Dienstag, 28. Juli 2015

Was ist die Natur?

Gehört der Mensch zur Natur? Und spielt es eine Rolle?
von Jorge Arprin
An Begründungen für staatliche Verbote herrscht kein Mangel. Der Gesellschaftsvertrag, religiöse Sitten oder die Angst vor totalem Chaos müssen immer wieder herhalten, um den Raub an Freiheit zu legitimieren. Ein Argument, das immer wieder hervorgekramt wird, ist das Argument der “Natürlichkeit”. Besonders beliebt ist es bei zwei politischen Gruppierungen, den Grünen und den Konservativen. Die Grünen meinen, man müsse “unnatürliche” Methoden wie Gentechnik komplett verbieten. Die Konservativen sind der Meinung, man müsse “unnatürliche” Familien wie z. B. gleichgeschlechtliche Paare mit einem Kind verbieten. Obwohl beide Gruppierungen keine Freunde sind, sind sich beide darüber einig: Die Natur muss, notfalls mit Freiheitseinschränkungen, geschützt werden.

Da stellen sich für mich zwei Fragen:
1.) Wann ist eine Sache “natürlich” und wann “unnatürlich”?
2.) Warum soll etwas verboten werden, nur weil es “unnatürlich” ist?

Auf diese Fragen habe ich von grüner und konservativer Seite nie eine vernünftige Antwort gehört. Wie man im Buch des Wissens erfährt, gab es in der Menschheitsgeschichte auch nie eine klare Definition von Natur. Meine persönliche, subjektive Definition von Natur lautet: Die Natur ist alles, was nicht vom Menschen gemacht oder verändert wurde. Wälder, Berge, Seen und Tiere sind natürlich, Städte und Straßen nicht. Die angeborene Haarfarbe ist natürlich, die veränderte Haarfarbe nicht. So gesehen ist die gesamte moderne Zivilisation unnatürlich. Diese Definition ist zumindest in sich logisch. Die Grünen und die Konservativen haben jedoch andere Definitionen, von der man nicht dasselbe behaupten kann.

Weder die Grünen noch die Konservativen können eine logische Definition von “Natur” formulieren, und, was wirklich wichtig ist, sie können nicht erklären, warum die Unnatürlichkeit einer Sache ein Grund ist, um sie zu verbieten. Bis jetzt habe ich von beiden Seiten nur völlig unlogische Definitionen von Natur gehört, die dann als Selbstzweck für ein Verbot angewendet wurden, also “Es ist unnatürlich, also muss es verboten werden” – was an der Unnatürlichkeit jedoch grundsätzlich (also in jedem denkbaren Fall) schlecht sein soll, konnte nicht erklärt werden. Um diese Widersprüchlichkeit aufzuzeigen, werde ich die oben genannten Beispiele für “Unnatürlichkeit” bei den Grünen (Gentechnik) und Konservativen (Regenbogenfamilien) mit meinen zwei Fragen testen.


Gentechnik und die Natur

1.) Warum ist Gentechnik unnatürlich?

Gentechnik kann man nur als “unnatürlich” bezeichnen, wenn man alles, was vom Menschen gemacht oder verändert (bei Gentechnik wird das Saatgut verändert) wurde, als unnatürlich bezeichnet. Aber das große Dilemma bei dieser Definition ist: Die Grünen betonen ständig, der Mensch sei ein Teil der Natur. Wenn der Mensch ein Teil der Natur ist, wie kann dann etwas, was vom Menschen verändert wurde, unnatürlich sein? Das ergibt keinen Sinn. Eine andere Definition muss her. Mir fällt aber keine andere Definition ein, die mit den Ansichten der Grünen vereinbar wäre. Für die Grünen sind “unnatürliche” Techniken solche, bei denen der Mensch eine Sache verändert. Wie kann der Mensch dann Teil der Natur sein? Etwa nur, wenn er gar nichts an seiner Umwelt verändert?

Der Mensch greift seit Jahrtausenden überall in seiner Umwelt ein. Die Manipulierung des Saatguts von Lebensmitteln ist nichts, was es erst seit dem 20. Jahrhundert gibt. Schon in der Jungsteinzeit wurde das von den Menschen praktiziert. Heute sind schätzungsweise 60-80% aller Nahrungsmittel irgendwie in ihrem Saatgut verändert worden. Es gibt übrigens nicht nur die Grüne Gentechnik, sondern z.B. auch die Rote Gentechnik, womit die Grünen kein Problem haben, was keinen Sinn ergibt. Außerdem basiert die ganze moderne Zivilisation darauf, dass der Mensch Sachen verändert: Städte, Gebäude, Schiffe, Straßen, Autos, Flugzeuge, Fernsehen, Handys, Einkaufszentren, Stadien. Wenn Gentechnik unnatürlich ist, ist es all das auch.

2.) Warum sollte Gentechnik verboten werden, nur weil es unnatürlich ist?

Somit stellt sich unweigerlich die nächste Frage: Wenn die Gentechnik verboten werden muss, weil sie unnatürlich ist, müsste man dann nicht auch all die anderen besagten Dinge verbieten? Handys und Autos sind völlig unnatürlich! Um diesen Widerspruch aufzulösen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder gehört der Mensch nicht zur Natur und alles, was menschengemacht wurde, muss verboten werden – oder der Mensch ist ein Teil der Natur (wie die Grünen behaupten) und die Gentechnik bzw. die ganze moderne Zivilisation ist als menschliches Produkt auch Teil der Natur. Damit gäbe es keine Rechtfertigung mehr für ein Verbot von Gentechnik, weil sie “unnatürlich” ist.

Das soll nicht heißen, dass alles, was menschengemacht ist, erlaubt sein sollte. Es gibt einen legitimen Grund, um ein gentechnisch verändertes Produkt zu verbieten: Wenn das Produkt gesundheitsschädlich ist. Das hat aber nichts mit Natürlichkeit zu tun, auch natürliche Produkte können gesundheitsschädlich sein. Die Grünen müssten ihre Argumentation ändern und die Gesundheit in den Vordergrund stellen, nicht die Natürlichkeit (obwohl ihre Position auch hier falsch wäre, da Gentechnik meistens ungefährlich ist). Unter einigen “Feldbefreiern” – Aktivisten, die Gen-Felder verwüsten – herrscht jedoch die Auffassung vor, es sei egal, ob Gentechnik gesundheitsschädlich sei oder nicht. Das Wichtige sei, der Natur nicht ins Handwerk zu pfuschen. Wer so denkt, ist ein ideologischer Fanatiker, mit dem sich nicht mehr argumentieren lässt.


Regenbogenfamilien und die Natur

Im Rahmen des Urteils des Obersten Gerichtshofs der USA zur Homo-Ehe sowie in einem Artikel zum Thema Konformismus und Rebellentum kam es zu einer Diskussion mit dem Kommentator Salamshalom, der das Adoptionsrecht für Schwule ablehnt.

Seine Argumentation für das Verbot lautet, gleichgeschlechtliche Eltern seien unnatürlich:

,,Ein Kind braucht von jedem Geschlecht eine Säule, um natürlich (!) aufzuwachsen. Alles andere ist gekünstelte Bastelei. … das Leben bietet via naturalis nun mal auch Grenzen. Homosexuelle können keine Nachkommen zeugen oder gebären, daher soll ihnen von außen, auf Kosten eines kleinen menschlichen Wesens, dieses auch nicht staatlich zugebilligt werden. (…)
Ich, für meinen bescheidenen Teil, kann es innerlich nicht akzeptieren, dass der Mensch tatsächlich glaubt, die Herrschaft über die Natur erlangt zu haben. Wir sind weiterhin Teil der Natur.''

Das wirft die zwei üblichen Fragen auf: Was ist die Natur und warum ist die Natur ein Grund, um etwas zu verbieten?

1.) Warum sind gleichgeschlechtliche Eltern unnatürlich?

Salamshalom behauptet, gleichgeschlechtliche Eltern seien “unnatürlich”, weil zwei Homosexuelle nicht in der Lage sind, ein Kind zu zeugen. Dieses Argument konsequent angewandt würde bedeuten, Adoption sollte grundsätzlich verboten sein, da jedes adoptierte Kind nicht bei seinen biologischen Erzeugern aufwächst. Das wollen die Gegner des Adoptionsrechts für Schwule sicher nicht. Wenn man davon ausgeht, dass es “natürlich” sein kann, Kinder nicht durch ihre biologischen Erzeuger aufziehen zu lassen (ob durch Adoption oder durch andere Umstände), gibt es keine Grundlage mehr für die Behauptung, gleichgeschlechtliche Eltern seien unnatürlich, weil sie nicht die Erzeuger des Kindes sind.

Es muss also eine andere Definition von natürlichen Eltern her. Versuchen wir es mal so: Nur zwei Menschen, die biologisch in der Lage sind, ein Kind zu zeugen, können auch “natürliche” Eltern eines Kindes sein (ob es nun ihr biologisches Kind ist oder nicht). Aber auch diese Definition beherbergt Probleme: Wenn die Fähigkeit, Kinder zu zeugen, für die Natürlichkeit von Eltern von Bedeutung ist, müsste man alle Männer und Frauen, die unfruchtbar sind und ein Kind adoptieren, als unnatürliche Eltern bezeichnen, nicht nur Homosexuelle. Bis jetzt habe ich von den Gegnern des Adoptionsrechts für Schwule nie so etwas gehört. Es gibt also wieder keine Grundlage dafür, gleichgeschlechtliche Eltern als unnatürlich zu bezeichnen.

Warum sollte auch die Fähigkeit der Zeugung eines Kindes etwas über die Natürlichkeit von Eltern aussagen? Zeugung und Erziehung sind doch zwei verschiedene Sachen, die nicht immer zusammenhängen müssen. Genauso gut könnte man behaupten, es sei unnatürlich, wenn Männer ihren Kindern Milch servieren, da nur Frauen Milch erzeugen können und Männer die Milch erst woanders besorgen müssen. Was genau macht gleichgeschlechtliche Eltern für Konservative “unnatürlich”? Egal, wie man es dreht und wendet: Gemäß der konservativen Definition von Natur sind entweder auch gleichgeschlechtliche Eltern natürlich, oder sie müssen auch alle Formen von Adoptionen und Männer, die ihren Kindern Milch servieren, als unnatürlich bezeichnen.

Erstaunlicherweise behauptet Salamshalom nicht nur, gleichgeschlechtliche Eltern seien unnatürlich. Er meint, die Natur würde Mann und Frau als Eltern “zwingend” vorsehen:

,,Das Geniale daran ist ja, dass die “Beweise” gleich mitgeliefert werden. Salopp gesagt, kann es der Mensch nicht ändern, dass nur die Frau schwanger wird, und dass nur die Vereinigung zwischen Mann und Frau die Gelegenheit bietet, sich fortzupflanzen. Diese natürliche (!) Regel ist einfach mal existenziell und essentiell für unser Dasein.
Wenn das allen Beteiligten erst mal klar ist, lässt sich der Rest darauf aufbauen. Das Ergebnis dieser Vereinigung sieht also zwingend, von Natur aus, einen weiblichen und einen männlichen Teil (Eltern) vor.''

“Die Natur” sieht nichts zwingend vor. Die Natur ist keine handelnde Person, sie hat keinen Willen, sie gibt keine Ratschläge und hat kein Buch geschrieben, indem sie den Menschen Anweisungen gibt. Die Natur ist einfach nur da. Sie kann Dinge nur durch die Naturgesetze verhindern. Das heißt, die Natur kann verhindern, dass zwei Homosexuelle ein Kind zeugen. Aber sie kann nicht verhindern, dass ein Kind von einem gleichgeschlechtlichen Paar adoptiert wird. Welches Naturgesetz könnte das verhindern? Würde ein Tornado ausbrechen und das Kind von dem gleichgeschlechtlichen Paar wegreißen, wenn es zur Adoption kommt? So etwas wurde noch nie beobachtet. Selbst wenn wir also auf “die Natur” hören sollten: Die Natur sagt in dem Fall gar nichts, es ist ihr egal.

2.) Warum sollten gleichgeschlechtliche Eltern verboten werden, nur weil sie unnatürlich sind?

Nehmen wir trotzdem mal an, gleichgeschlechtliche Eltern seien auch gemäß der konservativen Definition von Natur “unnatürlich”. Wäre das ein Grund für ein Verbot des Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare? Für mich persönlich kann es nur einen legitimen Grund geben, einer bestimmten Gruppe von Menschen das Adoptionsrecht komplett zu verweigern: Wenn das Kindeswohl in Gefahr ist. Beispiele dafür sind z.B. Alkoholiker, Obdachlose oder IS-Kämpfer. Alkoholiker würden ihre Kinder vernachlässigen, Obdachlose könnten sie nicht materiell versorgen, IS-Kämpfer würden sie zum Terror indoktrinieren. Das Adoptionsrecht für Schwule abzulehnen heißt zu glauben, jedes gleichgeschlechtliche Paar auf der Welt hätte ähnliche Defizite vorzuweisen.

Was ist an gleichgeschlechtlichen Paaren so schlimm, dass ihnen Adoption in jedem denkbaren Fall verweigert werden muss? Auf diese Frage habe ich bis jetzt nirgendwo eine Antwort gehört, was erstaunlich ist, da das Internet sehr groß ist. Alles, was ich hörte, war inhaltsloses Blabla wie “geordnete Umgebung”, “natürliches Aufwachsen” oder “Ein Kind braucht beide Säulen”. Ich kann somit nur spekulieren. Warum braucht ein Kind von jedem Geschlecht eine Säule? Könnten zwei weibliche Elternteile ihrem Sohn nicht erklären, wie man sich rasiert? Könnten zwei männliche Elternteile mit ihrer Tochter nicht über Jungs-Probleme sprechen? Brauchen Kinder einen “strengen” (männlichen) und einen “sanften” (weiblichen) Elternteil? Bei allem Respekt, das ist doch alles albern.

Wenn wir auch nur eines aus Sitcoms wie “Full House” oder “Modern Familiy” gelernt haben, dann dass diese Rollenbilder nicht immer zutreffen. Danny Tanner kümmert sich liebevoll um alle Probleme seiner Töchter, auch wenn er ein Mann ist. Bei den Dunphys ist Claire die Strenge und Phil der Sanfte. Es gibt auch kein Naturgesetz, das es unmöglich macht, dass weibliche Gehirne verstehen, wie sich Männer rasieren und es ihrem Sohn beibringen. Es ist also selbstverständlich möglich, dass gleichgeschlechtliche Eltern dieselben Dinge können wie Vater und Mutter (außerdem haben Kinder nicht nur Eltern, sondern auch Freunde und Verwandte als Bezugspersonen – meistens heulen sich Mädchen bei ihren Freundinnen aus, und ich habe durch die ganzen Gillette-Werbungen gelernt, wie man sich rasiert).

Ob ein Kind bei einem gleichgeschlechtlichen Paar gut aufwachsen kann, sollte in jedem individuellen Fall geprüft werden, genauso wie bei heterosexuellen Paaren. Eine ganze Reihe von Studien aus den letzten Jahrzehnten hat ganz klar gezeigt, dass Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Paaren erzogen wurden, keine größere Gefahr aufwiesen, misshandelt oder traumatisiert zu werden, und auch sonst keine nennenswerten Probleme aufwiesen. Im Übrigen würde ich, selbst wenn es anders wäre, trotzdem das Adoptionsrecht für Schwule befürworten, da es immer um den individuellen Fall geht. Würden Studien zeigen, dass Kinder unter Türken schlechter aufwachsen als unter Deutschen, würde die Lösung ja nicht lauten, allen Türken das Adoptionsrecht zu verweigern.

Wie Salamshalom auf die von mir genannten Studien reagierte, ist bemerkenswert:

,,Nun kann der Mensch sich denken, dass diese essentielle Regel in unserer Zeit nicht mehr greift, da “Studien bewiesen haben”, dass die Aufzucht junger Menschenkinder genauso gut mit zwei Vätern oder zwei Müttern funktioniere. Daran kann man glauben, man darf aber durchaus auch anderer Meinung sein. So ist es in meinem Fall.
Der Mensch wird immer (per Studie) aufzeigen können, dass dieses oder jenes genauso gut läuft, wie es die “Natur” auch schafft. Manche Studien aus den '80ern zeigten auf, dass der Mensch durch ausgewogene, laborchemische Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungssubstitutionspräparate ebenso überleben kann wie durch die Aufnahme von “natürlicher” Nahrung und Flüssigkeit. Dieser Fortschritt ist wichtig und er wird seit Jahrzehnten in der Medizin auch genutzt, aber kennst du jemanden aus deinem Bekanntenkreis, der sich von Essen und Trinken verabschiedet hat und sich der zeitgünstigeren Variante der Kunstnahrung hingegeben hat, weil es “auch gut funktioniert”?''

Zuerst zweifelt er die Studien an, ohne einen Grund zu nennen, warum. Er kritisierte nicht die Methodik oder zitierte andere Studien, er war einfach nur “anderer Meinung”. Dann scheint er einzuräumen, die Studien könnten wahr sein, aber dass es keine Rolle spielt, weil Vater und Mutter dennoch die natürliche Variante sind und sich ja auch niemand von laborchemischen Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungssubstitutionspräparaten ernährt. Eigentlich könnte er kein besseres Argument für das Adoptionsrecht für Schwule bringen: Wenn laborchemische Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungssubstitutionspräparate trotz ihrer Unnatürlichkeit nicht verboten sind, warum sollte die Adoption von Kindern für gleichgeschlechtliche Paare verboten sein, weil es unnatürlich ist?

Die Folgen des Natürlichkeitsfetischismus

Die mit “Natürlichkeit” begründeten Verbote sind nicht nur sinnlos, sie haben auch schwere negative Folgen für viele Menschen. Mit Gentechnik ließen sich gerade in armen Ländern viele Kinder besser mit lebensnotwendigen Vitaminen versorgen. Mit dem Adoptionsrecht für Schwule könnten sich Tausende Paare ihren Wunsch nach einer Familie und Kindern ihren Wunsch nach Eltern erfüllen. Aber beides wird verboten. Weil “die Natur” es nicht will (schlimm ist die Vorstellung, dass gleichgeschlechtliche Paare ihre Kinder verlieren könnten, wenn in einem Land das Adoptionsrecht wieder aufgehoben wird – wenn man glaubt, alle gleichgeschlechtlichen Paare würden ihre Kinder schädigen, müsste man dies konsequenterweise befürworten).

Die Gegner des Adoptionsrechts für Schwule sehen jedoch keine Diskriminierung. Salamshalom schafft es, aus den Opfern Täter zu machen:

,,Wenn ein Mann sich außer Stande fühlt, eine feste und sexuelle Beziehung mit einer Frau zu führen, warum sollte der Staat (?) ihm bei der Realisierung seiner weiteren Wünsche helfen, unter Geiselnahme eines Kindes? Wenn sich ein Heranwachsender, mündiger Mensch später freiwillig adoptieren lassen möchte, dann soll es so sein. Aber ein Säugling/Kleinkind ist nicht “geschäftstüchtig” und ihm sollte ermöglicht werden, natürlich aufzuwachsen.''

Es ist schon ein ziemlich entlarvender Sprachgebrauch, wenn man die nach sorgfältiger Prüfung zustande gekommene Adoption eines Kindes als “Geiselnahme” bezeichnet. Und selbstredend hat kein gleichgeschlechtliches Paar das Recht, den Staat auf ein Kind zu verklagen. Das einzige, was der Staat machen muss, ist sich heraushalten und die Paare, Kinder und Heime selbst entscheiden lassen. Durch das Verbot hilft der Staat tatsächlich einer Gruppe bei der Realisierung ihrer Wünsche – den Konservativen, unter Geiselnahme von Paaren, Kindern und Heimen. Vielen dürfte es dabei nicht um die Kinder oder um Natürlichkeit gehen, sondern um den Ekel, den sie empfinden, wenn sie ein gleichgeschlechtliches Paar mit einem Kind sehen. Man kann es “Homophobie” nennen.

Das ganze Konzept der “Natürlichkeit” ist ein willkürliches Null-Argument, das dazu dient, Menschen essentielle Bürgerrechte zu verweigern. Es ist genauso irrational wie alle anderen Begründungen für Freiheitsverbote. Bei beiden Geschichten kann man überdies eine tragische Ironie erkennen, die hoffentlich nicht nur mir aufgefallen ist: Grüne machen sich ständig Sorgen um die Gesundheit der Konsumenten und verbieten gesundheitsfördernde Lebensmittel. Konservative betonen immer die Wichtigkeit der Familie und verbieten es Paaren und Kindern, ihren Familienwunsch zu erfüllen. Liebe Grüne, liebe Konservative: Warum tut ihr das?

Zuerst hier erschienen.

1 Kommentar:

  1. Dominik Ešegović30. Juli 2015 um 02:01

    Ich möchte hier einen passenden
    Beitrag Henning Lindhoffs zitieren:

    Die Psychologie hat schon seit geraumer Zeit einen deutlichen Zusammenhang zwischen Vaterpräsenz und gesunder Entwicklung der Kinder auf der einen und von Vaterabsenz und der hohen Gefahr von Scheitern auf der anderen erkannt. Vor allem bei Jungen. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen verdeutlichen, wie sehr eine gestörte Beziehung zum Vater das Leben des Kindes nachhaltig negativ beeinflussen kann. Zuerst in den USA fiel auf, dass unter den Schulversagern, Studienabbrechern, Schwerverbrechern und Drogenabhängigen der Anteil der Kinder, die ohne Vater aufwachsen mussten, überproportional hoch war. Fast zwei Drittel aller Vergewaltiger, drei Viertel der jugendlichen Mörder und ein ähnlich hoher Prozentsatz jugendlicher Gefängnisinsassen sind ohne Vater groß geworden. Im Jahr 2012 stellte eine britische Studie fest, dass eine deutliche Mehrzahl der Gewalttäter, die während der Londoner Unruhen im Sommer 2011 festgenommen wurden, ebenfalls ohne Vater aufwachsen mussten.
    Für Deutschland sind ähnliche Zahlen zu beobachten. Die Sozialforscher McLanahan und Sandefur haben ausgerechnet, dass für ein Mädchen aus einer zerbrochenen Familie der ökonomischen Mittelklasse die Gefahr einer Schwangerschaft im Jugendalter fünfmal und die Gefahr eines Schulabbruchs dreimal so hoch ist wie bei einem Mädchen, das gemeinsam mit dem leiblichen Vater aufwächst.
    Die Abwesenheit des Vaters schadet Kindern, vor allem Jungen. Genug wurde von feministischen Ideologen auf der Rolle des Vaters herumgetreten. Das Thema ist traurig und verdient Beachtung. Denn zum Mannwerden benötigt es einen Vater. Die Therapeuten Dan Kindlon und Michael Thompson berichteten kürzlich aus ihrer Praxis, dass sie bislang nur selten Männer in der Therapie haben weinen gesehen. Wenn sie dann aber einmal weinten, dann darüber, dass sie mit ihren Vätern nicht oder zu wenig erleben durften.

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