Sonntag, 17. Mai 2015

Bayern München in der Kritik: Wirklich Wettbewerbsverzerrung?

von Tommy Casagrande
Der Vorwurf, den ich dieser Tage an den FC Bayern München gerichtet lese, besagt, weil der FC Bayern nicht mit dem besten Personal seine Spiele bestreitet, würde eine unprofessionelle Wettbewerbsverzerrung stattfinden. Diesem Vorwurf, den ich als planwirtschaftliche Denkweise verunglimpfe, muss entschieden entgegen getreten werden.
Der Kampfbegriff "Wettbewerbsverzerrung" ist Ausdruck einer Denkweise, die auf planwirtschaftliche Art und Weise die Leistungsfähigkeit anderer beansprucht. Dieses Anspruchsdenken hat nichts mit irgendwelchen Rechtmäßigkeiten zu tun, sondern ist eine Fremdeinmischung in die Eigentumsrechte anderer. Jeder Verein ist für sich selber und für sein Schicksal verantwortlich. Dass es im Laufe einer Saison daraus auch zu situativen Abhängigkeitskonstellationen kommen kann, darf nicht von der Eigenverantwortung ablenken, dass jeder, wenn er nur auf sich schaut, die faire Möglichkeit hatte, besser zu stehen, falls er mit seinem Platz unzufrieden ist. Anderen die Schuld oder auch nur eine Teilschuld zu geben ist ein unanständiges Benehmen, dass von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken soll. Es ist somit eine Ausrede, jedoch zugleich eine Unsitte, die sich eingebürgert hat.
Der FC Bayern München ist für niemandes Schicksal verantwortlich. Der FC Bayern München ist, genauso wie jeder andere Verein, ausschließlich für sein eigenes Schicksal verantwortlich. Der FC Bayern München hat das gleiche Recht wie jeder andere Verein, jene Spieler einzusetzen, die er einsetzen will. Die Gründe sind oft komplex und reichen von aktueller Tagesform bis hin zur Schonung von Kräften. Es ist legitim, und jeder Verein darf das tun. Jeder Verein entscheidet für sich selber. Sobald wir aber Systeme entwickeln, in denen das interne Handeln eines bestimmten Vereins als Ursache herangezogen wird für die Wirkung auf einen anderen Verein, landen wir in einer kommunistischen, unfreien Planwirtschaft, in der eine oberste Fußballbehörde bestimmt, wer in welchem Verein die besten Spieler sind und dass diese zu spielen haben. Nur so würde man dem Vorwurf der "Wettbewerbsverzerrung" entgehen. 

Das Problem dabei ist aber, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht jeden Tag die selbe Leistung abliefern können. Wenn nun die oberste Fussballbehörde entscheidet, welche elf Mann die besten Spieler des FC Bayern sind und sie den FC Bayern verpflichten würde, dass diese immer spielen müssen, dann müsste man die Spieler aber auch zwingen, in jedem Spiel gleichermaßen ihre beste Leistung abzurufen. Denn was bringt es, wenn beispielsweise Robben zwar auf dem Platz ist, seine Leistung aber nicht dem Robben der Vorwoche entspricht? Ist das dann nicht genauso "Wettbewerbsverzerrung"? Das gleiche gilt für das Toreschießen und das Torebekommen. Auch für Fouls. Im Grunde gilt es für jedes menschliche Handeln, das somit als "Wettbewerbsverzerrung" pervertiert würde. Das heißt, es gäbe kein menschliches Leben mehr, weil jedes abweichende, von einer Behörde festgelegte Normverhalten "Wettbewerbsverzerrung" darstellen würde. Es bräuchte dann keine selbstverwalteten Vereine mehr, sondern alle Vereine unterstünden einer Zentralverwaltung. Auch Ersatzspieler bräuchte es keine mehr, und wer nicht jedes Spiel die gleiche Leistung abriefe, müsste durch Strafen sanktioniert werden, weil der Vorwurf einer "Wettbewerbsverzerrung" im Raum stünde. 

Der Begriff "Wettbewerbsverzerrung" ist dort angebracht, wo von allen Beteiligten gemeinsam unterschriebene Regeln unterwandert werden. Beispielsweise, indem ein Spiel gekauft wird. Diese Regelbrüche müssen aber scharf skizziert werden, weil ansonsten, wie es aktuell der Fall ist, der Vorwurf einer "Wettbewerbsverzerrung" auf alle möglichen menschlichen Handlungen abstrahiert würde. 

Zudem sollte man noch eine weitere Dimension in Betracht ziehen, wenn man den Begriff "Verzerrung" verwendet: Durch staatliche Eingriffe, direkter und indirekter Natur, werden Märkte jeglicher Art verzerrt. Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage. Das gilt natürlich ebenso für den Markt Fussball. Will man also über Wettbewerbsverzerrungen sprechen, müsste man auch betrachten, in welcher Weise staatliche Gesetze, die meist mit Fußball nichts zu tun haben, sich aber auf diesen Bereich auswirken. Staatliche Eingriffe bleiben mit all ihren Konsequenzen niemals nur beschränkt auf den Bereich, für den sie gedacht sind, sondern lösen Reaktionen und Konsequenzen in allen möglichen Gesellschaftsbereichen aus. Das wiederum ist ein komplexeres Thema, soll durch den von mir vorgenommenen Anriss aber nur zu einer geistigen Sensibilität anregen, dass man das im Hinterkopf behält, wenn man von "Wettbewerbsverzerrungen" im Fussball oder anderen Bereichen spricht.

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