Freitag, 19. Dezember 2014

Rezension: Liberalismus und konservativer Kulturpessimismus

Das Buch kann hier bestellt werden.
Hubert Milz rezensiert
Diese Woche: Wilhelm Röpke: Jenseits von Angebot und Nachfrage, 368 Seiten, 19,80 Euro, Verlagsanstalt Handwerk.
Das Buch ,,Jenseits von Angebot und Nachfrage", erstmals 1958 erschienen, ist ohne Zweifel die wichtigste Schrift aus dem Spätwerk Wilhelm Röpkes.

Schon in den früheren Werken Röpkes klang eine kulturpessimistische Haltung an, z. B. im Buch ,,Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart" von 1942 (,,Der Kult des Kolossalen bedeutet den Kniefall vor dem bloß 'Großen' ... die Verachtung des äußerlich Kleinen aber innerlich Großen"), aber hier in ,,Jenseits von Angebot und Nachfrage" ist dieser Pessimismus an sehr vielen Stellen des Buches geradezu greifbar.

Röpke geißelte in diesem Buch die immer stärker werdenden Tendenzen des Kolossalen. In diesem Zusammenhang warnte er vor den zentristischen Ausrichtungen im Rahmen der Europäischen Einigung, die zunehmende Vermassung aller Lebens- und Kulturbereiche, die Gefahr der freiheits-/marktfeindlichen Attacken aus dem akademischen und intellektuellen Milieu, die 'kollektive Zwangsfütterung' der Untertanen durch falsche Sozialpolitik, vor diesen Umständen und mehr warnte Röpke eindringlich und sprachgewaltig in diesem Buch.
Freiheitliche Literatur kann bei der 
Buchausgabe bestellt werden.

Sein Ideal war ein 'Liberalismus von unten' (Razeen Sally); kleine und mittlere, übersichtliche Strukturen, also:

- Kleingewerbe und starker Mittelstand - Eigentumsbildung auf breiter Basis (Wohnungseigentum mit eigenem Garten für die Stärkung der Selbstversorgung) - Dezentralisierung von politischer und wirtschaftlicher Macht, zu gewährleisten u. a. durch eine Art Marktpolizei - marktfreie Rückzugsgebiete;

Röpke erhoffte sich, dass durch Rückbesinnung auf einfache Lebensstile, auf das Natürliche, durch Stärkung der Familienbande und -traditionen, Besinnung auf das Religiöse (,,Das Maß der Wirtschaft ist der Mensch. Das Maß des Menschen ist sein Verhältnis zu Gott"), die Gesellschaft zu regenerieren sein würde. Sein Ideal war eine Gesellschaft freier Menschen, die sich und die ihren selbst versorgen, Eigentum pflegen und fähig wären, den Regierenden selbstbewusst und unabhängig auf Augenhöhe zu begegnen.

Röpkes Werk - auch das Buch ,,Jenseits von Angebot und Nachfrage" - ist von dem Willen durchdrungen, dass ökonomische und politische Freiheit und konservative Kulturkritik zusammengehen. Dies ist Röpkes 'ureigener Weg': eine 'Wirtschafts- und Sozialordnung' für den Menschen: Recht, Sitte, Moral, Normen- und Wertüberzeugungen sind für diesen großen 'Denker der Freiheit' die entscheidenden Kristalle der Gesellschaft, die nicht der Markt regelt, sondern auf der politischen Ebene entschieden werden - zum Guten oder zum Schlechten.

Wenn auch ein halbes Jahrhundert seit der 1. Auflage des Buches vergangen ist, ist dieses Buch zeitlos, seherisch und gerade heute von ungemeiner Aktualität: eine stetige Warnung an den Machbarkeits- und Größenwahn vieler Zeitgenossen - z. B. in der EU, mit den Tendenzen zu zentristischen Strukturen, hin zu einem hässlichen Machtmoloch, in welchem die Rechte und Freiheiten des Bürgers keinerlei Rang mehr haben werden.

Kommentare:

  1. Besitzt die Freitum Bibliothek dieses Buch schon? Ich könnte es neuwertig preisreduziert verkaufen.

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  2. Ich habe es mir erst gestern, allerdings in älterer Ausgabe, bestellt. Was wäre denn der Preis?

    Liebe Grüße,

    Tomasz

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