Donnerstag, 16. April 2015

Sozialistische Gewaltfantasien: Wie hat es nur so weit kommen können?

von Simon Scherrer
Jean Ziegler ist der ehrlichste Linke von allen. Im österreichischen Staatsfernsehen polterte der nämlich letzthin ganz unverblümt: "Spekulanten gehören aufgehängt. Punkt." Eine Aussage, für deren Äquivalentes man geistige Nachtschattengewächse ein paar Politbüros weiter rechts (zu Recht!) massenmedial geohrfeigt hätte, um sie danach an ihren Platz zu verweisen. Aber sowas wie Jean Ziegler gilt eben bei der breiten Masse als "intellektuell", bei Linken als "Vordenker", da darf man so etwas sagen. Und schliesslich hat Jean "Gaddafi ist ein politisches Genie" Ziegler ja keine Ämter (ausser jenes im UN-Menschenrechtsrat mit umfassender Strafimmunität – manche Sozialisten sind halt ein bisschen gleicher).

Andrea Nahles hat hingegen ein Amt, sie ist Bundesarbeitsministerin in Deutschland, und hat eben angeordnet, dass von nun an 7600 bewaffnete Inspektoren die Einhaltung des neuen Arbeitsverbots für Geringqualifizierte überwachen werden (auch bekannt als "Mindestlohn".
Ich wiederhole: Bewaffnet.
Das sei ganz normal, teilt das entsprechende Ministerium mit.

Nein, ich bezweifle das nicht.
Normal ist es in der Tat, dass hinter jedem staatlichen Akt, auch und gerade hinter den besonders gut gemeinten, Männer mit Waffen stehen. Männer mit Waffen, die bald einmal vor der Tür stehen, wenn sich das doch so liebevoll umsorgte Individuum dem sozialdemokratischen Gesamtendplan nicht fügen will. Frei nach dem Motto "Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein". Mit den allerfeinsten Grüßen vom Allgemeinwohl.

Das Einzige, was dem Sozialismus seit seiner Existenz gelang, besteht darin, diese eigentliche Brutalität mit einer Salve begrifflicher Nebelkerzen zu verschleiern. Freundlich unterstützt von jenen, die ihm nicht auf moralischer Ebene entgegentreten wollten (Ja, "Bürgerliche", ihr seid gemeint). Denn dem Sozialismus liegt keine Wärme, keine Menschlichkeit, keine Solidarität zugrunde. Er lebt von Zwang, von Respektlosigkeit, letztlich von Aggressivität. Jean Ziegler ist nur ehrlich genug, die Gewaltfantasie auszusprechen, die bei jeder sozialistischen Maßnahme mitschwingt.

Die fluffy daherkommenden Sozialisten treiben derweil ihre Spielchen, gestützt von der moralischen Lufthoheit, die sie nicht verdienen. Nachfolgende Generationen werden sich dereinst wohl wieder einmal fragen müssen:
"Wie hat es nur so weit kommen können?"

Kommentare:

  1. Teile der marxistischen Linken würden gegen den "Galgen-Einsatz" einwenden, dass hier eine voluntaristische Theorie zugrunde gelegt wird. Die strukturellen Positionen der Eliten werden nicht in den Gesamtkontext eingesetzt/strukturell analysiert, sondern als frei handelnde Akteure in einem zu einfachen Spiel aus Gut und Böse dargestellt/erzählt.

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  2. Der andere Teil würde ganz einfach Umsetzen was der Vordenker so gedacht hat.

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  3. Viele der denkenden/tiefergehenden Marxistinnen und Marxisten würden vermutlich solche Aufrufe ablehnen, auch wenn es eine politische Situation gäbe, in der es zu so etwas kommen könnte. Aber Ausführende für politisch motivierte oder begründete Verbrechen gibt es geschichtlich leider auch immer. Dagegen sollten sich alle (u.a. vernunftethisch) Denkenden aller politischen Hintergründe positionieren und handeln.

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