Montag, 19. Januar 2015

Keine Gratisapps mehr: die Welt braucht eine andere Art Innovation

von Niccolò Viviani aus dem Englischen übersetzt von Moritz Bierling
“Umsatz ist langweilig.”
Dieses Zitat stammt nicht etwa von irgendeinem “Frieden-und-Liebe”-Hippie oder einem Treuhandfonds-Baby, das von dem nicht ganz so langweiligen Umsatz seines Vaters lebt - leider. Doch das wäre zu offensichtlich.

Nein, es ist die Antwort einer jungen Startupperin auf die Frage: was ist dein Umsatzmodell? Na gut, denkst du dir, das Mädel hat halt keine Ahnung wie’s läuft und wird früher oder später auf die Schnauze fallen und aus ihrem Traum aufwachen. Doch genau dieser Typus scheint heute der Gewinner unter den jungen Unternehmern zu sein: ihr Startup wurde vom Startup Chile Programm angenommen und bekommt $ 40,000 von der chilenischen Regierung.

Dieser Tage redet die ganze Welt eine Menge über Innovation, Startups und junge Unternehmer. Regierungen treten in Wettbewerb miteinander in der Finanzierung ihrer eigenen Startup-Programme. Selbst der Begriff Startup ist in den Mainstream gewechselt. Über junge Innovatoren und Startups zu reden ist zur Mode geworden und junge Unternehmer wie Zuckerberg sind die neuen Stars.

Die Leute lesen ihnen jedes Wort von den Lippen ab und imitieren sie in der Hoffnung, durch eine neue Gratisapp berühmt zu werden. Das ganze ähnelt auf beunruhigende Weise der Art wie junge Leute davon träumen, Models oder Sportstars zu werden.

Diese Dynamik ist dafür verantwortlich, dass sich der gesellschaftliche Diskurs von der Wahrheit abwendet, was es wirklich bedeutet Unternehmer zu sein: Lösungen für echte Probleme zu finden und an echte Leute zu verkaufen. Güter herzustellen und Dienstleistungen anzubieten, welche das Leben der Menschen um einen Wert bereichern, für den Kunden bereit sind zu zahlen.

Und was ist so innovativ an diesen Ideen, die stattdessen umgesetzt werden? Lösen sie echte Probleme? Brauchen wir wirklich nur technologische Innovation? Sind wir uns sicher, dass Instagram und andere Social-Media-Apps die Speerspitze der Innovation für das menschliche Dasein sind?

Ich bin der Ansicht, dass andere Aspekte unserer modernen Gesellschaft Erneuerung bitter nötig haben, um eine Kultur wahrlich bedeutender technologischer Innovation hervor zu bringen, die das menschliche Zusammenleben bereichert. Unsere Gesellschaft hat schwerwiegende strukturelle Probleme. Wenn wir diese nicht zuerst in Angriff nehmen, werden wir auf diesem Fundament nur wacklige und poröse Gebäude errichten können.

Aus diesem Grund sollten wir uns zu allererst unseren Institutionen annehmen. Sofort. Unsere gesellschaftlichen Institutionen sind in vielen Belangen gescheitert und für einen Großteil menschlichen Leidens in der Welt verantwortlich: Regierungen, Schulen, Universitäten und die Kirche.

Mehr und mehr Menschen können ihr volles Potential nicht ausschöpfen, ihrer Berufung folgen, oder die Tiefen ihrer innersten Neugier erforschen. Traditionelle, klassische Bildung ist heute wenig mehr als eine Jagd nach Titeln - ein bürokratisches Spiel.

Die Startup-Magazine stellen Unternehmertum als einen glamourösen Karriereweg dar, eine Abkürzung um reich zu werden. In Wirklichkeit ist es ein Pfad, der den Wandernden auf jede nur erdenkliche Weise testet. Technologische Innovation ist von aufgeblasenen Forschungsbudgets korrumpiert worden, die in keiner Verbindung zu marktbasierter Nachfrage stehen und alle vielversprechenden jungen Talente in “get rich quick”-Tech-Startups locken, wo sie eitle und sinnlose Produkte herstellen, die keine wirklich wichtigen Probleme lösen.

Unsere Gesellschaft muss in ihren Institutionen grunderneuert werden, zu ihrem eigenen besten. Wir brauchen eine Renaissance der Wissenschaft und Kunst, und der Innovator ist der Universalgelehrte, ein “Renaissance Man”. Wir sind der festen Überzeugung, dass praktisch alle unnötigen Leiden in den Leben der Menschen auf zwei Ursachen zurück zu führen sind: Arbeit, die nicht mit der Berufung des Verrichtenden in Einklang ist, und kaputte Beziehungen mit den Menschen aus ihrem Umfeld. Aus diesem Glauben heraus haben wir Exosphere gegründet, eine neue Institution mit dem Ziel durch Unternehmertum das erste Problem zu lösen, und durch Gemeinschaft das zweite. Eine Institution, wo sich Lernen, individuelles persönliches Wachstum, und schöpferische Kraft aneinander bereichern.

Wenn wir eine bessere Zukunft wollen, ist das der Ort, an dem wir damit anfangen müssen.

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