Donnerstag, 5. Februar 2015

Rezension: Bildungsvielfalt statt Bildungseinfalt - voll ins Schwarze

Das Buch kann hier bestellt werden.
Hubert Milz rezensiert
Diese Woche: Tomasz M. Froelich: Bildungsvielfalt statt Bildungseinfalt: Bessere Bildung für alle ohne Staat, 108 Seiten, 6,99 Euro, Forum Freie Gesellschaft.
Bevor ich zum Buch selber komme, eine Vorbemerkung: Tomasz M. Froelich, der Verfasser dieses Buches, ist "konsequent libertär"; d. h., er ist ein "Anarcho-Liberaler" – auch "Anarcho-Kapitalist" genannt.

Dagegen bin ich ''nur'' ein "Minarchist" (="klassischer Liberaler"), also jemand, der einen "Minimalstaat" akzeptiert. Meine Einstellung soll nicht signalisieren, dass ich das Konstrukt "Staat" mag. Nein, vielmehr bin ich der Meinung, dass die Logik der Argumente bei den "Anarcho-Liberalen" zu finden ist – nicht bei den "Minimalstaatlern".

Auch nach klassisch-liberaler Sichtweise (Ludwig von Mises) ist eine gute Regierung ein Widerspruch in sich; denn Regierungspolitiker neigen immer dazu ihre Macht auszudehnen – also schlechte Regierungen zu sein! Folgt man den Thesen von Randall G. Holcombe, Anthony de Jasay und Mancur Olson, dann ist der Staat zwar nicht notwendig, aber unausweichlich; weil regelmäßig viele Menschen immer wieder das scheinbar Sicherheit bietende Gezelt des Staates vorziehen. Und dies, obwohl – wie dies z. B. Rafael Rosenzweig (Das Streben nach Sicherheit) in einer theoretischen und empirischen Analyse zeigte – der Staat eine solche Sicherheit keinesfalls zu garantieren vermag. Jedoch, Freiheit heißt Verantwortung – und Verantwortung möchten viele Menschen eben nicht übernehmen, geschweige denn tragen.


Für nur 6,99 € hier bestellen.
Deshalb sollten die Menschen, die den "Ideen der Freiheit" verbunden sind

- versuchen die staatlichen Machtanmaßungen auf wichtigen Feldern der Gesellschaft peu à peu zurückzudrängen, z. B. in dem die direkt betroffenen Personengruppen für die Probleme sensibilisiert werden und dadurch zumindest im Rahmen spezieller Politikfelder zu Mitstreitern werden können;

- und außerdem sollte auf jeden Fall versucht werden die Staatsmacht durch Gegenmacht zu domestizieren, z. B. durch den vermehrten Aufbau privat organisierter und finanzierter unabhängiger "Think Tanks", auch im deutschsprachigen Kulturraum.

Eine der Möglichkeiten staatliche Machtanmaßungen zurückzudrängen, liegt ganz eindeutig im Brechen des sogenannten "staatlichen Bildungsmonopols“. Das staatliche Zwangsschulsystem, besonders in Deutschland, bietet den Menschen nicht das beste Bildungsangebot, sondern bleibt allenfalls suboptimal – wie alle Monopole. Dass Monopole für den Konsumenten schlecht sind, weiß und sagt auch "Otto Normalverbraucher“. Bei der Bildung, bei der Schule schreckt "Otto Normalverbraucher“ jedoch zurück, dieses Monopol-System wird vom selben "Otto Normalverbraucher“ geradezu reflexartig bejaht. Dabei vergeudet auch dieses Monopol der staatlichen Zwangsschule viele Ressourcen und vernichtet etliche Chancen und Wege.

Wohltuend erfrischend zerpflückt Tomasz M. Froelich die Legenden, die sich um die Güte des staatlichen Zwangsschulsystems ranken, z. B.;

- dass das staatliche Bildungsangebot kostenlos allen zur Verfügung gestellt wird, ist Unsinn. Die staatliche Zwangsschule wird durch Steuern finanziert, also von denjenigen, die man u. U. mit Zwang und Druck in diese Schulen gepresst hat und deren Kinder man weiterhin hineinpresst;

- dass das staatliche Bildungsangebot für sozialen Ausgleich sorgt, auch die Kinder von "Otto Normalverbraucher“ hätten in einem solchen System die Chance der "höheren Bildung“. Dies ist empirisch widerlegt; denn gerade die sogenannten "höheren Schichten“ nutzen das Zwangssystem für sich optimal – nicht die "sozial schwächeren Schichten“, z. B. "Otto Normalverbraucher“ finanziert und ermöglicht durch seine Steuergroschen dem Sohn des Chefarztes das teure Medizinstudium relativ billig, während "Otto-Normalverbraucher-Junior“ nur eine einfache Ausbildung absolviert;

- dass durch die Standards, die der Staat setzt, das Analphabetentum zurückgedrängt worden ist. Gerade das Gegenteil ist richtig! Empirische Studien (z. B. im angelsächsischen Raum) zeigen, dass bevor der Staat das Bildungswesen okkupierte, der Anteil der Alphabetisierung in der Bevölkerung bei weit über 90% zu verorten gewesen war. Das staatliche Zwangsschulsystem hingegen produziert 25% Analphabeten;

- dass nur der Staat für ein flächendeckendes Schul- und Bildungsangebot die Sorge tragen kann. Auch dies ist historisch gesehen für die saturierten Industriestaaten eine Mär; denn bevor der Staat sich anschickte das Bildungswesen zu verunstalten, hatten gerade die ärmsten Bevölkerungsgruppen – teilweise unter großen persönlichen Opfern – Armenschulen organisiert. Armenschulen, die den späteren staatlichen Zwangsschulen in Sachen Qualität in der Lehre weit überlegen waren. (Dies ist etwas, was derzeit in den armen Ländern der Erde – z. B. in Indien – auch zu beobachten ist: Die Schulen, die die Armen dort selber organisieren, sind den Staatsschulen regelmäßig weit überlegen.)

Soweit ein paar wenige Beispiele aus dem Buch.

Doch eine Frage bleibt nach diesen Beispielen:

Warum hat der Staat die privat organisierte Bildungsvielfalt zerschlagen? Obwohl diese Vielfalt – wie dies auch Staatsregierungen wissen – kreativ ist, Kreativität fördert und einem staatlich verordneten Einheitsbildungsbrei stets überlegen ist; also auch positive Entwicklungen innerhalb des Staatsgebietes befeuern würde!

Ein ganz profaner Grund: Wer das Sagen über die Bildung hat, der hat die Möglichkeit den Nachwuchs nach eigenen Interessen zu indoktrinieren, diesen ganz subtil zu formen oder kann zumindest die Weichen stellen, dass die Entwicklung des Nachwuchses in eine bestimmte, nämlich die der Politik genehme, Richtung gelenkt wird.

Deshalb ist es eigentlich ein Gebot der Stunde, dass die Eltern der Kinder dem Staat die Hoheit über die Bildung streitig machen und entreißen. Mit Blick auf Deutschland kann man – meines Erachtens – sehr vorsichtig ausgedrückt doch ein wenig optimistisch werden. Warum? In einigen rot-grün regierten Bundesländern haben die staatlichen Bildungspolitiker den Bogen überspannt. Gerhard Amendt, emeritierter Soziologieprofessor, spricht davon, dass jene Bildungspolitiker mit einer solchen Schulpolitik den Pädophilen weit entgegenkommen. Und dagegen wehren sich inzwischen Tausende von besorgten Eltern; mögen aus diesen Tausenden doch Millionen werden!

Dieses Buch von Tomasz M. Froelich kann ich nur wärmstens zur Lektüre empfehlen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *