Donnerstag, 11. Dezember 2014

Anarchokapitalismus ungleich wirtschaftliche Macht

von Tommy Casagrande
Die folgende Aussage hat mich stimuliert, auf selbige einzugehen: ,,Was wollt ihr eigentlich alle? Die Wirtschaft hat doch schon mehr Macht als die Politik, wozu noch Anarchokapitalismus?"

Das ist ja das Problem. Macht leitet sich von Herrschaft ab. Ohne Gewaltmonopol gibt es weder das eine noch das andere. Natürlich hat ,,die Wirtschaft" Macht, weil staatliche Gesetze, Regulierungen, Privilegien direkter und indirekter Art dazu veranlassen. Das trifft aber nicht das individuelle Bedürfnis von Menschen, wenn sie frei und herrschaftslos in Kooperationen und freiwilligen Verbünden miteinander versuchen würden, ihrem Glück zu folgen. 

Das heutige System ist mechanisch. ,,Wirtschaft" ist darin wie ein System, das aus Rohren besteht, durch die reguliert wird, wo wieviel rein- und rausfließt. Dieses einer Fabrik nachempfundene System unterjocht die Menschen zu Geißeln künstlicher Blasen, die dann platzen. Nachhaltigkeit und Stabilität bleiben genauso Illusion wie Mehrung des Wohlstandes für alle. Im Ergebnis entzweien sich die Menschen, weil das System Gewinner und Verlierer separiert und neue ideologische Gleichheitskulte provoziert nach der Macht zu streben. 

Die einen behaupten weiterhin, in ideologischer Gefangenschaft bleibend, dass die Gegenwart ein freier und darum zu schützender Markt sei. 
Die anderen agitieren im Namen der Gerechtigkeit gegen diese Gegenwart und bieten den Kollektivismus mitsamt zunehmender Verstaatlichung allen individuellen Handelns als rettende Alternative. 
Beide Gruppen sind im Unrecht, kämpfen aber um die Macht über das Gewaltmonopol. Eine Macht sie alle zu knechten. Eine Macht alles zu ideologisieren und zu verklären.

Anarchokapitalismus ist der Begriff für ein freies Leben ohne Herrschaft, wie wohlhabend oder ärmlich, wie rational oder spirituell auch immer es geführt werden will. Egal wie jemand sein Leben verbringen will - dass er dies tun darf, so lange er keinem schadet, wie auch immer er will, ist die Freiheitsableitung aus dem Selbsteigentum des Menschen. Dies gesteht zu, auf jedem wirtschaftlichem Niveau zu agieren, welches man wünscht, so lange es freiwillig geschieht. Es ist darum nicht gleichgesetzt mit Reichtum oder Wohlstand. Reichtum und Wohlstand können aus der individuellen Freiheit erfolgen, wenn Menschen sich freiwillig entscheiden zu produzieren und zu handeln. Wo das nicht aus freiwilligen Stücken geschieht, wird der Wohlstand und der Reichtum auch nicht in materiellem Sinne einkehren, möglicherweise aber in Form eines immateriellen Wertes das Leben bereichern.

Auf dieser Welt gibt es zu Reichtum gekommene Menschen und Unternehmen, die davon profitieren, dass es keine entfesselten freien Märkte gibt, welche ihren Reichtum durch den freien Wettbewerb in Frage stellen. Wäre Anarchokapitalismus und Reichtum gleichgesetzt, wäre für die Reichen dieser Welt der Anarchokapitalismus etabliert, während er zugleich es für die Ärmeren nicht wäre. Das macht natürlich keinen Sinn, da im Anarchokapitalismus die gegenwärtig Ärmeren die Chance hätten, durch eigenen Fleiß nach oben zu gelangen. Für Reichtum zu sein, der aber zugegebenermaßen als Privileg für manche zu verstehen ist, braucht es nichts als den Staat, um andere davon auszuschließen. 

Die Gleichsetzung ,,Anarchokapitalismus" = ,,Geld machen" = ,,reich sein" = ,,frei sein" ist etatistische Ideologie und Interpretation mit Hilfe all jener gedanklich ungeübten ,,Verteidiger" des freien Marktes, die sich stets libertär nennen und dann ausschließlich für Reichtum und viel Geldmachen agitieren. Es wird unter Libertären gerne überbetont, dass Freiheit zu Wohlstand führt. In Zeiten der Armut ist es gut und wichtig, das zu wissen. Man sollte aber immer genauso betonen, dass Freiheit auch die Freiheit zu einem materiell ärmeren Leben miteinschließt. Freiheit setzt keinem Individuum Grenzen, wie es sein Leben zu verbringen hat. Freiheit setzt nur dort die Grenze, dass es für jedes Individuum gilt und somit niemand jemand anderen zwingen darf. 

Darum ist die Grundaussage ,,Anarchokapitalismus stehe für die Macht der Wirtschaft" falsch.

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