Montag, 9. März 2015

Staatlich finanzierte Forschungseinrichtungen

Gotthilf Steuerzahler fragt sich ... was machen eigentlich meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
über ganz Deutschland verteilt gibt es schätzungsweise vierhundert steuerfinanzierte Forschungseinrichtungen. Darunter befinden sich kleine Institute mit nur wenigen Mitarbeitern, aber auch große Einrichtungen mit mehreren Tausend Beschäftigten. Die öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen sind eigenständig, sie gehören nicht zu den staatlichen Universitäten. Da drängt sich doch die Frage auf, weshalb es so viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gibt und ob es nicht sinnvoll wäre, die Kapazitäten von Forschungseinrichtungen und Hochschulen, die ja ebenfalls Forschung betreiben, zusammenzufassen. Diese Frage wird in der Staatspraxis jedoch kaum gestellt.

Die großen, personalstarken Forschungseinrichtungen werden von Bund und Ländern gemeinsam finanziert. Sie wurden ehemals gegründet, um sich ungestört der Grundlagenforschung widmen zu können oder um große Forschungsthemen wie zum Beispiel Luft- und Raumfahrt in einer Institution umfassend bearbeiten zu können. Die kleineren Forschungsinstitute sind oft aus Universitäten heraus entstanden, etwa wenn ein Professor sich sein eigenes kleines Reich schaffen wollte.

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Diese Einrichtungen werden überwiegend von den Ländern unterhalten. Der Bund beteiligt sich an der Finanzierung der Länderinstitute, wenn sie eine bestimmte Größe erreichen. Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen arbeiten in unterschiedlichem Umfang mit den staatlichen Hochschulen zusammen. Mancherorts gibt es kaum Kontakte, auch wenn Forschungsinstitut und Hochschule sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. An anderen Standorten ist die Zusammenarbeit dagegen sehr intensiv.


Immer mehr Forschungseinrichtungen als Ergebnis von Fehlsteuerungen

Dass es hierzulande so viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gibt, hat nicht nur fachliche, sondern auch finanzielle Gründe. Da der Bund nur in engem Rahmen auf die Hochschulen einwirken darf, die zur Zuständigkeit der Länder gehören, verfolgte er seine wissenschaftspolitischen Ziele verstärkt über die außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die er mit steigenden Finanzmitteln ausstattete. Die Länder nahmen dies hin. Ihr Hauptanliegen bestand darin, möglichst viele Forschungseinrichtungen bei sich anzusiedeln.

Der Bund entsprach diesen Wünschen mit dem Ergebnis, dass immer neue gemeinsam finanzierte Einrichtungen geschaffen wurden. Auch im Bereich der Länder entstanden im Laufe der Jahre immer wieder neue Forschungseinrichtungen. Das Bestreben der Länder ging in diesem Zusammenhang dahin, dass die von ihnen allein getragenen Forschungsinstitute möglichst bald in die Bundesfinanzierung mit aufgenommen wurden. Die geschilderten Mechanismen führten im Ergebnis dazu, dass die Zahl der außeruniversitären Forschungsinstitute in Deutschland immer weiter anstieg. Natürlich existieren auch in anderen Industriestaaten Forschungseinrichtungen außerhalb des Hochschulbereichs, Deutschland nimmt hier jedoch einen Spitzenplatz ein.


Zuviel Wissenschaft spielt sich außerhalb der Hochschulen ab

Ein zu großer außeruniversitärer Bereich geht in gewisser Weise zu Lasten des Hochschulsystems des betreffenden Landes. Für Wissenschaftler ist es nämlich attraktiver, in einem Forschungsinstitut außerhalb der Universitäten zu arbeiten, in welchem sie mit Studenten und Prüfungen nichts zu tun haben und sich ganz auf ihre Forschung konzentrieren können. Für die Situation hierzulande heißt das: Ein großer Teil der in der Forschung tätigen Wissenschaftler steht für die Ausbildung von Studenten nicht zur Verfügung.

Bei einer Gesamtbetrachtung des deutschen Wissenschaftssystems wird deutlich, dass der außeruniversitäre Bereich zu groß, das Hochschulsystem jedoch zu klein dimensioniert ist. Kein Wunder, dass Deutschland im internationalen Vergleich schlecht dasteht, wenn es beispielsweise um die Relation von Dozenten und Studenten geht. Es spielt sich einfach zu viel Wissenschaft außerhalb der Hochschulen ab. Hinzu kommt, dass sich Wissenschaftler, die in außeruniversitären Forschungseinrichtungen tätig sind, seit einigen Jahren finanziell besser stellen als Wissenschaftler in den Hochschulen. Wenn sie Drittmittel aus der Wirtschaft einwerben, wirkt sich dies positiv auf ihre Vergütung aus. Dies erhöht die Attraktivität des außeruniversitären Bereichs.


Die Forschungseinrichtungen sollten in die Hochschulen integriert werden

Die Antwort hierauf kann nur lauten, dass ein Großteil der außeruniversitären Forschungseinrichtungen in die Hochschulen integriert werden sollte. Die vorstehend beschriebenen Verzerrungen würden vermieden, ferner ergäben sich bei einer Zusammenfassung erhebliche Synergieeffekte. Begonnen werden sollte mit den vielen kleinen Forschungseinrichtungen, denn hier wären Wirtschaftlichkeitsgewinne am schnellsten zu realisieren. Die kleinen Forschungseinrichtungen leisten sich nämlich allesamt einen eigenen Verwaltungsapparat, der bei einer Integration in eine Hochschule entfallen würde.

Schwieriger dürfte es werden, die großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen in das Hochschulsystem einzugliedern, zumal dies nicht für alle dieser Institutionen sinnvoll ist. Gleichwohl sollte dieser Weg nicht von vornherein ausgeschlossen werden, da er in der Vergangenheit in Einzelfällen schon mit Erfolg beschritten worden ist. In jedem Fall sollten - zur Vorbereitung eines Zusammenwachsens - Anreize dafür geschaffen werden, dass Forschungseinrichtungen und Hochschulen mehr als derzeit zusammenarbeiten.

Zwischenzeitlich ist es durch eine Änderung des Grundgesetzes möglich geworden, dass der Bund in Abstimmung mit den Ländern Universitäten direkt finanzieren darf. Der Umweg über außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ist dementsprechend nicht mehr nötig. Eine Neuausrichtung des deutschen Wissenschaftssystems, liebe Leserinnen und Leser, ist damit möglich geworden. Hiervon erhofft sich viel

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

Kommentare:

  1. Ich wollte mich nochmal bei ihnen herzlich bedanken für die sehr sehr interessanten Artikel. Gerade als junger Mensch der in diesem "Wahnsinn" Orientierung sucht sind solche Blogs wie der ihre ein Segen.

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  2. Das freut uns sehr! Genau deshalb sind wir ja da. :)

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