Freitag, 2. Januar 2015

Deutsche Filmwirtschaft: Ohne Subventionen läuft gar nichts

Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt kaum einen Wirtschaftszweig in unserem Lande, der nicht in der einen oder anderen Form auf Fördergelder des Staates zugreift. Die gutlaufenden Branchen sind mit Blick auf ihre Steuerlast bestrebt, sich Geld aus irgendwelchen Fördertöpfen zurückzuholen. Und die schlecht laufenden Branchen brauchen die Unterstützung, um über die Runden zu kommen. Ganz besonders schlecht geht es der deutschen Filmwirtschaft. Die Branche lebt in hohem Maße von Subventionen, anstatt ihr Geld am Markt zu verdienen. Schätzungen gehen dahin, dass die meisten Filmproduktionen zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Eine Vielzahl von staatlichen Stellen ist damit beschäftigt, der Filmwirtschaft finanziell unter die Arme zu greifen. Auf der Ebene des Bundes sind dies die Filmförderungsanstalt sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. In den letzten Jahren hat der Bund die Filmwirtschaft mit jährlich über 150 Millionen Euro unterstützt. Auf der Ebene der Bundesländer tummeln sich an die zwanzig Einrichtungen (Filmbüros, Medien- und Filmgesellschaft, Medienboard, Filmstiftung usw.), die alle dem deutschen Film Gutes tun wollen.

Alle Länder, selbst hochverschuldete Zwergländer wie Bremen oder das Saarland, beteiligen sich an diesem Subventionswettlauf. Insgesamt fließen der Filmwirtschaft von den Ländern jährlich weitere 150 Millionen Euro zu.

Die heimische Filmwirtschaft soll vor Konkurrenz geschützt werden

Mit der Filmförderung verfolgen Bund und Länder eine ganze Reihe von Zielen, die untereinander nicht immer kompatibel sind. Ausgangspunkt für die Förderung in der frühen Phase der Bundesrepublik war, die heimische Filmwirtschaft vor den international erfolgreichen amerikanischen Produktionen zu schützen. Auch die Unterstützung von künstlerisch oder kulturell wertvollen Produktionen spielte von Anfang an eine Rolle. Später, als sich auch die Länder in der Filmförderung engagierten, gewann dann die Standortpolitik an Bedeutung, also letztlich der Erhalt von Arbeitsplätzen.

Die Länder orientieren sich dabei stark an dem sogenannten Regionaleffekt eines Filmvorhabens, also daran, dass das betreffende Bundesland von der Produktion einen wirtschaftlichen Nutzen hat, zum Beispiel durch Drehtage in der Region. So kommt es, dass auch bei Hollywoodfilmen gern einige Drehtage in Berlin oder in der deutschen Provinz eingebaut werden. Die Subventionen des jeweiligen Bundeslandes können auf diese Weise mitgenommen werden. Der Qualität des geförderten Streifens tun solche Verrenkungen nicht unbedingt gut!

Gremienfilme: Die deutsche Filmwirtschaft produziert am Publikum vorbei

Wie sieht es nun nach Jahrzehnten der Subventionierung aus, in welchem Umfang wurden die angestrebten Ziele erreicht? Trotz aller Förderung zieht das hiesige Kinopublikum amerikanische Produktionen vor. Deren Marktanteil betrug in den letzten Jahren mehr als 60%, während der Marktanteil des deutschen Films um die 20%-Marke schwankte.

Offensichtlich trafen die amerikanischen Produzenten den Geschmack des Publikums besser als die deutschen Filmschaffenden. Das hat sicher damit zu tun, dass man in Deutschland das Publikum ein wenig aus den Augen verloren hat. Denn die deutschen Filmschaffenden sind ja vorrangig damit beschäftigt, Gelder von staatlichen Stellen lockerzumachen. Spötter sprechen deswegen von „Gremienfilmen“, mit denen zwar irgendwelche Fördergremien beeindruckt werden können, die aber an den Kinokassen ein Flop sind. Es hat schon Produktionen gegeben, die mit Millionenbeträgen gefördert wurden, aber nur wenige Zehntausend Besucher in die Kinos locken konnten. Auch international sind deutsche Filme alles andere als ein Exportschlager!

Die Rückzahlungsquote bei Darlehen ist minimal

Die Subventionen für die Filmwirtschaft werden zum Teil als Zuschüsse, überwiegend jedoch als Darlehen ausgereicht. Zu einer Rückzahlung dieser Darlehen kommt es jedoch nur selten, weil die Rückzahlungsverpflichtung an den wirtschaftlichen Erfolg der geförderten Produktion gekoppelt ist. Soweit Zahlen bekannt sind, liegt die Rückzahlungsquote bei etwa zehn Prozent, teilweise auch darunter.

Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sich vielfach auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen an der Herstellung von Spielfilmen beteiligt. Dabei sichern sich die Fernsehanstalten die lukrativen Ausstrahlungsrechte, so dass für die Filmproduzenten kaum Gewinne übrigbleiben. Im Ergebnis unterstützt der Steuerzahler indirekt das finanziell ohnehin üppig ausgestattete öffentlich-rechtliche Fernsehen!

Warum Filme subventionieren, die keiner sehen will?

Bei einem Wegfall der Subventionierung würde die deutsche Filmwirtschaft mit Sicherheit untergehen, wie ihre Lobbyisten nicht müde werden zu betonen. Vermutlich würden nur wenige Produktionsfirmen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen überleben. Wäre das so schlimm, kann ich dazu nur sagen. Muss eine relativ kleine Branche künstlich am Leben erhalten werden, die ihr Publikum nicht überzeugen kann und nur wenige künstlerische oder finanzielle Erfolge vorzuweisen hat? So manch anderer Wirtschaftzweig ist schon aus unserem Land verschwunden, ausländische Produkte haben die Lücken gefüllt. Gerade Deutschland als Exportweltmeister müsste diesen Zusammenhang doch verstehen.

Aber gemach, gemach, die Politik wird die Subventionierung der deutschen Filmwirtschaft nicht beenden, da sind sich alle politischen Kräfte einig! Da bleibt als schwacher Trost lediglich, dass auch alle europäischen Nachbarländer ihre jeweilige Filmwirtschaft finanziell massiv unterstützen. Ja selbst amerikanische Bundesstaaten sollen mit Millionenbeträgen nur so um sich werfen, um Filmproduktionen anzulocken. Da verliert man doch den Glauben an die Vernunft der Verantwortlichen, liebe Leserinnen und Leser, sagt voller Bedauern


Ihr
Gotthilf Steuerzahler

Kommentare:

  1. Warum wird der Wert von Kunst und Kreativität immer am schnöden Profit gemessen? Ich glaube nicht, dass das hierfür der richtige Maßstab ist.


    Auch wenn die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender durchaus verbesserungsfähig und diskussionswürdig ist und auch ihre Organisationsstruktur sowie die der "deutschen Filmwirtschaft" (ja, da ließe sich sicher was machen).


    Nur, bei den privaten Fernsehsendern, da scheint mir Hopfen und Malz endgültig verloren zu sein, denn da wird tatsächlich alles am Profit gemessen. Da setzt sich nur der 0815-Geschmack und der hinterletzte Geschmack durch. Es ist durchaus peinlich, wie unglaublich schlecht diese Sender sind - ich kann wirklich kaum hinschauen, ohne mich zu ärgern. Aber wenn man amerikanische Blockbuster zwischen den Werbeblöcken konsumieren will, dann reicht es sicher hierfür aus.


    Und noch eins: Ich bin auch Steuerzahler. Einen Teil "meines" Steuergeldes kann die deutsche Filmindustrie gerne haben! In einem Staat, in dem kein Geld ins Kulturelle gesteckt wird, möchte ich nicht gerne leben.



    Beste Grüße

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  2. Hollywood steht ja nicht nur für massentaugliche Exportschlager, sondern bedient auch kleinere Nischen auf kleineren Märkten. Das eine schließt das andere nicht aus.

    Dass es in der Filmbranche amerikanische Exportschlager gibt liegt daran, dass man sich dort häufig am ,,kleinsten gemeinsamen Nenner'' der jeweiligen Kulturen orientiert, um weltweit Einnahmen zu generieren: Actionfilme mit tollen Effekten lassen sich weltweit gut verkaufen, da das Heroische weltweit gerne gesehen wird. Ähnliches gilt für die seichten Bollywood-Produktionen. Deutschen Humor wird man in Nepal hingegen kaum verstehen können und umgekehrt genauso.
    Aber wie gesagt: Hollywood steht nicht nur für stumpfe Exportschlager, sondern bedient auch kleinere Nischen, wunderbar nachzulesen bei Tyler Cowens ,,Weltmarkt der Kulturen''.

    Was die privaten Fernsehsender und deren Inhalte angeht: Diese sind ja nur deshalb so platt, weil die öffentlich-rechtlichen Sender bereits halbwegs ,,anspruchsvolle'' Inhalte senden. So bleibt den Privatsendern ja fast schon nichts anderes übrig, als das Prekariat zu bedienen.

    Bezüglich der zu zahlenden Steuergelder: Wer zahlen will, soll zahlen. Aber wieso sollen die zahlen, die nicht zahlen wollen?

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  3. Zitat: "Bezüglich der zu zahlenden Steuergelder: Wer zahlen will, soll zahlen. Aber wieso sollen die zahlen, die nicht zahlen wollen? "


    So ist das halt mit Steuern: man zahlt pauschal an den Staat und wird immer einige/viele Posten finden, die man eigentlich nicht mit "seinen" Steuergeldern mitfinanzieren möchte. Sollen wir jetzt deswegen den Staat und die Steuern abschaffen?
    Da würden sich die Berlusconis und die profithungrigen Geldbonzen dieser Welt bestimmt freuen.


    Eine Steuerverwendungsdiskussion ist sicher notwendig - nur mit dem billigen Trick, die Mäuse mit Speck fangen zu wollen, nach dem Prinzip: Du armer Steuerzahler bist der Betrogene, sieh mal wohin "dein" Geld fließt, wie kannst Du das bloß aushalten. Nein, damit lasse ich mich nicht einfangen. Ich lebe in einem Staat, in dem alles so gut funktioniert, wie in kaum einem anderen Land der Welt. Aber die Rosinenpicker sind natürlich nie zufrieden - solange das Steuergeld nicht vollständig zu ihrem persönlich Vorteil verwendet wird. Die Rattenfänger, die denen am meisten versprechen, die werden dann gewählt; aber schauen sie doch nur mal ganz genau hin, was das für Leute sind.

    Im übrigen macht Hollywood sehr gute aber auch sehr schlechte Filme. Aber es stellt sich die Frage, warum man Filme überhaupt exportieren muss, ist das etwa der Hauptzweck von Filmen?

    Beste Grüße

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  4. Die Autoren dieser Internetseite sind überwiegend Anarchokapitalisten oder Minarchisten, von daher stellt sich sicherlich für die Autoren dieser Seite und ebenso für mich die Frage nach der Notwendigkeit des Staates und/oder seiner ausufernden Kompetenzen. Mehr dazu findet man etwa dazu hier: http://www.freitum.de/p/faq.html

    Was den Hauptzweck von Filmen betrifft: Das liegt wohl in den Augen des Betrachters. Die Macher von Filmen werden sich ihren Teil dabei denken.

    Die Frage ist halt, ob es sinnvoll ist Geld zu verbraten, indem man Filme subventioniert, deren Macher nach Erhalt der Subventionen ohnehin keine allzu große Motivation haben, etwas Gutes auf die Leinwand zu bringen, oder ob man die Branche dem freien Markt überlässt, der in gewisser Hinsicht die Filmemacher dazu zwingt, die Bedürfnisse großer und kleiner Nischen zu bedienen, wie dies in Hollywood der Fall ist. Und: keiner braucht sich über Steuerver(sch)wendung zu beschweren.

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