Montag, 6. Juli 2015

Rezension: Ein Fachbuch zum Genießen

Das Buch kann hier bestellt werden
Hubert Milz rezensiert
Willy Marth: Energiewende und Atomausstieg: Chance oder Irrweg, 200 Seiten, 14,95 Euro, BoD, 2015.
Der promovierte Physiker Willy Marth hat mit dieser Publikation ein Buch zur Energiewende vorgelegt, welches auch der technisch-naturwissenschaftliche Laie mit Genuss lesen kann, auch wenn dem Autor mitunter das eine oder andere faule Ei des IPCCs nicht aufgefallen ist.

Bei einigen seiner Ausführungen ist der Autor – leider ohne viel zu fragen – den sogenannten wissenschaftlichen Auswertungen des IPCCs fälschlicherweise gefolgt. Keine Frage, der IPCC versteht das Handwerk des "wissenschaftlichen Marketings", sodass auch mancher Naturwissenschaftler am Haken hängen bleibt.

Wie man so ein "wissenschaftliches Marketing" platziert, dies kann der Leser sich in einem Film anschauen: "Schlank durch Schokolade – eine Wissenschaftslüge geht um die Welt". Dort wird gezeigt, wie man eine Wissenschaftslüge mit der richtigen Verpackung (Studien, Experimente, dazu Expertisen etc.) nicht nur einem breiten Publikum als die "Wahrheit" verkaufen kann, sondern wie sogar weltweit die "Wissenschaft" applaudierend darauf hereinfällt und das Ganze für seriös erachtet und "fachbegutachtet" (Peer-Review). Und in dieser Art und Weise versteht auch der IPCC sein Handwerk – man sollte, aufgrund der Dinge, die um den IPCC in den letzten Jahren ans Licht gekommen sind, grundsätzlich jeder Aussage des IPCCs zunächst grundsätzlich misstrauen!^



Dies nur am Rande, denn Willy Marth schildert in diesem Buch recht anschaulich und mit Anekdoten gewürzt, wie es in Deutschland 2011 zum Fukushima-Fieber gekommen war und welche Probleme und Folgen dieses Fieber mit sich gebracht hat.

Am 11. März 2011 verursachten Erd- und Seebeben im japanischen Fukushima eine Reihe von Unfällen und Störfällen im dortigen Kernkraftwerk – vier der sechs Reaktorblöcke waren davon betroffen. Diese Reaktorunfälle riefen in Deutschland massenhaft Demonstranten gegen die Kernenergie auf die Straßen.
Die Leute verfielen dem Fukushima-Fieber, so dass sie überhaupt nicht registrierten, dass die Kanzlerin Merkel mit der Proklamierung ihrer "Energiewende = Ausstieg aus der Atomkraft = Forcierung der Öko-Energie" eine Woche nach der Fukushima-Katastrophe nur einen "Coup" (schnellen Schlag) durchführte, der dem politischen Gegner den Wind aus den Segeln nehmen sollte.

Mehr nicht; denn die bundesdeutsche Infrastruktur der Stromversorgung war und ist bisher nicht auf eine solche Wende ausgelegt. Folgende Fragen sind bis heute ungeklärt und diese Probleme werden von Willy Marth aufgespießt und fundiert untersucht:

- die Netze zur Umsetzung fehlen, der Netzausbau erfolgt gar nicht bzw. schleppend;
 
- die ungeheuren Kosten des hochsubventionierten Ökostroms bezahlen letztendlich die privaten Haushalte (sprich: "Die reiche Sozialrentnerin finanziert der armen Milliardärin mittels EEG-Umlage voller Freude und sehr gerne die Solaranlagen");

- die Zerstörung der schönen deutschen Kultur- und Naturlandschaften durch riesige Windparks und Stromtrassen;

- durch die vorbehaltlose Einspeiseverpflichtung des Ökostroms sind die Stromnetze gestresst und die Netzstabilität gefährdet - selbst die Bundesnetzagentur räumt in ihren Berichten ein, dass Deutschland schon einige Male hart an einem Blackout vorbeigeschrammt ist;

- es liegt kein vernünftiges Konzept vor, welches "Grundlast – Mittellast – Spitzenlast" der Stromversorgung richtig trimmt;

- der Standortvorteil, den die deutsche Industrie durch ein stabiles Stromnetz mit Versorgungssicherheit hatte, ist inzwischen perdue;
 
- im Jahr 2000 kostete die kWh Strom knapp 14 Euro-Cent, davon kassierte der Staat rund 25% mittels Umlagen (Finanzierung der Subventionen), Abgaben und Steuern, 2014 bezahlte der Private knapp 29 Euro-Cent für die kWh Strom und davon kassierte der Staat gut 52%, mit der Folge, dass die energieintensiven Industriebranchen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, deshalb abwandern und in Deutschland Standorte schließen, d. h. der "Coup" der Kanzlerin aus 2011 vernichtet in Deutschland die Wertschöpfungskette und die Arbeitsplätze – immer mehr Menschen verlieren dadurch "Arbeit und Brot".

Dem Buch von Willy Marth gebe ich eine klare Leseempfehlung – möge es viele Leser finden und diese auch wachrütteln!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *