Freitag, 26. Dezember 2014

Rezension: Unsichere Sicherheit

Das Buch kann hier bestellt werden
Hubert Milz rezensiert
Diese Woche: Rafael Rosenzweig: Das Streben nach Sicherheit, 392 Seiten, 24,80 Euro, Metropolis.
Dieses an und für sich eigentlich ökonomische Buch ist verfasst von Rafael Rosenzweig; er wurde 1922 in Frankfurt/M. geboren, die Familie ging 1939 nach Palästina; er studierte Nationalökonomie an der London School of Economics und war Gastprofessor in Kassel.

Das große Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit ist im Buch bemerkenswert gut herausgearbeitet und mit historischen Beispielen auch empirisch gut dokumentiert.

Rosenzweig stellt das Sicherheitsbedürfnis als ein zentrales Bedürfnis dar und sichtet sehr fein die verschiedenen Handlungsstränge der Menschen, welche den Zweck verfolgen dem Ziel der Sicherheit näher zu kommen. Für Rosenzweig steht dieses Bedürfnis allgemein für die Menschen noch über dem Gewinnstreben oder dem Eigennutz, und er analysiert seine Sicht auch an einigen historischen Beispielen. Dabei kann dieses Bedürfnis nach Sicherheit auch zu Handlungen führen, welche als nicht unbedingt rational zu gelten brauchen. Also eigentlich der gängigen Sicht der Standardlehrbücher des ökonomischen Mainstreams (Stichwort: das Konstrukt des super-rationalistischen "homo oeconomicus") fundamental widersprechen.
Freiheitliche Literatur kann bei der 
Buchausgabe bestellt werden.

Rosenzweigs Analyse kommt dann zu einem Ergebnis, welches zwischen Wunsch und Realität einen frappierenden Widerspruch aufweist:

- Mit dem Steigen der staatlichen Sicherheitsversprechen/-garantien sinkt die Sicherheit für den Menschen; das Steigen der staatsgarantierten Sicherheit geht einher mit einem Sinken der verfügbaren Ressourcen; kein Überfluss, keine Sicherheit, sondern Wohlfahrtsverluste sind das Ergebnis.

- Und mit der steigenden Unsicherheit, also dem Rückzug oder der Verdrängung der staatlichen Sicherheitsgarantien aus Rahmenbedingungen der Gesellschaft, steigt nachgerade die Versorgungssicherheit über die Ressourcen - im Ergebnis bis hin zum Überfluss.

Meine Folgerungen aus diesem Buch kurz aufgelistet:

Wenn man Rosenzweigs Gedankengängen folgt, dann werden die Fragen nach den Gründen, nach den Ursachen, also wieso, was, warum, wie, weshalb und wo es Rattenfänger und Heilsversprecher immer wieder gelingt, dass die Menschen sich mehr oder weniger freiwillig unter das scheinbar schützende Dach der staatlich garantierten Sicherheiten begeben, relativ leicht beantwortet.

Etatisten und Interventionisten aller Arten versprechen eben die mollige Wärme eines sicheren, vor Verwerfungen und Unglücken behüteten Daseins - gut, sicher und auskömmlich leben können, das ist nun einmal der Traum einer sehr großen Zahl von Menschen und deshalb begeben sich viele Menschen in die Obhut des Staates, also in eine Art der freiwilligen Knechtschaft.

Die Pseudo-Sicherheit im Schoße von Papa Staat wird - emotional? - vorgezogen, und diesem Verhalten wird wohl mit logischen und/oder empirischen Argumenten leider nur sehr schwer beizukommen sein (eventuell auch gar nicht).

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