Freitag, 6. März 2015

Ein Spaziergang durch den libertären Begriffsnebel: Anarchofeminismus


von Dominik Ešegović
Wer meint auf Cathy Reisenwitz‘ Blog Sex and the State fänden sich anzügliche Blogbeiträge über erotische Eskapaden der gar nicht mal so unattraktiven Feministin, wird enttäuscht. Mit Sex ist das Geschlecht gemeint. Vor allem das weibliche, welches vom männlichen stets Unterdrückung und Verfolgung zu befürchten hat. 

Reisenwitz lehnt jedwede klassische Rollenverteilungen zwischen Mann und Frau konsequent ab. Schließlich sei ja schon der bloße Gedanke, es könnte Unterschiede zwischen Mann und Frau bezüglich der geschlechtsspezifischen Ausprägung besonderer Fertigkeiten geben, unlibertär. Die Rede davon, Frauen seien tendenziell sprachlich begabter, Männer hingegen eher mathematisch veranlagt, trüge dazu bei, dass täglich tausende junger Frauen im Mathetest versagten.
Reisenwitz will eine starke Frau sein. Unabhängig von der Tyrannei des Staates und ebenso von der des Mannes. Deshalb bloggt sie. Genau wie ihr blondes Vorbild aus der Serie Sex and the City. Sie verteidigt vehement ihre Stellung als Frau in einer von Männern dominierten Welt. Sie ist aber dennoch offen. Auch gegenüber den Stimmen junger Männer; ganz besonders wenn diese ihre anarchofeministische Haltung teilen. So lässt sie in großzügiger Manier auch mal junge, individualistische Talente zu Wort kommen. Beispielsweise einen forschen Französisch-Studenten, der die gewagte These vertritt, dass „Weiße nicht glauben, dass schwarzes Leben etwas zählt“. Das klingt für das ungeübte Ohr zunächst einmal etwas komisch, wird aber umso einleuchtender, je mehr man sich mit dem Gedanken befasst, dass Geschlecht und ethnische Herkunft miteinander in Verbindung stehen. Die größten Opfer der Gesellschaft sind ja nicht weiße Frauen, sondern eben schwarze. 

Anarchokapitalismus statt Anarchofeminismus:
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Dass Vertreterinnen dieser maximalmarginalisierten Gruppe auch mal höchste Ämter und Ehren zuteil werden, kommt Reisenwitz nicht in den Sinn. Das Hochklettern einer Staatsleiter kann schließlich kein Ausdruck von gesellschaftlicher Akzeptanz sein. Anarchismus versteht sie von der links-anarchistisch gefärbten Lesart her. In Übereinstimmung mit Noam Chomsky, sieht sie ihren Anarchismus als eine Rebellion gegenüber jede Form von Hierarchie. Männliche Autoritäten zu akzeptieren sei sexistisch. Männliche Meinungsführer zu respektieren zumindest überbewertet. Reisenwitz will als Frau die libertäre Bewegung stark und hierarchiefrei machen. Dafür kämpft sie. Und deshalb ist sie auch längst aus der Kirche ausgetreten. Schließlich waren Jesus und Paulus Männer. Die libertäre Bloggerin kämpft auf nichtstaatliche Weise für eine Frauenquote. Viele Libertäre haben den Anarchofeminismus nocht nicht verinnerlicht. Doch moralisch ist dieser zu 100%. Schließlich trüge er doch dazu bei, dass wir alle „glücklicher, verbundener und wohlhabender“ würden. Cathy Reisenwitz soll uns den Weg zum Glück weisen. Ich bin mir sicher, dass ihr viele Libertäre auf diesem Weg folgen werden. Hübsch ist sie ja zumindest.

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