Montag, 29. Dezember 2014

Öffne Deine Augen!

von Tommy Casagrande
In welcher Welt werde ich morgen meine Augen öffnen? 

Hat man Augen und Ohren weit geöffnet, dann versucht man sich krampfhaft an der Gegenwart fest zu krallen. Doch sie entgleitet wie Sand zwischen den Fingern. 

Wenn ich mich den Nachrichten dieser Welt aussetze, dann verspüre ich ein Gefühl von zunehmendem Frust, Tristesse, Trauer, - ein Gefühl, das einer Schlinge gleicht, die sich einem um den Hals legt; ein Gefühl, das sich zu einem Knoten verhärtet - Wut, Machtlosigkeit, Ohnmacht. Es sind wohl jene Begriffe, die Menschen haben, die nicht durch individuelles Handeln ihr Leben oder das Leben anderer ändern können, weil sie einem System ausgesetzt sind, das sich aus vielen Menschen zwar zusammensetzt, aber unpersönlich und somit auch unmenschlich sich gestaltet.
Die menschliche Ebene beruht auf individueller Freiheit. Auf jener begegnen sich Menschen einander: "Was brauchst Du? Wie kann ich Dir helfen? Wodurch kann ich Deine Bedürfnisse am besten befriedigen? Auf welche Weise können wir zum beidseitigen Vorteil gelangen?" Diese Ebene aber wird ausgehöhlt durch gewaltmonopolistische Systeme, und lediglich jene von ihnen, die relativ zueinander eine größere individuelle Freiheit den Menschen zugestehen, werden mit Menschen gesät sein, die ihrem persönlichen, ganz individuellem Glück auf die Sprünge helfen können. 

Nichts desto trotz steht ein Gewaltmonopol, ganz konsequent und logisch gedacht, der natürlichen Grundfreiheit eines Menschen entgegen. Denn auf Grundlage des Selbsteigentums, nach dessen Kern ein jeder Mensch sich selbst und keinem Staat, noch sonst wem gehört, lässt sich ein Gewaltmonopol nicht legitim denken - dessen monopolistischer Anspruch auf ein Territorium, dessen Setzung von Besteuerung, Abgaben und sonstiger Pflichten: nichts von all dieser unfreiwilligen Vergesellschaftung ist vereinbar mit dem vernunftrechtlich-philosophischen Kerngedanken des Selbsteigentums.

In welcher Welt werde ich aufwachen?
Ständig höre und lese ich das Wort Demokratie. Wie ein Gebet, ein verzweifelter Hilfeschrei, eine (Er)Lösungsformel wird es gesagt und geschrieben, verkündet und demonstriert. Die fatale Gleichsetzung des berechtigten Wunsches vieler Menschen nach einem Leben in dem sich individuelles Glück, Perspektive, Wohlstand, Freiraum, Entfaltung, Stabilität in dem von ihnen geforderten Wunsch nach Demokratie versinnbildlicht, ist eine der größten, vielleicht aber auch die größte Illusion der Menschen in der westlichen Welt. 

Was ist durch Demokratie an sich gewonnen? Nichts. Lediglich die Organisationsform von Herrschaft erfährt durch sie einen Wandel. Dieser ist im Vergleich zu einer Diktatur zu begrüßen. Doch damit ist noch nicht das Ende der Geschichte erreicht. Denn das Prinzip "Herrschaft von Menschen über Menschen" erfährt durch Demokratie eine Stabilisierung , die es in den Spannungen der Diktatur nicht gibt. Das aber führt nicht zu einem gesellschaftlichem Zustand, in dem Individuen Glück, Perspektive, Wohlstand, Freiraum, Entfaltung, Stabilität erlangen. 

Eine historische Analyse der Auswirkungen auf das individuelle Leben der Menschen durch die Demokratie wäre sicherlich aufschlussreich. Das Wachstum an Gesetzen, die Forderungen nach neuen Gesetzen, die Begrüßung von Steuern und Abgaben, die bejubelnde Zustimmung über die staatliche Einmischung in private Belange der Menschen: all das und noch viel mehr, summiert im Laufe von Zeit und Dauer das Empfinden einer generellen Abnahme individuellen Glückes, der Perspektiven, des Wohlstandes, des Freiraumes, der Entfaltung und der Stabilität. Es nimmt derartige Zügel an, sodass Menschen sich vom westlichen Kulturkreis abwenden und mit einem Gefühl der Aufbruchstimmung in die autoritären Staaten der Welt blicken. Im westlichen Kulturkreis wird die Propaganda des individuellen Glückes gefahren. Dort kommen aber immer weniger Menschen an. Seltsam, wo es doch der eigenen Freiheit obliegen solle, unreguliert sich sein Glück zu schmieden. Nunja, das jedenfalls behauptet die Propaganda. Die Wirklichkeit dagegen besteht aus der sukzessiven Zunahme systemischer Zwänge, die zur Zunahme individueller Unfreiheit führen. Wer dann noch sein Glück schmiedet ist wahrhaft ein Glücklicher. Er genießt die Privilegien des Systems oder geht als Gewinner aus einem Konkurrenzkampf hervor, den der Staat zuvor eingeschränkt und reguliert hat, was so viel heißt wie - es gab nie einen echten, freien, entstaatlichen Wettbewerb.

Was bringt die Zukunft? 

Massenhafte Verelendung? Eine Zunahme der Obdachlosigkeit? Galt doch immer bei vielen meiner Zeitgenossen als Annahme, nur Alkoholiker seien obdachlos und darum auch selber schuld. Dass dies nur ein bequemes Ressentiment ist, ist ihnen nicht aufgefallen. Wer ökonomische Zusammenhänge nicht versteht und wem die analytischen Einsichten in die Wirkungsweise staatlicher Gesetze im Hinblick auf das reale menschliche Leben fehlen, der greift gut und gerne zu Annahmen, die den Individuen die Schuld dafür geben, in einem unfreien System nicht erfolgreich genug gelebt und gehandelt zu haben. Ich nenne solche Annahmen zynisch. 

Werden die Tierschützer es schaffen, politisch derartigen Einfluss zu nehmen, um die Massentierhaltung in sich verteuernde Fahrwasser zu führen? Werden gewisse Lebensmittel dann nur noch für wohlhabende Menschen leistbar sein? Ernähren sich ärmere Menschen dann nur noch von Zucker und Fett bis die Zuckersteuer und Fettsteuer auch die Preise dieser Lebensmittel erhöht? Auch der gesamte Komplex der Lebensmittelindustrie operiert nicht in einem freien Markt ohne staatlicher Eingriffe. Und gerade das führt zu seiner Verzerrung. Hinsichtlich des Preises, der Qualität, als auch des Umganges mit Tieren. Doch ist dieses Thema eingebettet in eine unüberschaubare Anzahl vieler Themen. Ebenso müsste es ein Marktgeld, einen Marktzins und freies Bankwesen geben. Denn das Tauschmittel und dessen Wert sollten ebenfalls die Menschen bestimmen und nicht irgendwelche politischen Behörden. Das hat natürlich einen Einfluss auf die Produktionsstruktur, die Preise, die Qualität, das Angebot, die Nachfrage und vieles mehr. Eben auch im Bezug auf die Lebensmittelindustrie.

Wird es einen Krieg geben? Einen Krieg, den sich niemand vorstellen möchte und vorstellen kann, weil wir das Glück haben - in den meisten Fällen zumindest -, keinen Krieg erfahren zu haben? Dieses Szenario darf nie eintreten, weil es nicht viele Gewinner gäbe und weil Menschen an sich einen Anreiz haben, durch Handel und Tausch ihr Leben zu verbessern, nicht durch Krieg und Zerstörung ihr Leben auf's Spiel zu setzen. Krieg zerstört die Welt, Handel baut sie auf. Auf diese einfache Formel gebracht, lässt sich nur hoffen, dass jene Kräfte, die den Handel in Erwägung ziehen - selbst wenn sie staatskapitalistisch sind -, gegenüber jenen Kräften sich durchsetzen werden, die an der Zerstörung arbeiten oder sie herbeisehnen. 

Jedes neue Gesetz teilt Menschen entzwei. Einmal in Gewinner und einmal in Verlierer. Ein jedes Gesetz verursacht zusätzliche Kosten, die nur von den finanziell potenteren Menschen bezahlt und von denen auch nur diese profitieren können. Dass die Armen durch Transferzahlungen nicht gewinnen bestätigt ihre sozioökonomische Situation. Rings um sie verteuert sich durch den Staat das Leben. Die Einnahmen gewisser Branchen, Konzerne, Eigentümer steigen. Die Armen und weniger Wohlhabenden aber sind die Nachzügler der Preissteigerungen. Und wenn sich der Staat auch noch um die Verfügung von Wohnraum kümmert, der Strommarkt staatlich reguliert ist, dann wird das Leben immer mehr Geld brauchen, das nicht im selben Maße ansteigt wie die Ausgaben. Auch das staatliche Mobilitätswesen hebt immer wieder gerne seine Preise an. Auf Preissteigerungen folgen Preissteigerungen. Menschen wollen sich ihr Leben leisten können, fordern mehr Lohn. Oft kommt es dann zu Entlassungen für die wenig Qualifizierteren oder jene, die zeitlich noch nicht lange dabei sind. Aber auch auf die Preise lassen sie die Kosten für den gestiegenen Lohn natürlich draufschlagen.

Wie wird sich im Angesicht des behaupteten Klimawandels (unabhängig der Frage, was der Begriff meint und ob ihm zuzustimmen ist in der Form, wie er vielfach genutzt wird) das Leben der Menschen in staatlichen-demokratischen Strukturen entwickeln? Wird Autofahren reguliert? Wird fliegen reguliert? Wird Stromverbrauch reguliert? Wird Wasserverbrauch reguliert? Wird planwirtschaftlich das Leben der Menschen konzipiert? Wird ein System erdacht, in dem jedem Menschen ein bestimmter Verbrauch zugeschrieben wird, den er einlösen darf? "Ich darf einmal in der Woche eine Stunde mit dem Auto fahren. Ich darf einmal am Tag zwischen fünf und sieben Minuten duschen. Ich darf zweimal pro Jahr mit dem Flugzeug fliegen. Ich darf im Winter für vier Stunden am Tag die Heizung einschalten." Kann das die Zukunft sein? Lebenswert wäre sie nicht. Da muss man froh sein, dass es kein ewiges Leben gibt. 

Es gibt einen Mechanismus der auf effizienteste Weise zu regulieren im Stande ist wie Menschen sich verhalten - und das ist der Preismechanismus. Doch dieser funktioniert nur ohne staatliche Eingriffe. Da unsere Welt davon weit entfernt ist, soll eine Welt mit noch gewaltigeren staatlichen Eingriffen die Lösung sein?
Menschen streiten und zanken sich ständig wegen dieser Thematiken. "Die Menschen fliegen zu viel, die Vielfliegerei killt das Klima" rufen die einen. "Nein, Du willst mich versklaven, Wenn Du mir das Vielfliegen verbietest. Du bist ein Totalitarist" schreien die anderen. Aus diesem Wirrwarr entwirren sich die wenigsten. Die staatlichen Eingriffe verzerren die Angebotsstruktur der Fliegerei, die Steuern und Abgaben, das Lizenzwesen, das Berechtigungswesen, greifen ein auf das Angebot. 

Zugleich greifen Eingriffe in das Geldwesen, den Arbeitsmarkt ebenso in die Nachfrage ein. Sowohl Angebot als auch Nachfrage finden unter staatlichen Strukturen, Gesetzen statt und werden durch sie verzerrt. Somit sagen die einen, Fliegen sei zu teuer, die anderen meinen, es sei viel zu billig. Die einen wollen, dass der Staat noch mehr besteuert, um die Klimaschädigung, falls sie existiert, zu reduzieren; die anderen wollen, dass der Staat die Steuer reduziert oder abschafft, während die anderen Eingriffe des Staates beibehalten werden und es fälschlicherweise einen ''freien Markt'' nennen. Zwei unvereinbare und für sich genommen auch falsche Positionen streiten um den größeren Einfluss auf den Staat und die zukünftige Richtung in der Demokratie. 

Dass diese nicht allen nutzt und dieses Spiel aus Gewinnern und Verlierern insgesamt die Unzufriedenheit stets erhöht, habe ich durch ein paar dieser Beispiele zumindest andeuten wollen und hoffe, dass viele ihrer Umsetzungen an der Zukunft scheitern werden, in die ich nicht mit einem euphorischem Gefühl blicke. 

Somit beantworte ich die eingangs von mir gestellte Frage, in welcher Welt ich morgen aufwache, gleich selbst mit der süffisanten Anmerkung: Besser gar nicht!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *