht mehr, Kunstpelz hat eher Vorteile bei der Reinigung und bei nassem Wetter, und Kunstpelz ist auch nicht teurer.

In Deutschland gäbe es noch eine andere, einfache Lösung: Jedes Jahr werden hier laut des Jägerverbands 650.000 Füchse getötet. Die meisten der toten Füchse landen jedoch bei Tierkörperbeseitigungsanstalten und nicht bei den Pelzherstellern, eine unglaubliche Verschwendung. Einige haben dies erkannt: Das Berliner Modelabel “Friendly Fur” verwendet für seine Produkte nur Felle, die ansonsten in Tierkörperbeseitigungsanstalten gelandet wären. Was Tierschützer machen sollten ist, eine stärkere Verwendung von Kunstpelz und einen profitablen Umgang mit toten Tierkörpern (ob nun durch Jagd oder durch andere Umstände, die Tiere sind ja tot und können nicht mehr leiden) zu propagieren.

4. Tierheime

In den USA herrscht in den Tierheimen eine katastrophale Lage, viel schlimmer als in Deutschland. Jedes Jahr werden 9 Millionen herrenloser Tiere in Tierheimen abgegeben und 3 Millionen eingeschläfert. In von PETA betriebenen Tierheimen werden die Tiere, was auch PETA nicht leugnet, in 90% der Fälle kurz nach ihrer Einlieferung eingeschläfert. Als Grund wird angegeben, dass es nunmal zu viele Haustiere gibt, für die es weder eine Nachfrage gibt noch genug Platz in den Tierheimen, sodass oft nur noch eine Möglichkeit bleibt: Einschläferung. Außerdem geht es den Tieren in Tierheimen oft sehr schlecht, deswegen sei laut PETA Einschläferung die bessere Alternative. Aber stimmt das?

Es gibt viele Tierschützer, die das anders sehen. Eine “No-Kill”-Bewegung meint, Schuld an dem massenhaften Einschläfern sei kein “Überschuss” an Haustieren, sondern ein schlechtes Management bei Tierheimen. Sie errichten nun eigene “No-Kill”-Tierheime, woraufhin in einigen Gegenden die Einschläferungen um 50% sanken. Ob es an einem Überschuss oder an schlechtem Management liegt, will ich nun nicht endgültig beurteilen. Was Tierschützer machen sollten ist, den wahren Grund zu identifizieren und ihn zu bekämpfen. Immerhin gäbe es auch eine Lösung für einen Überschuss an Haustieren, z.B. Sterilisierung und Kastration. Die massenhaften Einschläferungen dürften verhinderbar sein.

5. Tiere als Unterhaltungsobjekte

Das Leid von Tieren zu Unterhaltungszwecken ist das, was am wenigsten ins Gewicht fällt. Die Jagd, der Stierkampf und auch die Zoohaltung lassen zwar sicher viele Tiere leiden, aber es geht ihnen noch immer viel besser als wenn sie in Schlachthöfen landen (weswegen es besonders absurd ist, sich über den Tod von Cecil aufzuregen, wenn man Fleischesser isst). Bei der Jagd kommt noch ein anderer Aspekt hinzu: Tiere in Ostafrika haben in freier Wildbahn meistens keinen Wert für die Einheimischen, da sie Land besetzen, dass von Menschen bebaut oder bewirtschaftet werden könnte. Somit sind sie schnell von der Ausrottung bedroht. Wenn Jäger jedoch bereit sind, für sie zu bezahlen, haben die Tiere für die Einheimischen, sofern sie die Eigentümer über die Tiere sind, einen Wert und werden besser gehegt.

Doch die Tiere leiden ja trotzdem, da sie sterben. Sichere Eigentumsrechte und freier Handel mögen die bessere Alternative zu illegalen Wilderern sein, die sich nicht um den Fortbestand kümmern, aber gibt es keine anderen Wege, um gefährdeten Arten in Ostafrika einen Wert zu geben als durch die Jagd? Jagd- und Handelsverbote haben sich in der Vergangenheit als so erfolgreich für den Artenschutz erwiesen wie Drogenverbote zur Bekämpfung von Drogen. Es hilft nur ein Mentalitätswandel. Beim Stierkampf kann man das schon heute beobachten, in Ostafrika könnte der “friedliche” Tourismus für genug Einnahmen sorgen, sodass die Jagdeinnahmen für die Einheimischen unnötig werden. Was Tierschützer machen sollten ist, den Einheimischen andere Anreize als die Jagd zu geben, um die bedrohten Arten zu hegen.

Fazit

Anstatt Walfänger zu rammen, Jagdverbote zu fordern, Organisationen wie PETA, WWF oder Animal Liberation Front zu unterstützen, sollten Tierschützer den technischen Fortschritt unterstützen, der die Massentierhaltung und Tierversuche überflüssig machen könnte, und sich für effizientere Methoden zur Pelzherstellung und zur Pflege in Tierheimen einsetzen. Dann werden Tiere nur noch von anderen Tieren grausam gefoltert und umgebracht. Gibt es eine Lösung für dieses Problem? Der amerikanische Philosoph Jeff McMahan machte den Vorschlag, fleischfressende Tiere auszurotten oder mittels Gentechnik zu Pflanzenfressern umzuprogrammieren. Naja … vielleicht werden wir Ende des Jahrhunderts Zeit haben, uns damit zu beschäftigen.

Leider lehnen Tierrechtler aufgrund ihrer Ideologie oft Lösungen ab, die die von ihnen angeprangerten Probleme lösen könnten. Der Vorschlag, bedrohte Arten durch Jäger vorm Aussterben zu retten, klingt für sie wie “Den Schwarzen geht es besser, wenn sie das Eigentum der Weißen sind, denn die Weißen füttern sie zumindest und schützen sie vor Fremden”, und die Erfolge von Tierversuchen kommentieren sie wohl mit “Hätte Himmler bei seinen Experimenten mit KZ-Häftlingen ein Mittel gegen Krebs gefunden, wäre er trotzdem ein Verbrecher!”. Deswegen sind Tierrechtler nicht nur verrückt, sondern auch keine Hilfe für den Tierschutz. Es ist auch nicht so, dass Tierliebe sich automatisch gut auf die übrige Moral auswirkt. Die ersten Tierschützer in einem deutschen Parlament waren … die Nazis.

1 Kommentar:


  1. Wir tun der Natur keinen Gefallen, wenn wir jeden gewaltsamen Tod eines Tieres durch Menschenhand vermeiden wollen.

    Wie ich schon in Falsch verstandene Tierliebe I (nach der Giraffentötung im dänischen Zoo) schrieb, dient die legale Jagd dem Arterhalt (im Gegensatz zur Wilderei). Wie ich in Falsch verstandene Tierliebe II schrieb (nach dem Bashing auf Massentierhaltung), ist die Viehhaltung für uns evident für die Ernährung.

    Und wer wissen will, wie sich Jagd von Wilderei unterscheidet und warum das Jagdverbot auf Löwen die Löwen getötet hat, der möge sich meinen Blogartikel durchlesen (Quellen zum Informieren sind auch dabei).

    https://legalwaffenbesitzer.wordpress.com/2015/08/08/falsche-tierliebe-iii/

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