Donnerstag, 19. März 2015

Kopftuchurteil: Die Vorzüge eines freien Bildungswesens

von Tomasz M. Froelich
Die Debatte ist nervig wie vermeidbar: die Debatte um das sogenannte Kopftuchurteil, welches das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am letzten Freitag fällte. Künftig darf der Staat muslimischen Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuchs während des Unterrichts nicht mehr verbieten. Damit kippte die seit dem Jahre 2003 bestehende Regelung, wonach es den Bundesländern überlassen war, ein entsprechendes Kopftuchverbot zu erlassen, wovon etwa Nordrhein-Westfalen Gebrauch machte.

Das Kopftuchurteil erhitzt die Gemüter: Die einen sehen in dem Urteil einen Beitrag zur Integration muslimischer Mitbürgerinnen in Deutschland, die anderen befürchten wiederum eine schrittweise Islamisierung der Schulen. Dementsprechend positioniert sich auch das Gros der Bevölkerung: Entweder man ist für oder gegen das Kopftuchverbot. Das gesellschaftliche Konfliktpotential wächst.

Dass es in dieser Causa auch noch andere Sichtweisen als ein stumpfes Pro oder Contra gibt, fällt in Zeiten des Spätetatismus und des durch das staatliche Bildungswesen forcierten Schwarz-Weiß-Denkens kaum jemandem mehr auf. Besonders attraktiv klingt die libertäre Alternative: Sie legt sich nicht darauf fest, ob das Tragen des Kopftuchs für muslimische Lehrerinnen erlaubt oder verboten werden soll, sondern überlässt diese Entscheidung dem freien Bildungsmarkt, der sich an den Bedürfnissen der Schüler und Eltern orientiert.

Ein freier Bildungsmarkt – selbstverständlich entstaatlicht und privatisiert – wäre die weitaus attraktivere, weil gesellschaftliche Konflikte eindämmende Alternative. Während die Sorgen, Wünsche und Interessen der Bürger von den staatlichen Bildungsklempnern problemlos übergangen werden können, da die privilegierten Staatsschulen kein Gewinnmotiv kennen, nahezu konkurrenzlos sind und sich nicht an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren müssen, wäre für private Schulen der Kunde, dessen Bedürfnisse es zu befriedigen gilt, König, da andernfalls das Verschwinden vom Markt drohen würde: Niemand wird übergangen. Weder die Eltern von Moritz, die ihren Jüngling gerne von einer ihre Haarpracht zeigenden Lehrerin unterrichten lassen würden, noch die Eltern von Ali, denen eine Lehrerin mit Kopftuch lieber ist.

Der Vorteil von privatisierten, an den Bedürfnissen der Schüler und Eltern orientierten Schulen ist offensichtlich: Da jene Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind, würde es zwangsläufig eine breite Palette an Schulen geben. Es entstünden säkulare Schulen, aber auch solche, die an unterschiedlichen Glaubensrichtungen, wie etwa dem Christentum oder dem Islam, ausgerichtet sind.

Die Wahrscheinlichkeit, in einem solchen Bildungssystem eine passende Schule zu finden, wäre viel größer. Debatten darüber, ob muslimische Lehrerinnen nun mit oder ohne Kopftuch unterrichten, oder ob in den Klassenzimmern Kruzifixe an den Wänden hängen sollen, wären damit obsolet. Es entstünde eine viel größere Bildungsvielfalt, der die staatliche Bildungseinfalt und die gesellschaftlichen Konflikte, die sie schafft, weichen würden. Die erhitzten Gemüter würden abkühlen.

1 Kommentar:

  1. Heißt Libertärt mitten in Deutschland das Böse im Namen der Freiheit zu dulden?

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