Samstag, 18. April 2015

Staatliche Bauvorhaben: Wie Kostenüberschreitungen verhindert werden können

Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn der Staat baut, wird es am Ende immer teurer als geplant. Diesen Satz hört man des Öfteren, wenn es um Baumaßnahmen der öffentlichen Hand geht. Die Wahrnehmung der Bevölkerung ist dabei geprägt von skandalumwitterten Großprojekten wie dem Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg oder der Elbphilharmonie in Hamburg. Bei diesen Vorhaben sind die Kosten im Vergleich zu den ursprünglichen Ansätzen völlig aus dem Ruder gelaufen. Handelt es sich hier um seltene Ausnahmen, die von den Medien hochgekocht werden? Oder kommen Kostenüberschreitungen bei staatlichen Bauvorhaben tatsächlich besonders häufig vor?

Nun, die Berichte der Rechnungshöfe enthalten Jahr für Jahr eine Fülle von Beispielen dafür, wie in Deutschland bei Baumaßnahmen der öffentlichen Hand immer wieder der Kostenrahmen überschritten wird. Und auch in anderen Nationen scheint es nicht besser zu laufen. Wissenschaftler haben hunderte von großen Infrastrukturprojekten, die meisten davon steuerfinanziert, aus verschiedenen Ländern untersucht. Das Ergebnis der Untersuchungen war, dass Kostenüberschreitungen für die Mehrzahl solcher Vorhaben die Norm sind.

Bei Straßenbauvorhaben lagen die Kosten durchschnittlich um 20 % über den ursprünglichen Planungen, bei Brücken und Tunneln um 34 % und bei Bahnprojekten sogar um 45 %. Großvorhaben, bei denen der vorgesehene Kostenrahmen eingehalten oder sogar unterschritten wurde, kamen dagegen nur selten vor.


Kosten werden in der Planungsphase zu niedrig angesetzt

Da drängt sich natürlich die Frage nach den Ursachen dieses weitverbreiteten Missstands auf. Zum einen kommt es nicht selten vor, dass bei der Planung großer Vorhaben von ungenauen oder veralteten Daten ausgegangen wird oder die Kosten aus Inkompetenz oder Unerfahrenheit zu niedrig eingeschätzt werden. Weiterhin spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle. Häufig lassen sich die Planer von viel zu optimistischen Annahmen für ihr Vorhaben leiten. Der Nutzen des Projekts wird überschätzt, Kosten und Risiken werden dagegen unterschätzt. Kein Wunder, dass der vorgesehene Kostenrahmen bzw. der Zeitplan bei großen Vorhaben deshalb häufig nicht eingehalten werden kann.

Schließlich neigen viele Planer und Promotoren eines Vorhabens dazu, die Kosten wider besseres Wissen viel zu niedrig anzusetzen, um die Chancen für die Durchsetzung ihres Projekts zu erhöhen. Dies gilt besonders dann, wenn politische Gremien von dem Vorhaben überzeugt werden sollen und dieses mit vielen anderen Projekten um die knappen Steuergelder konkurriert. Politik und Öffentlichkeit werden hier bewusst über die zu erwartenden Kosten getäuscht. Denn die Verantwortlichen wissen genau, dass angefangene Baumaßnahmen im staatlichen Bereich stets zu Ende geführt werden, ganz gleich, wie die Kosten sich später entwickeln. Durch dieses Täuschungsmanöver werden somit Vorhaben durchgedrückt, die bei ehrlichen Angaben keine Chance auf Realisierung gehabt hätten! Korrekt kalkulierte Vorhaben bleiben dagegen - da zu teuer - häufig auf der Strecke.


Projekte müssen sorgfältiger geplant werden

Um unangenehme Überraschungen bei der Kostenentwicklung zu verhindern, muss bei der Planung der Vorhaben angesetzt werden. Eine sorgfältige Projektvorbereitung durch qualifiziertes und erfahrenes Personal ist unerlässlich, um belastbare Kostenschätzungen zu erhalten. Es müssen realistische Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen vorliegen, ehe politische Gremien eine Entscheidung über die Durchführung eines Vorhabens treffen. Finanzielle und sonstige Risiken müssen nachvollziehbar dargelegt werden. Die Planungen müssen weitestgehend abgeschlossen sein, damit die Ausschreibung der Bauleistungen ohne weiteres daraus hergeleitet werden kann. Baubegleitende Planungen müssen unbedingt vermieden werden, sie führen erfahrungsgemäß zu Problemen in Bauablauf und letztlich zu Mehrkosten. Auch sollte bei den Ausschreibungen die Qualität der Angebote stärker berücksichtigt werden als zurzeit. Die Terminplanung muss nach baufachlichen Gesichtspunkten erfolgen, weil unrealistisch kurze Termine, wie sie manchmal von der Politik gewünscht werden, nur Störungen im Projektablauf und letztlich Kostensteigerungen verursachen.


Es sollten Kostenvergleiche mit ähnlichen Vorhaben durchgeführt werden

Was bewusst oder unbewusst zu niedrig angesetzte Kosten anbetrifft, so gibt es hierzu im internationalen Bereich eine interessante Entwicklung, die auch in Deutschland zur Anwendung kommen sollte. Um unrealistisch niedrige Kosten zu identifizieren, wird in einigen europäischen Ländern ein Vergleich des geplanten Projekts mit ähnlichen, bereits abgeschlossenen Maßnahmen durchgeführt.

Zunächst muss eine Gruppe von vergleichbaren Baumaßnahmen gefunden werden. Die Ergebnisse dieser Baumaßnahmen – also Kostenentwicklung und zeitlicher Ablauf - werden dann mit den Annahmen des geplanten Projekts verglichen. Wenn zum Beispiel der Neubau eines staatlichen Museums beabsichtigt ist, lassen sich durchaus vergleichbare Museumsneubauten finden, deren Baukosten im Detail bekannt sind. Durch einen Vergleich der Durchschnittskosten pro Kubikmeter umbauten Raums springen unrealistisch niedrige Werte des geplanten Vorhabens sofort ins Auge. Ja, selbst auf der Ebene einzelner Kostengruppen lässt sich ein Vergleich durchführen. Dadurch kann verhindert werden, dass große Kostenblöcke schlicht „vergessen“ werden, um ein Vorhaben durch die Entscheidungsgremien zu schleusen.


Strenge Kostenkontrolle in der Bauphase

Für die eigentliche Bauphase der Vorhaben ist wichtig, dass die Planung unverändert umgesetzt und auf jede nicht zwingend erforderliche Änderung oder Ergänzung verzichtet wird. Insbesondere dürfen die Ausstattungsstandards nicht nachträglich erhöht werden. Auch muss für ausreichende Steuerungsinformationen gesorgt werden, die ein zeitnahes Handeln ermöglichen. Im Rahmen einer Kostenkontrolle muss ein ständiger Soll-Ist-Abgleich stattfinden, so dass Kostensteigerungen frühzeitig deutlich werden und die Verantwortlichen eventuell noch gegensteuern können. Bei Großvorhaben sollte eine effiziente Bauausführung und Bauüberwachung sowie eine zeitgemäße IT-gestützte Projektsteuerung eine Selbstverständlichkeit sein. Bonus-/Malus-Regelungen können für eine pünktliche Fertigstellung sorgen.


Eine Reformkommission erarbeitet Verbesserungsvorschläge

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland eine beim Bundesverkehrsministerium angesiedelte Reformkommission „Bau von Großprojekten“. Aufgabe dieser Kommission ist es, konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um Kostenwahrheit, Kostentransparenz und Termintreue bei Großprojekten zu verbessern und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die öffentliche Hand als Bauherr zu stärken. Die Ergebnisse der Reformkommission sollen Ende 2015 vorliegen. Nach den bekanntgewordenen Zwischenständen gehen die Überlegungen der Kommission in die richtige Richtung.

Ob sich beim Kostenmanagement großer staatlicher Bauvorhaben in Zukunft wirklich etwas ändert, wird sich allerdings erst in späteren Jahren erweisen. Aber man soll ja, liebe Leserinnen und Leser, die Hoffnung auf Besserung nie aufgeben, meint

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

1 Kommentar:

  1. In diesem Fall gilt:
    Hoffnung ist die kleine Schwester der Dummheit.
    mit freundlichen Grüssen:
    Miguel David

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