Montag, 1. Juni 2015

Landtagswahlen in Österreich: Vom blauen (Wähler)Teich

von Ralph Eisbär
Heute Landtagswahlen. Nicht, dass sie sonderlich wichtig wären. Aber dennoch, weil ja jetzt wieder das klassische "OMFG, so viele Stimmen für die FPÖ" einsetzt, eine kleine Spurensuche (die folgenden Feststellungen lassen sich mutatis mutandis auch auf die AfD ummünzen).

Dabei wird man zum einen ausgerechnet heute (ein Naivling, wer an Zufall denkt) in der Presse fündig. Hauptaussage: die übrigen Parteien fürchten sich davor, die brisanten Themen unserer Zeit anzufassen, nicht einmal mit einem kilometerlangen Selfiestick. Damit überlassen sie der FPÖ – leider – die Deutungshoheit oder jedenfalls mehr Einfluss als sie verdient hat. Und wenn man sich doch äußert, bezieht man oft die komplette Gegenposition zur FPÖ, weil das Gegenteil von verkehrt ja nur korrekt sein kann; eine Rechnung, die freilich nur aufgeht, wenn man so zweidimensional denkt wie ein Videospiel aus den 80er/90ern. Mit Ernst Jandl (ihr wisst schon, der mit dem "lechts ist rinks"-Gedicht, Lehrplan Deutsch, 8. Klasse) sollte man sich insofern einmal mehr fragen, ob die gute alte rechts/links-Dichotomie im post-ideologischen Zeitalter beim Vermessen der politischen Landkarte hilfreich ist oder ob sie nicht vielmehr den Blick auf Wesentliches verstellt.

Ein zweiter Grund: Die FPÖ gilt, wohl mehr denn je, als Anti-Elitenpartei. Und wir leben in einem post-demokratischen, elitären Zeitalter (wie hat es Slavoj Zizek letztens im Burgtheater so schön lakonisch mit seinem charmanten Akzent gesagt: "Democracy? Come on, who believes in this?"). 
Egal, ob EU im Allgemeinen/Bankenrettung/Griechenland im Besonderen, Gender-Studies/Feminismus (Bundeshymne!!! Gabalier!!! Conchita!!!) und so weiter. Es gibt unzählige Themen, bei denen eine klare Entfremdung Bevölkerung – Regierung/"intelligente" Politiker und der (kleine, sich als elitär sehende) Bevölkerungsanteil, der es "auch checkt", festgestellt werden kann. Da steht die FPÖ auf Seite all jener ein wenig abschätzig angesehener 0815-Bürger, denen im- und wohl auch oft mal explizit Unwissenheit und überbordende Impulsivität ("vox populi, vox Rindvieh, soll schon der alte Bismarck gesagt haben!) unterstellt wird.

Zum Abschluss. Fürchtet euch nicht. Die FPÖ hat seit je her das Problem, dass sie mehr Stimmen bekommt, als sie Posten mit halbwegs zurechnungsfähigen Menschen besetzen kann. Remember schwarzblau. Man könnte gewissermaßen sagen, dass sie eine parteiimmanente Doomsday Machine eingebaut hat, die losgeht, sobald sie eine gewisse Anzahl von Stimmen/Posten bekommt. Schönen Sonntag noch.

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