Donnerstag, 16. Juli 2015

Die Seelenverkäufer!

von Kurt Kowalsky
Die Welt ist voller Krisen. Das Wort Krise hatte ursprünglich die Bedeutung "trennen" oder "unterscheiden" und kann laut Duden im Sinne von "entscheidende Wende" übersetzt werden. Es ist somit etymologisch vollkommen unangebracht, von Krise zu sprechen, hat sich nichts entschieden.

Will man sich also mit einem Fausthandschuh in der Nase bohren, so befindet man sich in keiner Krise, sondern man benutzt untaugliche Mittel, um das anvisierte Ziel zu erreichen. Und wer in einem Loch sitzt, sollte zuerst mit dem Graben aufhören, bevor er irgendetwas Entscheidendes unternehmen kann.

So gesehen befindet sich der Liberalismus in Deutschland auch in keiner Krise, weil die FDP in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, sondern er steht in voller Blüte, wie selten in den letzten 300 Jahren. Das Loch hat nämlich genau diese Tiefe erreicht, welche man sich gegraben hat. Während saufen ohne zu kotzen mit etwas Training noch durchaus machbar ist, ist Liberalismus, ohne zu graben, nicht denkbar.

Wer eine "freiheitliche, politische, ökonomische und soziale Ordnung" den Leuten mit den Mittel des Parlamentarismus beibringen will, hat entweder den Parlamentarismus und seine Funktion nicht verstanden oder er ist ein Trickbetrüger, Lügner und Beutelschneider. Der Trick heißt "wählt uns", die Lüge manifestiert sich durch das "freiheitliche Versprechen" und den Profit erzielt man über die diversen Positionen, welche es im Parlamentarismus zu erreichen gibt.

Derzeit schwadroniert das liberale Wählerklientel etwas im Ungefähren. Die kleinen Gauner, welche im regierungsamtlichen Berlin, sich auf Kosten des Steuerzahlers immer wieder zu Wort melden konnten, sind in der Versenkung verschwunden. Das System hat sie mangels Relevanz ausgespuckt. Da weiß man nun gar nicht mehr so richtig, wie man sich als "Liberaler" zu positionieren hat.

Ich kann dem etwas nachhelfen: Zwangsversicherungen, progressive Steuererhebung, Zwangsmitgliedschaften der Unternehmer, Zwangsrundfunkgebühren, EU-Mitgliedschaft, Staatsverschuldung usw. Alles Errungenschaften, welche der Liberalismus (nicht nur in Deutschland) auf parlamentarischen Wege für seine Klientel erkämpft hat. Kein Wunder, dass bei diesen Kämpfen das Loch immer tiefer wurde. Jede Dösbacke, welche in den vergangenen 50 Jahren stattdessen die SPD gewählt hatte, hat dagegen schon fast ein Erweckungserlebnis.

Aus einem dieser Löcher rumort es nun. Ohne auch nur daran zu denken, sich der Fausthandschuhe zu entledigen, werfen sich die unterschiedlichen Nasenbohrer vor, mit rechten oder linken Popeln das Loch zu verschmutzen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis heute überhaupt keine Ahnung hatte, wer da alles im Loch sitzt. Ottmar Issing, Karl-Heinz Paqué konnte ich lesen, Christian Linder vernahm ich. Potzblitz, konnte ich da nur sagen, bevor mich ein klar definierter Brechreiz übermannte.

Als jetzt Frau Horn in einer Zeitung schrieb: "Wenn es nicht gelingen sollte, der liberalen Ethik von Offenheit und Toleranz den ihr gebührenden Raum zu schaffen – dann verliert der Liberalismus seine Seele." stieß dies auf Kritik im Loch. Und so schaukelte sich die Empörung gegenseitig auf, so dass man in der Presse lesen konnte, es gäbe einen Exodus bei der Hayek-Gesellschaft.

Eine echte Krise! Liberale Ethiker (sprich: Befürworter des Sozialstaates und des Parlamentarismus) verlassen das Loch, während andere liberale Ethiker (sprich: Befürworter des Sozialstaates und des Parlamentarismus) im Loch verharren.

Na, wenn das keine Wende ist, weiß ich nicht, was noch zu wenden ist.

Meine Stimme haben sie jedenfalls. Ich bin für Offenheit und habe die Errungenschaften des Liberalismus oben aufgeführt. Ich bin jedoch nicht dafür, dass man diese Gewaltverherrlichung tolerieren sollte. Haben doch die angeblich rechten und linken Popel eines gemeinsam: sie sind Befürworter einer staatlichen Gewaltherrschaft, somit Befürworter von Unfreiheit, Lüge und Beutelschneiderei.

Die Seele, meine liberalistischen Beutelschneider, habt ihr schon lange verkauft, dazu benötigt ihr in eurem Loch keinen rechten Rand mehr.

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