Dienstag, 14. April 2015

Rezension: Den eigenen Verstand betätigen

Das Buch kann bei der Buchausgabe
oder bei Amazon bestellt werden.
Tommy Casagrande rezensiert
Stefan Blankertz: Die Katastrophe der Befreiung: Faschismus und Demokratie, 324 Seiten, 21,80 Euro, edition g.
Stefan Blankertz ist ein Meister seines Faches. Mit Eloquenz und Intelligenz verknüpfen sich zwei prächtige Eigenschaften zu diesem Werk. Schon Hans-Hermann Hoppe hat erkannt, dass ,,die Demokratie kein Gott ist". Stefan Blankertz indes zeigt nun auf, warum sie nicht nur kein Gott ist, sondern welche Zusammenhänge es zwischen (staatlich erzwungener) Demokratie und dem Wesen sowie dem Erscheinen des (staatlichen) Faschismus gibt. 

Oft und gerne wird vor allem unter klassisch Liberalen die (staatlich erzwungene) Demokratie als ein Bollwerk gegen die staatliche Gewalt gesehen und dabei übersehen, dass es sich dabei eben nicht um ein Werkzeug handelt, welches vor dem Staat schützt, sondern das den Staat in seiner ideologischen Stabilität schützt. Die Ideologie, dass ein Gewaltmonopol gut, schützenswert, menschlich, praktikabel oder lösungsorientiert sei, ist die Ideologie der Profiteure auf Kosten derer, die darunter leiden und verlieren werden. 

Ein Gewaltmonopol steht immer nur im Einklang mit dem, der Gewalt zur Durchsetzung von Lösungen einem friedlichen, evolutiven, auf Wettbewerb gegründetem Ansatz entgegen steht. Ein Gewaltmonopol zieht die Gewalt (definiert als Kraft über das eigene Leben) von den Menschen ab und konzentriert es in einer den Menschen übergeordneten Instanz, die sich dann auch gegen die Menschen richten kann, wenn es die Zeiten (welche wiederum maßgeblich durch vorangegangene staatliche Eingriffe bestimmt wurden, Stichwort: Interventionismus-Interventionsspirale) erfordern. Indem die Gewalt den Individuen entzogen und in einer übergeordneten Instanz konzentriert wird, verlieren manche Menschen derart an Perspektiven und Chancen, dass sie zur Abhängigkeit vom Sozialstaat (der aus diesem Kalkül eingeführt worden ist) gezwungen werden. 

Die oft bemühte Kritik an der Verantwortungslosigkeit oder der Kraftlosigkeit der Mitmenschen macht anhand dieses Kontextes Sinn. Wer keine Freiheit hat, oder wessen Freiheit abnimmt, verliert zugleich auch an Betätigungsfeldern, sich verantwortlich zeigen zu können, geschweige denn, dass er oder sie es erlernen werden. Und wessen Gewalt (definiert als Kraft über das eigene Leben) abgesaugt wird zugunsten einer den Menschen übergeordneten Gewalt, der sollte sich nicht über die Energielosigkeit der Menschen wundern. Denn Kräfte bestehen aus Energie. 

Stefan Blankertz ruft mit und in diesem Buch dazu auf, sich wieder des eigenen Verstandes unideologisch zu betätigen. Selber nachdenken und erkennen, was richtig und falsch ist, was Recht und was Unrecht ist. Ein Monopol, welches alle Gewalt konzentriert, hat keinen Kontrolleur mehr, denn wenn es einen hätte, so hätte es eben nicht alle Gewalt und wäre darum auch kein Monopol. In diesem Sinne ist erklärbar, warum immer mehr Menschen dem Eindruck, der Erfahrung oder auch dem Gefühl sich ausgesetzt sehen, dass sie gar kein Teil dieses Prozesses sind, sondern alles über ihren Köpfen hinweg entschieden und durchgesetzt wird. Ein sich verselbstständigendes System, an dem jeder, der mitmacht oder es unterstützt, eine Teilschuld auf sich lädt, weil die Idee, dass ein Gewaltmonopol grundsätzlich das Leben verschiedenartiger Individuen richten, bereichern oder erden kann, darum falsch ist, weil es nicht alle verschiedenartigen Individuen repräsentieren wird können und somit immer nur Gewinner und Verlierer produziert. Wie die Übergänge und Zusammenhänge zum Faschismus sich vollziehen, zeigt Stefan Blankertz mit und in diesem Buch auf bemerkenswerte Weise auf (wohlgemerkt, auch in all seinen anderen Büchern) und ist nicht nur darum eine großartige Bereicherung der libertären Literaturlandschaft.

1 Kommentar:

  1. Hobbes: Der Mensch ist des Menschen größte Gefahr. Als Wolf und als Gott.

    Aus dem Recht wird Gesetz und Gesetz ist schwierig im Zaum zu halten. Aber ohne Gesetz auch.

    Kommune gegenüber Gesellschaft, beides hat seine Potenziale und Gefahren.

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