Dienstag, 27. Januar 2015

Rezension: Konsequent freiheitlich

Das Buch kann hier bestellt werden.
Hubert Milz rezensiert
Diese Woche: Gustave de Molinari: Produktion der Sicherheit, 56 Seiten, 4,49 Euro, Edition Freitum.
Gustave de Molinari, geboren 1819 und 1912 gestorben, war ursprünglich Arzt gewesen, bevor er sich in den 1840er Jahren in Paris bei Frédéric Bastiat in der Ligue pour la Liberté des Échanges (Freihandelsbund) einbrachte.
Dort setzte er sich in zahlreichen Publikationen mit ökonomischen Fragen auseinander. Er war ein konsequenter Verteidiger der Freiheit und jedwede Art von Freiheitsbeschränkung (z. B. Interventionismus, Protektionismus, Imperialismus) fand in ihm einen konsequenten Gegner. Molinari besaß insbesondere die Gabe, dass er komplexe Probleme einfach erklären und auflösen konnte; so auch in diesem Essay.

Molinari stellt eingangs fest, dass es zwei Ansichten zur Organisation der Gesellschaft gibt:
Einmal die Sicht, dass die Gesellschaft durch Gesetze etc. ganz bewusst vom Menschen künstlich geschaffen wird, so dass die Regierungen die Gesellschaft durch Fortentwicklung der Gesetze etc. ganz bewusst nach ihrer Façon ändern und umgestalten können.
Dann gibt es die Sichtweise, dass die Gesellschaft rein natürlich, aufgrund allgemeiner – nicht von Menschenhand bewusst gesetzten und erdachten – Gesetzen funktioniert.

Freiheitliche Literatur kann bei der 
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Molinari erläutert simpel und logisch, dass die zweite Sichtweise die richtige ist. Die Organisation der Gesellschaft ist natürlichen Ursprungs und nicht das Ergebnis irgendeines bewussten gesetzgeberischen Verfahrens.
Die Menschen haben Bedürfnisse, die der einzelne Mensch auf sich alleine gestellt nicht oder nur ungenügend befriedigen kann. Als Folge des natürlichen Hangs zur “Geselligkeit“ werden die Bedürfnisse jedoch optimal durch freiwillige Arbeitsteilung und freiwilligen Tausch befriedigt – also durch eine natürlich entstandene Institution, nämlich der Marktwirtschaft.

Wenn es keine Räuber geben würde, dann könnten die Menschen die Früchte ihrer Tätigkeit unbeschwert genießen. Doch es gibt Räuber – und das höchste Bedürfnis der Menschen ist das Sicherheitsbedürfnis. Deshalb gibt es Einrichtungen, welche zum Zwecke der Garantie der Sicherheit geschaffen wurden. Diese Einrichtungen sind für Molinari die Regierungen, die von den Menschen – auch unter hohen Opfern – unterhalten werden, um friedlich miteinander leben zu können.

Für Molinari ist es a priori klar und eindeutig, dass nur der Wettbewerb die beste und preiswerteste Bedürfnisbefriedigung garantieren kann. Daher verwundert es Molinari, dass die Ökonomen der Marktwirtschaft, des Wettbewerbs die “Produktion der Sicherheit“ nicht dem Wettbewerb des Marktes überlassen wollen, sondern die “Produktion der Sicherheit“ ohne Begründung alleine als Aufgabe der Regierung ansehen.
Wettbewerb führt a priori zur bestmöglichen Bedürfnisbefriedigung, damit ist es dann auch klar, dass eine Regierung als alleiniger Anbieter der “Sicherheitsproduktion“ das “Sicherheitsbedürfnis“ zum eigenen Vorteil nutzen wird – die Regierung hält das Monopol, dabei ist es gleich ob dies ein gewöhnliches Monopol ist oder Kommunismus; denn der Kommunismus ist nur ein erweitertes Monopol, mit der Tarnmaske des Gemeineigentums wird den Konsumenten von Regierungen eben nur Sand in die Augen gestreut.

Molinari schlägt nun einen beeindruckenden Bogen, indem er anmerkt, dass immer die stärksten und kriegerischsten Geschlechter das Monopol der “Sicherheitsproduktion“ an sich gerissen haben und zu Regierungen avancierten. Das Monopol der “Sicherheitsproduktion“ ist eben das lukrativste aller Monopole und für Molinari die Mutter aller anderen Monopole, welche die Geschichte kennt; denn die Regierungen verliehen – natürlich gegen Bezahlung – bestimmten Personen oder Personengruppen das Monopol für einen bestimmten Industrie- oder Handelszweig. Diese Monopole gediehen unter dem Schutz der “Produzenten der Sicherheit“ und behinderten ungeniert die freiwillige Arbeitsteilung – Wandel durch Handel wurde nicht nur erschwert, sondern auch verhindert.
Es dauerte Jahrhunderts bis nachdenkende Menschen dies voll durchdacht hatten, den Kampf gegen die Monopole aufnahmen und die Monopole peu à peu verschwanden – bis auf das Monopol der “Sicherheitsproduktion“, der Mutter aller Monopole. Dieses wurde und wird von den sogenannten politischen Schriftstellern nicht in Frage gestellt.
Molinari hingegen stellt dies in Frage und widerlegt bestechend einfach die gängigen Verteidigungslinien jener, welche die “Sicherheitsproduktion“ als alleinige Aufgabe des Staates ansehen und deshalb eine Privatisierung ablehnen.
Für Molinari ist es jedoch logisch, dass, wenn die freie Produktion dem Monopol überlegen ist, dies auch für die “Sicherheitsproduktion“ gelten muss - entweder vollständige Freiheit oder keine! Und für Molinari ist dies nicht nur logisch, er zeigt auch mittels einfacher Gedankengänge und Argumentationslinien, wie vorteilhaft die “freie Produktion von Sicherheit“ aussehen könnte.

1849 erschien dieser Essay erstmals im “Journal des Économistes“, dessen Chefredakteur die Gedankengänge und Ideen des Essays als ungeheuer wichtig ansah. Er schrieb “viele Leute übertreiben die Natur und die Kompetenzen der Regierung, dass es erforderlich geworden ist, streng die Grenzen zu bezeichnen, außerhalb derer der Eingriff der Autorität aufhört, schützend und gewinnbringend zu sein, und anarchisch und tyrannisch wird.“ Dies wurde 1849 geschrieben - das “verdammte 20. Jahrhundert“, mit ungeheuerlichen von Regierungen verursachten Katastrophen in Dingen der Sicherheit, hat den Chefredakteur mehr als bestätigt. Und trotz dieser Katastrophen glauben landauf, landab die Menschen ohne viel Nachdenken daran, dass nur die staatlichen Regierungen die “Sicherheitsproduktion“ durchführen und organisieren können – trotz aller fürchterlichen Kalamitäten, die Staatsregierungen verursacht haben, verursachen und noch verursachen werden.
Deshalb gilt mein Dank Tomasz M. Froelich, der diesen wichtigen Essay auf Deutsch in Buchform herausgegeben hat.

1 Kommentar:

  1. Neben (oder auf einer Stufe vorher) der Analyse, wie Sicherheit produziert wird, ist auch interessant: Wie wird Sicherheit gesellschaftlich definiert (bishin zu konstruiert)?
    Bzw. (weniger voluntaristisch): Wie konstitutiert sich 'Sicherheit' in bestimmten Kontexten?
    Denn jede Gemeinschaft oder Gesellschaft hat (inhaltlich und quantitativ unterschiedlich) als einen der Primärfaktoren (eine Form von) 'Sicherheit'. Eine Gesellschaft ist sozusagen u.a. das Produkt der Sicherheit, so lange sie (systemtheoretisch betrachtet) innerhalb einer (weil nicht selbst gesteuerten) 'unsicheren Umwelt' selbsterhaltend ist.
    Und die Größe der Rolle der Sicherheit kann man u.a. auf psychologischer Ebene als Folge des Sicherheitswunsches der Menschen rekonstruieren. Ein Sicherheitsdrang, der vermutlich universell und zeitlos ist, dabei verschieden a) vergesellschaftet (Struktur) und b) kultiviert (Kultur) wird.

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