Sonntag, 21. Juni 2015

Rezension: Scholastische Wurzeln moderner Wirtschaftstheorie

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Hubert Milz rezensiert
Diesmal: Thomas E. Woods: Sternstunden statt dunkles Mittelalter: Die katholische Kirche und der Aufbau der abendländischen Zivilisation, 304 Seiten, 22,70 Euro, MM Verlag.
Ein wirklich lesenswertes Buch des libertären Professors Thomas E. Woods; ein Buch, welches mit vielen Vorurteilen über das Mittelalter und die katholische Kirche aufräumt.
Jedem Leser zu empfehlen, der auch bereit ist sich mit seinen eigenen - eventuell auch lieb gewonnenen - Vorurteilen kritisch auseinanderzusetzen.
Auch und gerade für Ökonomen, die die Geschichte und Wurzeln ihrer Wissenschaft nachfragen, interessant.

Im Kapitel über Kirche und Wirtschaft geht Woods der Geschichte der Wirtschaftstheorie nach. Er zeigt überzeugend, dass die Lehre vom freien Markt nicht ihren Ursprung mit Adam Smith in der Epoche der Aufklärung hat, sondern längst weitgehend von scholastischen Gelehrten theoretisch erfasst worden war:

- Der Franziskaner Pierre de Jean Olivi (1248-1298), der eine Wertlehre, die auf subjektivem Nutzen basiert, formulierte.

- Bernhardin von Siena (1380-1444), der diese Wertlehre in sein Werk einbaute.

- Jean Buridan (1300-1358), der wichtige Beiträge zur Geldtheorie leistete und zeigte, dass das Entstehen von Geld als Tauschmittel spontan auf freien Märkten begründet wurde.

- Nikolaus von Oresme (1325-1382), ein Schüler Buridans, der in seinen monetären Arbeiten die negativen Folgen des staatlichen Geldmonopols nachwies.

- Thomas de Vio Cajetan (1468-1534), der als der Begründer der Erwartungstheorie in der Wirtschaft betrachtet werden kann.

- Die spanische Spätscholastik, auch Schule von Salamanca: Krönung sind die Arbeiten einer Gruppe von Theologen-Juristen des spanischen goldenen Zeitalters, wie jene Epoche vom Ökonomie-Professor Jesús Huerta de Soto genannt wird. Nicht nur, dass die Arbeiten dieser Gruppe zum Entstehen der modernen Rechtswissenschaften (z. B. für das Strafrecht und für das Internationale Recht) entscheidendes geleistet haben, sondern Gelehrte wie Martin de Azpilcueta, Ehrenname: Doctor navarrus (1492-1586), Kardinal Juan de Lugo (1583-1660) und Luis de Molina (1535-1600) lieferten wesentliche Beiträge zur Wirtschaftstheorie, z. B. zur subjektiven Wertlehre, zur Preistheorie und zur Währungstheorie (z. B. erste Formulierungen der Quantitätstheorie des Geldes).

Woods zeigt, unter Hinzuziehung des Werkes von Murray Newton Rothbard, dass die Vorarbeiten der Scholastiker, also die Arbeiten innerhalb der thomistisch-aristotelischen Tradition, im späten 19. Jahrhundert in den Arbeiten der ''österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre'' kulminierten. Einer Schule, die auch heute noch als ''Austrian School of Economics'' existiert und an etlichen Universitäten in den USA, in Spanien, in Frankreich, in den Niederlanden oder der Tschechischen Republik ihre Vertreter hat.
Carl Menger, dessen ''Grundsätze der Volkswirtschaftslehre'' von 1871 als Geburtsstunde der ''österreichischen Wirtschaftsschule'' gelten, führte z. B. in seinen Anmerkungen Werke der Schule von Salamanca als Quelle an.

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