Donnerstag, 25. Dezember 2014

August Strindberg: Kritiker des Parlamentarismus

Kritiker des Parlamentarismus: Strindberg. 
von Jonathan Danubio
August Strindberg, der wohl bedeutendste Literat Schwedens, schreibt 1890 in "Am offenen Meer" über den Parlamentarismus:

"Er hatte dadurch [Etablierung des Parlamentarismus] erkannt, in welcher entsetzlichen Unordnung sich der Denkapparat bei der Mehrzahl befand, und wenn er die Reichstagsprotokolle las und die Darlegungen der einflussreichsten und glänzendsten Redner betrachtete, nahm er wahr, wie das, was er Ganglienargumentation nannte, das bloße Erzeugen von Blutgefäßkontraktionen und Herzkongestionen, den größten Einfluss auf die öffentliche Meinung ausübte. Es kam ihm mitunter so vor, als gehe es gar nicht um das Vaterland oder den Fortschritt, sondern um den Triumph der Antragsteller, durch Fehlschlüsse, gröbste Verstöße gegen die Logik und die grausamste Entstellung von Fakten ihren Willen durchzusetzen. In ihm erwachte durch Beobachtung der starke Verdacht, dass alles einem Kampf um Macht galt, um den Genuss, mit dem eigenen Gehirn die Gehirne der anderen in Gleichklang zu bringen, die eigenen Gedankensamen in die Gehirnrinden anderer zu säen, wo sie parasitenhaft wachsen sollten wie Misteln, während der Mutterstamm sich stolz brüsten würde bei dem Gedanken, dass die Schmarotzer da oben in der Krone doch nur Schmarotzer seien."

Strindberg reiht sich damit nahtlos in die lange Tradition von Denkern ein, die den Parlamentarismus nicht in naiver Unschuld als Instrument zur Etablierung eines wie auch immer gearteten Allgemeinwohls oder zur Offenbarung eines abstrakten Volkswillens sehen. Der Parlamentarismus ist seinem Wesen nach partikularistisch, indem er die subjektiven Vorurteile/Wünsche einer Minderheit durch staatliche Zwangsgewalt für jeden (kollektiv) bindend macht (als aktuelles und besonders frappierendes Beispiel denke man bloß an den demokratischen Genderwahn). Diese Ansicht ist bei weitem nicht neu und jedes verabschiedete Gesetz bestätigt sie letztlich, da es stets Opfer und Profiteure desselben gibt (inwiefern dies für die sog. Grundrechte gilt, lässt sich diskutieren). In Abänderung einer "Scholie" Dávilas - "Wer die Revolution befürwortet, zitiert Diskurs; wer sie ablehnt, zitiert Tatsachen." - könnte man sagen: Wer den Parlamentarismus befürwortet, zitiert Diskurs; wer ihn ablehnt, zitiert Tatsachen.

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