Donnerstag, 29. Januar 2015

Von Tsipras, Draghi und anderen Wunderheilern

Quelle: comdirect.
von Luke Lametta
Na das klappt doch schon richtig gut mit SYRIZA und Alexis Tsipras, dem neuen Messias in Sachen Gesundung Griechenlands und ''Friedensprojekt Europa''. Hier zu bestaunen: Der Aktienkurs der Piraeus Bank, 9000 Mitarbeiter, in drei Tagen mal eben die halbe Marktkapitalisierung eingebüßt. Griechische Staatsanleihen fliegen gleich hinterher, Wasserstand von Papieren mit vier Jahren Restlaufzeit: Noch 74%. And counting.

Gut, das war dann wohl nix mit 30 Mrd. Euro IWF-Rettungsplan, 80 Mrd. Euro EU-Rettungsplan und 96 Mrd. Euro griechische Staatsanleihen im Buch der EZB. Konnte ja keiner ahnen. "Keep calm and carry on", in der Interpretation des Genres "Wienerlied": ♬ Wenn der Herrgott net will / nutzt des goa nix / schrei net rum / bleib schön stumm / sog: es woa nix.

Tröstlich, dass wenigstens der Euro gegen den (nicht viel weniger siechen) Dollar in nur 3 1/2 Jahren von 1,47 auf heute 1,13, ähem, also gestiegen ist. Gut für Sparneigung und Kapitalstock einer Gesellschaft, Sichteinlagen werden immer wertvoller. Dieser Rettungsschirm war einfach eine 1A Idee, bedenke den günstigen Ressourceneinsatz: 80 Mrd. Euro ESM (cäsh), 250 Mrd. Euro IWF-Kredite, 340 Mrd. Euro Target2-Verbindlichkeiten, 440 Mrd. Euro Garantien der Eurozone, 500 Mrd. Euro ESM (Bürgschaften). Und die Euro-Performance gegen den Schweizer Franken erst. Da sehen die Schweizer mal, was sie davon haben, nicht Teil des 'Friedensprojekts Europa' zu sein. Ohne kuschelig-gemeinschaftlicher Gemeinschaftswährung.

Ziemlich große Zahlen das? Well - your tax dollars at work. Selbst die, die du noch verdienen musst. Samt denen deiner Kinder, ja, auch denen der ungeborenen. Dir is a wengerl flau im Magen? Der Überblick kommt dir dabei abhanden? Und was, zefix, ist demzufolge jetzt der status quo? Das ging doch jetzt alles etwas schnell: Erst die Schweizer Nationalbank, dann Draghis neuer Anleiheaufkauf-Vorstoß und jetzt auch noch das griechische Wahl-Erdbeben.
Ich hab den aktuellen Stand also mal, frei assoziierend, zusammengefasst:

Mario Draghi lädt die EZB-Bazooka mit frischen 1140 Milliarden Euro (aus dem Nichts). Empirie vermutlich. EZB-Anleihekäufe klappten bisher ja schon prima in Sachen Euro-Außenwert oder Gesundung der griechischen Staatsfinanzen. Und hey, die Vermögenspreisblasen gedeihen weiterhin prächtig. Er hats quasi geschafft, zum zweiten linken Akut-Helden neben Tsipras aufzusteigen - und zwar damit: Sonderkonjunktur für Vermögensbesitzer, während 30% der Wähler über kein nennenswertes Eigentum verfügen und davon nichts außer explodierende Energie- und Mietkosten haben. Mit 1140 Milliarden frischem Treibstoff für sozialen Frieden sozusagen.

Und die Lösung ist außerdem ja auch hier längst am Start, zum einen: Energiewende. Günstige Energiequellen verbieten, unwirtschaftliche Energiequellen mit Steuern subventionieren. Steuergeld ist ja nun wirklich genug da, oder wies bei Rot-Grün heißt: "Die Kassen sind leer."

Zum anderen: Das Angebot an Wohnflächen per "Mietpreisbremse" verknappen. Sorgt für günstigere Mieten - klar. Apropos: Stichwort Immobilienpreise. Historisch sowohl in den Metropolen als auch an B-Standorten so ziemlich am Anschlag. Aktienkurse gemessen an 10700 DAX-Punkten ebenfalls. Nach einem Stand von 5000 Punkten vor, erraten, 3 1/2 Jahren. Oder wie der Standard vor exakt einer Woche betroffen festhielt: "Vermögen wachsen laufend stärker als Arbeitseinkommen."

Das ist so ungerecht. Wie verhext, woran könnte das liegen, ich komm einfach nicht drauf. Was meint der Shootingstar in Sachen Ökonomie? Thomas Piketty hat doch jetzt die "Weltformel des Kapitalismus" entdeckt, der entsprechende Buchtitel machts nicht unter "Das Kapital im 21. Jahrhundert" - Life, the Universe and Everything: "r > g". Genial, schon wieder also: Kapitaleinkommen übertreffen das Wirtschaftswachstum. Und ich komm immer noch ned drauf, woran das liegen könnte. Was Piketty steuerrechtlich empfiehlt? Steuerbelastung auf Arbeit auf bis zu 80% anheben. Wahrscheinlich weil "Arbeitseinkommen diskriminiert" werden (derStandard) - klar.

Und wirtschaftspolitisch aktuell so? Nobelpreisträger bieten sich für weise Ratschläge immer an, denn: "Wo ist deiner?" Etwa Paul Krugman. Der so nach der Griechenland-Wahl am Sonntag: "SYRIZA should ignore calls to be responsible."

Well. Check. Das wäre schon mal erledigt. Es greift sozusagen einfach ein Rädchen in das andere. Oder wie der Hl. Johannes, stellvertretend für den politisch korrekten Salon in Kontinentaleuropa, am Sonntag festhielt: "Vielleicht zählen ja Herr Draghi und die Griechen bald zu den Rettern Europas. Ich jedenfalls trink ein Glas auf sie."

Genau.

"Mit dem Angriff Steiners wird das alles in Ordnung kommen!"

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