Dienstag, 4. August 2015

Anarchisten gegen Liberale: Kann es nur einen geben?

von Dominik Ešegović
Der liberale Querdenker und Mises-Anhänger Helmut Krebs hat mal wieder gepoltert. Nach vergeblichen Versuchen in sozialen Netzwerken die sture Gemeinde der Anarchokapitalisten auf seine minimalstaatliche Seite zu ziehen, hat er nun nachgelegt. Vom Versuch der Missionierung ist er aber anscheinend endgültig abgerückt. In einem neuen Beitrag (1) erklärt der pensionierte Grund- und Hauptschullehrer, Liberalismus und Anarchismus „stehen sich feindlich gegenüber und bekämpfen sich.“ Der Libertarismus, der versuche, beide Positionen zusammenzuführen, sei gescheitert. Für Krebs steht fest: im Kampf Anarchismus gegen Liberalismus kann es am Ende nur einen geben.

Der liberale Highlander

Krebs dialektische Argumentationsweise und seine teils martialische Sprache erinnern an einen amerikanischen Spielfilm aus den Achtzigern. In „Highlander – Es kann nur einen geben“ kämpft ein unsterblicher Schotte gegen einen anderen übernatürlichen Gegner. Beide können nur durch das Abtrennen des Kopfes getötet werden. Dabei erhält der Siegreiche die Kraft des Unterlegenen. Allen Unsterblichen ist es auferlegt, sich gegenseitig zu bekämpfen, bis am Ende nur noch einer übrig bleibt. Schon der Beginn des Films erinnert an das Schicksal der wenigen, meist unerkannten klassisch Liberalen und Anarchisten in der heutigen Gesellschaft: „Aus der Dämmerung der Zeit kamen wir, bewegten uns lautlos durch die Jahrhunderte, lebten viele geheime Leben, fochten, um die Zeit der Versammlung zu erreichen, wenn die wenigen, die übrig bleiben, bis zuletzt kämpfen werden. Niemand hat jemals gewusst, dass wir unter euch waren – bis heute.“

Der Endkampf als Idealtypus

Helmut Krebs zieht klare Fronten. Auf der einen Seite stehe er, der Vertreter des Liberalismus, des Wahren und Schönen. Auf der anderen Seite stehe „der Anarchismus“. Für Krebs bedeutet Anarchismus nicht nur absolute Herrschaftslosigkeit, sondern auch das Fehlen jedweder Hierarchie. Dabei unterscheidet er zwischen „rotem Anarchismus“ und Anarchokapitalismus, die er als „wesensverwandte“ Teile ein und derselben Ideologie betrachtet. Krebs ist ein Gegner des Nonaggressionsprinzips, da es „kein zuverlässiges Instrument zur Konfliktvermeidung“ sei.

Recht basiere laut Krebs nicht auf einem Naturrecht, sondern auf dem Akt der Unterwerfung. Durch Zustimmung der Herrschaft entstehe Legitimation. Legitimation realisiere sich durch „relative Sicherheit des inneren Friedens, der Möglichkeit Gerichte anzurufen und durch die Teilnahme an Wahlen.“ Notwendig zur Legitimation seien „Zeichen wie Flaggen und ein Name, ein Territorium und eine gemeinsame Umgangssprache.“ Was Recht ist, könne also nur in einem Staat erfahren werden, der darüber demokratisch abstimmen lässt. Krebs scheint unter „Demokratie“ Abstimmungen von „Volksvertretern“, also eine parlamentarische Demokratie zu meinen. Würde Krebs seinen liberalen Lehrmeister Ludwig von Mises ernst nehmen, dann würde wohl auch er den Liberalismus als „Anwendung der Lehren der Wissenschaft  auf das gesellschaftliche Leben der Menschen“ betrachten (2). Eine der wohl liberalsten Verfassungen der Welt, die amerikanische, hat es nicht fertig gebracht ein demokratisches System hervorzubringen. 

Selbst wenn man wie Krebs von der Notwendigkeit der Demokratie überzeugt wäre, so müsste man den Versuch seiner Verwirklichung als gescheitert betrachten. Sogar die USA sind laut einer Studie der Universität Princeton nicht als „Demokratie“, sondern als „Oligarchie“ zu bezeichnen (3). In den allermeisten demokratischen Systemen zählt der Wille der Wählerschaft nur in Ausnahmefällen – bei der Wahl politischer Parteien. Ansonsten wird „der Wählerwille“ – also die Mehrheitsmeinung, die die Minderheit(en) unterdrückt - nicht politisch abgebildet. Anstatt der Herrschaft der Mehrheit herrschen kleine Eliten und Interessenverbände über die Mehrheit der Bürger.  Der liberale Traum von der demokratischen Republik – er ist wohl endgültig ausgeträumt.

Die Krebssche Utopie – nicht „der Liberalismus“

Laut Krebs sehe „der Liberalismus“ „den demokratischen Staat als legitim an“ – „Der Liberalismus hält die Demokratie … für einen hohen Wert, der Anarchismus verunglimpft sie.“ In Wirklichkeit wurde nicht erst vonseiten der Anarchokapitalisten Kritik an der Demokratie geübt. Einer der einflussreichsten Liberalen des 20. Jahrhunderts und Weggefährte Hayeks und Mises, Bruno Leoni, setzte der Demokratie unüberwindbare Argumente entgegen: „individuelle Freiheit, im Sinne der Abwesenheit von Zwang durch andere, ist mit der Demokratie unvereinbar, die auf die hegemonische Macht der Zahlen setzt.“ (4). Im Gegensatz zum Markt gibt es bei demokratischen Wahlen nur die Wahl zwischen „Ja“ und „Nein“. Es bilden sich politische Lager. Es wird Wahlkampf betrieben und die Abstimmungsgruppen stehen sich geradezu feindlich gegenüber. Friedliche und produktive Kräfte des Marktes finden sich bei Wahlen nicht. Auch gibt es im Gegensatz zum Markt Verlierer und Sieger, wohingegen auf dem Markt alle Teilnehmer gewinnen. Es hat auch nichts mit liberaler Überzeugung zu tun den Wert der Zahl 51 über den der Zahl 49 zu setzen. Der Glaube an diese Zahlensymbolik ist es ja gerade, was die „Herrschaft des Rechts“, die Krebs anstrebt, zunichte macht. Und „alle Herren und alle Untertanen“ werden eben nicht gleichgestellt. Auch die repräsentative Demokratie stellt zwei unterschiedliche Klassen her: die der Herrscher und die der Beherrschten.

Ohne Republik kein Kapitalismus?

Laut Krebs bildet „die Republik“ „den Ordnungsrahmen für den Kapitalismus“. Also ohne Regierung – kein Markt. Dieser Gedanke erscheint in Anbetracht der tatsächlichen Gegebenheiten in der Welt mehr als fragwürdig. Märkte gibt es nicht dank des Staates, sondern eher trotz staatlicher Intervention! Der Kern des Glaubens an die Notwendigkeit dieser Intervention ist ein Unverständnis ökonomischer Abläufe. Im Gegensatz zu Anarchokapitalisten glauben Minarchisten nämlich noch daran: das von Linken propagierte, an jeder Ecke lauernde Marktversagen. Nur der Glaube an Marktversagen macht Politik überhaupt erst möglich. Doch was soll ein Sicherheits- und Gewaltmonopolist eigentlich bewerkstelligen, was konkurrierenden Sicherheitsanbietern nicht gelingen könnte? Wieso sollte man die immer teurer und schlechter werdenden Dienste eines Gewaltmonopolisten, den Diensten freier Marktteilnehmer vorziehen? An die Stelle einer Antwort setzt Krebs sein Glaubensbekenntnis: Republik. Doch Krebs scheint selbst an der Allmacht seines Leviathans zu zweifeln. Immerhin gibt er zu, dass auch „private Schiedsgerichte“ als Institutionen von Freihandelsabkommen herhalten können. Wieso also nicht gleiche alle Gerichte privatisieren?

Anarchie = Familienlosigkeit?

Krebs wirft den Anarchisten vor, sie wollten alle Herrschaftsverbände, also auch die Familie, die er dazu zählt, abschaffen. Dieser Vorwurf ist hanebüchen. Anarchisten wollen eben niemanden zu irgendetwas zwingen. Die Idee des Privateigentums, an der Krebs nur eingeschränkt festhält („Es gibt kein Naturrecht, nur Gesellschaftsrecht“), sieht es eben vor, dass Menschen innerhalb ihres eigenen Herrschaftsraumes, ihres Eigentums, tun und lassen können, was sie wollen. Ein Anarchist mischt sich in die soziale Zusammensetzung einer Gemeinschaft nicht ein. Es ist überhaupt kein Element anarchistischer Philosopie anderen Menschen vorzuschreiben wie und in welchen zwischenmenschlichen Verbindungen sie zu leben hätten. Auch gibt es im Anarchokapitalismus, wie Krebs fälschlicherweise annimmt, keine gültigen Verträge zu Lasten Dritter.

Krebs fabuliert von der „Herrschaft des Rechts“ als anvisiertes gesellschaftliches Utopia des Liberalismus. Sie sei „streng genommen keine Herrschaft“. Die Anarchisten glaubten nicht an diese „Herrschaft des Rechts“ bzw. lehnten sie ab. Die Liberalen hingegen würden in dieser Herrschaft die Verteidigung der „Unverletzbarkeit des Privateigentums“ sehen. In Wirklichkeit aber stehen die Anarchisten dieser „Herrschaft des Rechts“ nicht entgegen, sondern sie sind die einzigen Vertreter eben dieser Gesellschaftsform. Nur in einer Privatrechtsgesellschaft wäre die „Unverletzbarkeit des Privateigentums“ überhaupt möglich. Dies ist wohl das grundlegendste Missverständnis, dem Krebs zum Opfer fällt.

Vernunft vs. Fanatismus

Obwohl Krebs einem mythischen Zahlenfetisch (Demokratie) frönt, lässt er nicht davon ab, friedliche Anarchisten als die „Glaubensgenossen“ anarchokommunistischer Terroristen zu bezeichnen.  Anarchisten würden stets an der „Zersetzung der Gesellschaft“ arbeiten. Sind Anarchisten nicht eigentlich Nazis? So weit geht Krebs in seiner Polemik nun nicht. Aber er spielt ganz bewusst mit altbekannten Assoziationsmustern: „Wir erinnern uns, dass die Extremisten der Weimarer Republik den Reichstag als Schwatzbude verhöhnten. Anarchismus ist eine extremistische Ideologie.“ Die Idee des Nichtaggressionsprinzips und des Selbsteigentums über den eigenen Körper sind also Ausdruck „extremistischen“ Gedankenguts. Dieses Schlüsselwort, das erstmals 1941 im Rechtschreibduden stand, wird häufig abwertend verwendet. Eigentlich gehören, so Krebs, die Anarchkommunisten und die Anarchokapitalisten zusammen. „Ihr bedeutendster Theoretiker, Bakunin, hielt revolutionäre Gewalt auch gegen liberale Regierungen für gerechtfertigt.“ Eine Nähe zwischen heutigen Anarchisten und den RAF-Terroristen könne man also gar nicht bezweifeln. Waren die bewaffneten Wirrköpfe von damals nicht Gegner des Staates genau wie die Anarchos von heute? Und Krebs legt nach: „Typisch ist [der] Rückzug [der Anarchisten] in Sekten, ein Leben in Kommunen oder der Ausbruch zur action direct, zur Zerstörung und zum Terror.“ Hat Krebs die scherzhafte Gründung einer „Libertären Armee Fraktion“ auf Facebook etwa für bare Münze genommen? Krebs Argumentation wirkt auf alle Fälle so messerscharf, dass man sich wundern müsste, wenn sie nicht auch den letzten zweifelnden Libertären ins Krebs-Lager zöge.  

„Ihr seid ein Haufen Verschwörungstheoretiker!“

Der Anarchismus, so Krebs, interpretiere alle politischen Aktivitäten des Staates „negativ“. Deshalb verirre „er sich bisweilen in wahnhafte Verschwörungstheorien“. „Die simplifizierende Analyse führt den Anarchismus an die Seite des äußeren Feindes, in diesem Fall an die Seite Russlands, das die Denkschemata des Anarchismus mit Scheinargumenten bedient.“ Der Russe hat also die anarchistische Szene infilltriert! Der Glaube an die „neue Weltordnung“ sei besonders unter Anarcholibertären anzutreffen. Gemeint sei die Verschwörung zur planmäßigen Errichtung einer Weltregierung. Am Ende, so die Verschwörungstheorie, stehe der gemeinsame „Weltstaat“. Eine für Liberale unserer Tage abscheuliche Idee. Nur kranke Geister könnten sich doch anmaßen, die Geschicke aller Staaten der Welt steuern zu wollen. 

Doch was meint Krebs mit „Verschwörungstheorie“? Mises, der unter dem Eindruck der Jahrhundertkatastrophe des Ersten Weltkriegs sein Buch „Liberalismus“ schrieb, forderte als Leitmotiv für den Liberalen, dass „die Welt nicht an den Grenzen des Staates endet, wie für ihn die Staatsgrenzen überhaupt nur eine nebensächliche und untergeordnete Bedeutung haben, wie sein politisches Denken die gesamte Menschheit umfaßt“. Der Liberale habe zu fordern, dass „die staatliche Organisation ihre Fortsetzung und ihren Abschluß finde in einer staatsgleichen Verbindung aller Staaten zu einem Weltstaat.“ (5) Mises sah einige Jahre nach dem bis dahin vernichtendsten Krieg der Menschheitsgeschichte, die Errichtung eines „Weltüberstaats“ als einzige Hoffnung, die „den Völkern den Frieden gibt, dessen sie bedürfen.“ Allerdings sah Mises als Grundvoraussetzung für diese liberale neue Weltordnung „das uneingeschränkte, vorbehaltlose Bekenntnis zum Liberalismus.“ „Liberales Denken muß“, so Mises, „die Völker erfüllen, liberale Grundsätze müssen alle Staatseinrichtungen durchdringen, damit die Voraussetzungen des Friedens geschaffen und die Kriegsursachen beseitigt werden. Solange es Schutzzölle und Wanderungsverbote, Zwangsschulen und Zwangsunterricht, Interventionismus und Etatismus gibt, werden immer wieder Konflikte entstehen, die zu kriegerischen Verwicklungen führen.“ Dass Mises mitnichten der einzige war, der Ideen zu einem „Weltstaat“ skizziert hat, sollte nicht überraschen. Allerdings waren und sind nicht alle Weltstaatsplaner vom selben liberalen Geist erfüllt wie der große Meister. 

Helmut Krebs kritisiert Anarchisten für ihren angeblichen Hang zu Verschwörungstheorien. Dabei vergisst er, dass es heute nicht viel bedarf, um als „Verschwörungstheoretiker“ diffamiert zu werden. „Klimaleugner“ werden aus dem öffentlichen Diskurs der künstlichen Klimadebatte systematisch ausgegrenzt. Sie stehen außerhalb des Zirkels der öffentlich vertretbaren Meinungen. Laute Zweifel an der offiziellen Darstellung der Anschläge vom 11. September 2001 machen einen Kritiker zum „Verschwörungstheoretiker“. Das sollte gerade ein Helmut Krebs wissen, der den Mut aufgebracht hat, seine Reputation aufs Spiel zu setzen, indem er öffentlich Zweifel an der offiziellen Anschlagstheorie angemeldet hat (6). Dabei könnte doch besonders er dem Anarchokapitalisten Stefan Blankertz in dieser Frage recht geben: „Die Aufklärung eines Verbrechens (und sei es eines politisch motivierten) durch die Behauptung abzuwürgen, bei der Forderung nach Aufklärung des Falles handle es sich um eine ‚Verschwörungstheorie‘, ist unlauter.“ (7)

Brücken schlagen oder zerschlagen?

Wieso ausgerechnet ein Anhänger Ludwig von Mises' künstliche Gegensätze zwischen Anarchisten und Minarchisten aufbaut ist rätselhaft. War es nicht etwa Mises, der in seinem Schüler Murray Rothbard einen Freund gefunden hat, der die Lehren des großen Meisters weiterentwickelt hat und als Begründer der modernen libertären Bewegung gelten darf? Wieso ist die Vereinigung von klassischem Liberalismus und Anarchismus, wie Krebs schreibt, „undenkbar“? In seinem Buch „Man, Economy, and State“ entwickelte Rothbard zum ersten Mal systematisch eine logische Verbindung der Lehren der Österreichischen Schule und einer anarchistischen Gesellschaftsordnung, die er „free society“ nannte. „In einer freien Gesellschaft … ist jeder Mensch Selbsteigentümer [seines Körpers]. Niemandem ist es erlaubt, den Körper oder den Geist eines anderen zu besitzen, was das Wesen der Sklaverei darstellt.“ (8

Mises fand in Rothbards Ausführungen keinen Anstoß zur Kritik. Mit Freude schrieb er eine Rezension des Werks und lobte voller Stolz seinen begnadeten Schüler. Schon vor der Lektüre von Rothbards Werk wusste Mises: „Für jedes Problem, das scheinbar durch staatliche Intervention in den freien Markt gelöst wird, entstehen zwei oder drei andere, wahrscheinlich noch ernstere Probleme.“ Der große Ökonom aus Lemberg gab gegenüber Rothbard offen zu, eigentlich nur die Existenz des Staates zu unterstützen, damit seine geliebten Opernhäuser nicht Bankrott gingen (9). Nach der Lektüre von Rothbards Werk offenbarte er ganz freimütig: „Ich unterschreibe jedes Wort, das Rothbard in seiner Studie geschrieben hat“ (10). Im Gegensatz zu Hayek sprach Mises auch von der Gemeinschaft der „Libertarians“ – also all derjenigen, die sich in einer vernünftigen Opposition gegen die Allmacht des Staats zusammenfanden. Für ihn war auch Liberalismus keine steife Ideologie, sondern durchaus ergebnisoffen: „Der Liberalismus ist keine abgeschlossene Lehre, er ist kein starres Dogma; er ist das Gegenteil von all dem: er ist die Anwendung der Lehren der Wissenschaft auf das gesellschaftliche Leben der Menschen. Und so wie Nationalökonomie, Soziologie und Philosophie seit den Tagen David Humes, Adam Smiths, David Ricardos, Jeremy Benthams und Wilhelm Humboldts nicht still gestanden sind, so ist die Lehre des Liberalismus … heute eine andere als sie in den Tagen jener Männer gewesen war.” (11

Die libertäre Gemeinde täte gut daran ihre Energien nicht in polemischen Grabenkämpfen zu vergeuden, die sie innerhalb ihrer selbst führt. Sie sollte sich auf das zurückbesinnen, worauf sie sich gründet: auf die Idee der Freiheit.


Um das Ende des Films „Highlander“ zu verraten: Der Protagonist verliert als letzter seiner Art seine Unsterblichkeit, gewinnt aber die Fähigkeit Nachkommen zu zeugen. Plötzlich vermag er auch ein Gefühl für die Gedanken anderer Menschen zu bekommen und nutzt dies, um Zusammenarbeit und Frieden voranzutreiben.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Artikel.

    Ich habe den Stein des Anstoßes, den Artikel von Herrn Krebs nur überflogen, aber ich möchte dennoch anmerken, dass es im Zeitalter des Internets als mutwillig zu gelten hat, dass Herr Krebs es offensichtlich nicht für nötig gehalten hat ein Buch, einen Einfürhungsartikel oder auch nur ein einführendes Video von der Seite der Befürworter des Anarchokapitalismuses studieren, bevor er seinen Artikel veröffentlichte. Ich würde es als notwendig erachten, dass ein Artikel über ein Thema, der vorgibt wissenschaftlich zu sein, zumindest einen Verweis auf den Urheber der Denkrichtung hat. Einen Bezug auf Rothbard vermisse ich aber. Wäre zumindest "Rothbard - The Ethics of Liberty" gelesen worden, ließen sich die scheinbar identifizierten Gegensätze "Recht vs. Selbstjustiz", "Verteidigung vs. Isolation", und AnCaps, die Freunde des russischen Staates seien (es ist ein Selbstwiderspruch, als Anarchist für den russischen Staat zu sein), vermeiden.

    Der Hinweis "[...] dass die Wirksamkeit [einer Verfassung] auf der Macht des Faktischen beruht" [wenn man schon Hume zitiert, dann doch bitte auch die Is-Ought-Dichtotomy beachten!] und Fußnote 4 offenbaren einen Hang zum Rechtspositivismus, mit dem sich bekanntlich alle Gräultaten herleiten lassen.
    Ich würde Herrn Krebs die Lektüre von "Huemer -The Problem of political Authority" oder vielleicht auch "Hoppe - The Economics and Ethics of Private Property" nahelegen wollen und wäre interessiert zu sehen, wie genau er nach der Lektüre die Versklavung von 50%-1 Person der Bevölkerung zu rechtfertigen versucht oder die Arugmentations Ethics entkräftet.

    Zusammenfassend benutzt Herr Krebs so ziemlich das gesamte Reportoire des Sophismuses (Framing [Differenzierende vs. simplifizierende Analyse], false dichotomy [Verteidigung vs. Isolation], ad hominems [Sektierertum, Extremismus vs. Ausgewogenheit], Strohmänner [Der Anarchismus will die Gesellschaft zersetzen, der Liberalismus sie in freiheitlicher Weise ausgestalten] etc. pp), was zumindest mir die Vermutung nahe legt, dass er leider keine validen Arugmente für seine Position liefern kann oder möchte.

    PS: Fußnote 2 ist mir gerade noch besonders negativ aufgefallen. Der erste Satz stimmt. Der zweite schon nicht. Und selbst wenn er stimmen würde, wäre zu klären, wie denn der Staat es verhindert, dass sich zwei Partein streiten. Den Zustand der weltbetrachtend möchte es mir scheinen, dass die Leistung des Staates in diesem Zusammenhang sehr zu wünschen übrig lässt. Ich frage mich auch, ob Herr Krebs mit Verweis auf die gleiche Quelle der Meinung ist, dass (juristische) Gesetze allgemeingültig definierbar sind. Wenn nicht, (also immer auf den Inhalt und die Beziehung ankommend etc.) hat er kein Argument gegen das Prinzip geliefert, wenn doch ist die Frage, wieso sich Aggression nicht mit der gleichen Methodik allgemeingültig definieren lassen sollte.

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  2. Weil es genau dazu passt und damit es nicht untergeht, hier zwei Kommentare aus einem (geschlossenen) Facebook-Bereich *) zum Ausgangsartikel:

    Peter Boehringer @Christoph Heuermann @all
    Wie Frank Martin oben ebenso wie ich selbst ja schon 100x schon angemerkt hat, macht es wenig Sinn, große öffentliche Debatten zwischen den Anarchisten ( = Nichtstaatlern / 0%-Staatlern) und den Minimalstaatlern (10% Staatsquote oder so) auszutragen. Das ist auch der einzige Grund, warum ich den pseudointellektuellen und schon wegen der apodiktischen (und falschen!) Überschrift absurden Artikel des „Forums Freie Gesellschaft“ nicht aufgegriffen habe.
    Hier intern aber ein paar Anmerkungen, die leider eine Detailkritik des Artikels nicht ersetzen können – aber für mich wichtig sind – wohlgemerkt von mir als Minimalstaatsverfechter – aber weitgehend aus ganz anderen Gründen als denen des Helmut Krebs:

    1. Angesichts einer faktischen Staatsquote von heute 70+% (!) muss man keine „unüberbrückbaren Gegensätze“ suchen und behaupten zu finden, die sich erst dann (und mE auch erst in der gesellschaftlichen Praxis und nicht rein analytisch) stellen werden, wenn wir den 10%-Minimalstaat erreicht haben.

    2. Helmut Krebs massiv übertreibende Überschrift ist angesichts von 1. nicht nur komplett überflüssig, sondern nimmt (wie übrigens immer seitens Krebs) für sich in Anspruch, eine abschließende und autoritative Definition von „liberal“ zu besitzen bzw. vorgeben zu dürfen. Angesichts aber der vielen verschiedenen Vorstellungen von „liberal“ ist das inakzeptabel – dies aber nicht zum ersten Mal – Herr Krebs hat ja ernsthaft und von Anfang an diese Autorität für sich in Anspruch genommen (dabei meist unter sehr selektivem Bezug auf Mises und andere Austrians) und auf seiner „liberalen“ Debattenseite auch explizit immer wieder so behauptet (man beachte seine „Thesensammlung“, die er praktisch unter Ausschluss einer diskussionsfreudigen Öffentlichkeit seit einigen Monaten "unsolicited" unters FB-Volk bringt).

    3. Wenn man nur mal die wirklich freie Marktwirtschaft als (mE fast einzigem unumstrittenen) Kernbestand aller liberalen Denker heranzieht, dann fehlt es bei Hr Krebs schon hier an seinem Konsens – den er aber über seine ständigen Definitionssetzungen behauptet. Beleg (nur als Bsp): Wie wäre sonst zu erklären, dass Helmut Krebs als ausgewiesener Transatlantiker zwar mit gewissem Recht permanent darauf hinweist, wie schlimm und staatsnah, autoritär und marktfern das Putin-Russland ist, während man auf der Seite von „Liberale Debatte“ von HK noch nie (!!) irgendwelche ernsthafte Kritik an der sogenannten US-„Marktwirtschaft“ lesen konnte – obwohl wir alle wissen, dass die USA mit der Fed den zentralen Hort des Geldsozialismus beherbergen – und dass die Fed und die WGoFM (ein in den 1970ern eingeführtes Gremium zur Marktbeeinflussung in aller Welt – direkt dem US-Präsidenten verantwortlich) seit vielen Jahrzehnten und VIEL effektiver als die Russen oder Chinesen permanent die Weltmärkte manipulieren – also ALLE!
    ... [Fortsetzung unten]

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  3. 4. Um Punkt 3 (einseitige US-Lobhudelei) an einem Beispiel zu belegen (es gäbe Hunderte auf „Liberale Debatte“) nehmen wir einfach das AKTUELLSTE HK-Posting dort (gerade mal 3 Stunden alt) https://www.facebook.com/groups/608428622522187/permalink/1024673264231052/ . Dort steht ernsthaft (zum Thema US-Krieg gegen Irak 1990): „Es ist wichtig, das in Erinnerung rufen, weil die antiamerikanische Propaganda stets die USA, insbesondere die Bush-Administration, des Krieges um Öl bezichtigen. Öl braucht die große Industrienation, wie auch alle europäischen, und die eigenen Vorräte reichen nicht aus. Doch das Ziel war … die Erhaltung des Rohstoffhandels unter relativen Marktbedingungen“.
    => Hm – ist DAS eine liberale Ansicht? Herbeibomben eines „freien Marktes“; und Okkupation nicht nur der kuweitischen, sondern auch der irakischen Ölfelder, an denen das Zweistromland seit Jahrtausenden ein "Erstbesitzrecht" hat, das die Liberalen hoch halten sollten? Es stimmt zwar, dass die „großen angelsächsischen Marktwirtschaften“ des UK und der USA solche Kriege seit den Zwangsöffnungen Chinas und Japans vor 150 Jahren und länger etwa 100x in aller Welt getan haben. Das macht dieses Vorgehen aber nicht liberal, sondern höchst brutal – zumal die Quellenlage recht gut ist, die belegt, dass Saddam vor dem Überfall auf Kuweit geradezu diplomatisch ermuntert worden war! Übrigens hat nicht einmal George Bush (Sr) damals den ersten Irakkrieg so „markttechnisch“ wie hier HK begründet. Und es wäre auch interessant, ob er eine geschätzte Meinung zum ZWEITEN Irakkrieg von 2003ff hat – der explizit von den USA „gegen Saddams Massenvernichtungswaffen“ (in Wirklichkeit natürlich wie der erste nur um Öl) geführt wurde, die es nachweislich nie gab – man erinnere sich an Powells Lügenpräsentation vor der UN-Vollversammlung, die 100.000e unschuldiger Toter nach sich zog!

    ... [Fortsetzung unten]

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  4. Fazit: Ich rate dringend zur Ignorierung dieser abwegigen FB-Zettelwanddiskussion. Der einzige Vorwurf, den ich aber UMGEKEHRT auch den ACs hier machen würde – jedenfalls der „puristischen“ Fraktion: Die von HK gewählte ÜBERSCHRIFT „Die unüberbrückbaren Gegensätze von Anarchismus und [minimalstaatlichem] Liberalismus“ hätte so auch auf FWF stehen können und wäre dort gefeiert worden! Genau diesen Bullshit habe ich von den ACs schon xfach gehört. Wer will, dass wir zusammenkämpfen, muss diese Scharfmacherei lassen [derzeit ist es aber viel besser als noch vor zwei Jahren smile emoticon ]. Bis zum schlanken 10%-Staat können wir gemeinsam kämpfen [siehe hier meine alte Grafik http://www.goldseitenblog.com/.../Graphik-Trend-klein.jpg ] – erst danach muss man (meine These) mal die Stimmung bei den Menschen abfragen, ob sie NOCH weniger „kratie“ wollen oder ob vielleicht doch 10% Etatismus für die allermeisten Menschen außerhalb des FWF-Elfenbeinturms akzeptabel sind... Niemand hier kann das heute wissen, weil niemand je den 10%-Staat erlebt hat, den wir erst nach noch zu gewinnendem Kampf gegen die Zentralbanken haben werden! Rein „logisch-analytisch-moralische“ Verdikte für den 0%-Nichtsstaat genügen mir nicht, da es diesen machtfreien, anarchischen Zustand in 50.000 Jahren Menschheitsgeschichte nie gegeben hat und es dafür durchaus gute (existenzielle!) Gründe geben kann! Im ERGEBNIS (Minimalstaat vermutlich das beste) bin ich zwar bei HK. Aber das hier anlassgebende Pamphlet ist in weiten Teilen inakzeptabel. Und vor allem kommt es eben aus eine illiberalen, mE militaristischen und geopolitisch hoch verdächtigen Ecke, die die USA nicht als das sieht was sie ist: eine mehr als 50%ige Geldplanwirtschaft, basierend auf Falschgeld! HK schreibt viele Posting-Kommentare „von hinten her“: Das Ergebnis (meist „Putin ist schlecht“, die „US-Marktwirtschaft gut“) steht fest – dann werden Fakten und österreichische Zitate passend dazu selektiert, nichtpassende konsequent weggelassen und dann noch sophistisch und völlig einseitig und unter oftmals sehr diskussionswürdiger Logik so die apodiktisch stehenden transatlantischen Ausgangsthesen „bewiesen“. Nach einigen Wochen des Mitlesens durchschaut man das schnell – was auch der Grund ist, warum kaum noch FB-Debatten unter HK-Artikeln und Postings stattfinden, obwohl die Gruppe viele aktive und prominente liberale Mitglieder hat. Denen ist diese Art Sophistik schlicht zu einseitig und blöd als dass sie da Energie reinstecken. Das ist übrigens auch der Grund für meine inzwischen mehrjährige völlige Schreib-Absenz von dieser HK-Seite.

    Like· 6 · 2 August at 19:09

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  5. ... [Fortsetzung von oben]

    Christoph H.: Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar, Peter. Das meiste trifft auf meine Zustimmung, insbesondere das Transatlantikgedöns. Natürlich meinte ich es mit dem Schisma eher scherzhaft. Ich vergöttere schließlich auch Staazis wie Wilhelm Röpke. Mir ist jeder Recht, der der Freiheit den Vorrang einräumt. Dazu gehört auch ein HK mit seinen guten Übersetzungen, auch wenn er das mit dem Anarchismus nicht so verstanden hat.

    Like · 3 August at 02:54



    Peter Boehringer Passt soweit, Christoph. Nur noch ergänzend zu HK: Seine Mises-Übersetzungen sind natürlich gut und wichtig. Und sein durchaus tiefes WISSEN in verschiedenen Bereichen ist auch unumstritten. Ich kritisiere aber die CHRONISCHE (!) Einseitigkeit seiner angeblich EINZIG RICHTIGEN, angeblich einzig logischen, keinen Widerspruch oder nur andere Sichtweisen zulassenden Auslegungen der ÖS! Solche Abschottung gegen andere Sichtweisen (bei HK chronisch abgesichert durch die Macht des Forenadmins - erst gestern hat er einen Kritiker einfach aus der Gruppe geworfen) ist aber etwas, das in hohem Grade aliberal ist.

    Sowohl Mises als auch Hayek etwa haben über mehr als 60 Jahre gewirkt. Bei solchen Oeuvres kann man wenn man sich auskennt ein Zitat zum Beleg fast jeder eigenen, noch so einseitigen These rausziehen. Und genau das wird hier ständig gemacht. Am meisten werfe ich HK die extreme Polarisierung "USA gut und kapitalistisch - RUS das Gegenteil" vor. Die USA sind das geldsozialistischste Land schlechthin. Auf dieser Falschgeldbasis kann man dieses Land schon seit mehr als 50 Jahren nicht mehr als "kapitalistisch bezeichnen (also seitdem im Zuge des Vietnam-Kriegs der 1960er die US-Neuverschuldung nicht mehr mit realem, physisch vorhandem US-Gold deckbar war und ist, sondern nur noch mit Lug, Betrug und Fed-Zetteln)! Ein Mann vom Wissen des HK MUSS das wissen - es wird aber von ihm nie thematisiert. Und da die USA ständig positives Thema der "ÖS-Auslegung according to HK" sind, wankt schon darum das gesamte scheinobjektive Austrian-Gebäude des HK.

    PS: Ich bin übrigens auch beileibe nicht der Einzige, der das so erkannt hat nach einigen Monaten des Mitlesens bei HK. Die meisten österreichischen Koryphäen auf der HK-Seite sind aber hier schweigend und kopfschüttelnd unterwegs - wenn sie überhaupt noch mitlesen; habe das von mindestens 10 Kollegen gehört. Es ist eher die Ausnahme, dass HK mal offenen Kommentargegenwind bekommt wie hier. Hier natürlich deshalb, weil er es sich erstmals mit der sehr streitbaren AC-Szene angelegt hat.

    3 August at 10:10

    Quelle: https://www.facebook.com/christoph.heuermann/posts/1176441285714861?comment_id=1176945778997745&offset=0&total_comments=6&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R0%22%7D&hc_location=ufi

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  6. Mal abgesehen davon, wie mensch das Entstehen von Gemeinschaften und Gesellschaft rekonstruiert (u.a. als bewusste Gründungen, als akteurlose Systemdifferenzierung, kulturevolutionär, etc.):

    Die Gesellschaft kann als ein Versuch/eine Hoffnung darauf interpretiert werden, die Enge und enge hierarchische Organisiertheit von (Stammes-)Gemeinschaften oder feudalen Gebundenheitsverhältnissen zu verlassen. U.a. mit Foucault weiß mensch, dass auch die Gesellschaft ihre Hierarchien ausbildet und - auf andere Art - die Herrschaft von Strukturen und Menschen wieder hallo sagt.

    Neue anarchistische Gemeinschaften als Überwindung der Gesellschaftsform? Oder der Versuch einer Verbesserung der gesellschaftlichen strukturellen Kopnfiguratio - durch den liberalistischen Urgedanken der Gewaltenteilung und andere Aktivitäten?

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  7. "Kopnfiguratio" sollte Konfiguration heißen.

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