Montag, 10. November 2014

Paukenschlag: PDV-Bundesvorstand tritt zurück und aus!

Paukenschlag bei den politisch organisierten Libertären in Deutschland: Mit dem 9. November 2014 ist ein großer Teil des Bundesvorstands der Partei der Vernunft von allen Parteiämtern zurück- und gleichzeitig aus der Partei ausgetreten. Im Folgenden der Brief der ehemaligen PDV-Bundesvorstandsmitglieder Susanne Kablitz, Uwe Schröder, Peter Bruchmann, Johannes Roßmanith, Peter Abel, Gerhard Breunig, Thomas Stahl und André Liedgens an die Parteimitglieder in voller Länge:

Liebe Mitglieder der Partei der Vernunft,

mit diesem Schreiben erklären wir, die Mitglieder des Bundesvorstandes, Susanne Kablitz (Bundesvorsitzende), Uwe Schröder (stellvertretender Bundesvorsitzender und kommissarischer Landesvorsitzender Niedersachsen), Peter Bruchmann (stellvertretender Bundesvorsitzender und Landesvorsitzender Thüringen), Johannes Roßmanith (Bundesgeschäftsführer), Gerhard Breunig (Bundesgeneralsekretär), Peter Abel (Bundesfinanzvorstand und Landesgeschäftsführer Hessen), André Liedgens (Mitglied des Bundesvorstandes und Mitglied des Landesvorstandes NRW) und Thomas Stahl (Mitglied des Bundesvorstandes und Mitglied des Landesvorstandes Bayern) zum 09.11.2014 unseren Rücktritt von allen Parteiämtern und unseren gleichzeitigen Austritt aus der Partei der Vernunft.

Warum vollziehen wir einen derartig drastischen Schritt?

Die PDV wurde mit dem wünschenswerten und sehr wichtigen Ziel ins Leben gerufen, dem Libertarismus in Deutschland wieder ein Gesicht zu geben. Zusammen mit Oliver Janich haben einige von den oben genannten Personen mit viel Engagement, Mut und Begeisterung am 30. Mai 2009 die PDV gegründet. Uwe Schröder und der leider ausgeschiedene ehemalige Bundesvorstand Jörg Brechlin haben in nächtelangen „Zusammenkünften“ das allseits anerkannte und richtungsweisende Grundsatzprogramm erarbeitet, das dann in der vorgelegten Form verabschiedet und entsprechend umgesetzt wurde. Es ist zweifellos so, dass hier etwas ganz Besonderes geboren wurde, und als die jeweiligen Amtsträger ihre Positionen übernahmen, geschah dies voller Elan und Freude. Wenn es auch in der Vergangenheit allerlei Auseinandersetzungen gegeben und – wie es unter Liberalen und Libertären wohl so normal ist – es nicht selten gekracht hatte, war doch die große Hoffnung, die PDV auf ihrem Weg weiterzuführen, übermächtig.

Nun, diese Hoffnung wurde leider nicht erfüllt und wir müssen nach fünf Jahren resümieren, dass es der PDV nicht gelungen ist, die Kräfte zu bündeln und sie in eine Richtung zu stoßen. Die PDV ist nach anfänglichen Erfolgen bei der NRW-Wahl letztendlich keinen Schritt vorangekommen und das überaus peinliche Ergebnis zur Europawahl hat uns auch noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit und Respekt in der öffentlichen Wahrnehmung geraubt. Heute sieht man allerlei Personen im Fernsehen, die den Herrschaften in Brüssel Beine machen, nur wir sind – obwohl wir aller Wahrscheinlichkeit nach eine historisch einmalige Chance dazu hatten – nicht dabei. Andere mischen den Komödienstadl wahlweise in Brüssel oder Straßburg auf, die PDV zog es vor, sich im Klein-Klein der innerparteilichen Streitereien zu verlieren. Obwohl die Welt vor ungemeinen Problemen steht und wir die einzige wirkliche Alternative in Deutschland für den Libertarismus sind, müssen wir erkennen, dass die internen Auseinandersetzungen immer mehr Oberhand gewinnen und die eigentliche politische Arbeit nahezu untergeht. Für den Kreis der genannten Personen ist dies zu einem unhaltbaren Zustand geworden, den wir nicht mehr tragen werden.

Das Lieblingsfeindbild der letzten Jahre war immer wieder der Bundesvorstand. Dabei war es offensichtlich auch ganz egal, in welcher wechselnden Besetzung er agierte. Es spielte gar keine Rolle mehr, was für gute Dinge geschahen; sobald ein winziger „Fehler“ gemacht wurde, gab es für die Kritiker kein Halten mehr. Aus unserer Sicht machen die Kritiker und die „Dazuschweiger“ es sich hier viel zu einfach. Der jeweilige Bundesvorstand hat aus unserer Sicht immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und alles Menschenmögliche getan, die PDV in ein gutes Licht zu rücken. Allerdings scheint unter libertären Menschen die Neigung vorzuherrschen, die einzig wahre Wahrheit zu kennen, und andere, die nicht dieser Meinung sind, als dumm und einfältig zu degradieren; etwas, wogegen wir uns im Bundesvorstand immer gewehrt haben. Denn es ist eine Kunst, in dem vorherrschenden sozialistischen Umfeld, in dem wir uns befinden, die Wünsche und Bedürfnisse (die bisweilen von naiv über utopisch bis weltfremd reichen) so zu organisieren, dass sie mit der pragmatischen Umsetzung des Grundsatzprogramms vereinbar umsetzbar sind.

Der jetzige Bundesvorstand hat von Anfang an ganz klar kommuniziert, dass er ausschließlich an der politischen Arbeit der PDV interessiert ist. Wir haben auch ganz klar kommuniziert, dass wir an Zänkereien und Intrigenspielchen ganz klar nicht interessiert sind und diese auch nicht mittragen werden! Dazu sind wir wohl viel zu wenig Politiker; ein Umstand, auf den wir überaus stolz sind. Kritik ist wichtig und sie ist notwendig, und dass es nicht immer einfach sein würde, das war uns absolut klar. Dass es zu Schwierigkeiten kommen würde, wenn man die Historie der PDV betrachtet, war uns auch durchaus bewusst. Aber dies war kein Grund für uns, uns hängen zu lassen und aufgeben zu wollen. Auch Anfeindungen, dass wir „rechts“ seien, haben uns nicht gestört. Weil wir wissen, dass es nicht der Wahrheit entspricht und heutzutage jeder ein Rechtspopulist ist, der sich nicht dem rotgrünen Mainstream anpasst. Im Gegenteil – die Diskussionen waren bewusstseinserweiternd, vor allem für die Gegenseite.

Was sich aber nun immer mehr abzeichnet, ist, dass die Personen, die Paragraphen als die Seele einer Partei bezeichnen, und die Personen, die Extrempositionen zu Grundsatzthemen der PDV erklären, zunehmend Gewicht bekommen und die eigentliche Arbeit massiv in den Hintergrund gerät. Extreme Positionen, die von Mitgliedern – insbesondere bei Facebook – als selig machende „Muss-so-sein-Botschaften“ herausposaunt und dabei auch noch die verlacht wurden, die an die zu gewinnende Wählerschaft erinnerten, nahmen in den letzten Monaten immer mehr überhand. Es ist sicherlich wünschenswert, dass man sich Utopien hingibt, um ein Endziel nicht aus den Augen zu verlieren, aber es ist nun einmal für eine politische Partei unabdingbar, dass sie die ein oder andere Zustimmung für sich gewinnen kann. Denn wenn das von einigen nicht gewollt ist, dann stellt sich doch die Frage, was sie in der PDV verloren haben.

Dazu gesellt sich dann leider auch noch die Haltung in der PDV – selbst bei Amtsträgern – welche mit Gleichgültigkeit und Verantwortungslosigkeit oder mangelnder Loyalität noch freundlich umschrieben ist. Ja, es scheint so zu sein, dass manche Mitglieder mit Riesenschritten durch die Kinderstube gesaust sind, aber es ist nicht die Aufgabe des Bundesvorstandes, dieses frühkindliche Versäumnis nachzuholen. Genauso wenig ist es die Aufgabe des Bundesvorstandes, der allseits verfügbare und abrufbare Entertainer angeblich erwachsener Menschen zu sein, die es für sich in Anspruch nehmen, eigenverantwortlich und ohne Vorgaben „von oben“ handeln zu wollen, wenn es ihnen zum Vorteil gereicht, aber dann reflexartig in den Dauerkindheitsmodus mit Strampelfüßchen verfallen, wenn sie sich vom Bundesvorstand nicht motiviert fühlen oder etwas nicht so gelaufen ist, wie sie sich das vorstellen.

So haben wir uns schweren Herzens entschlossen, dass wir unseren Namen und unseren Kopf nun nicht mehr für jeden und alles hinhalten, nur weil ein Einzelner „aus dem Hintergrund“ heraus meint, Libertarismus heiße, dass jeder machen kann, was er will. Für uns bedeutet „libertär“ nicht, dass man jede Idee super finden muss. „Libertär“ heißt für uns nicht, dass Zusagen nicht eingehalten werden müssen. Für uns bedeutet Libertarismus, dass man sich an freiwillig vereinbarte Verträge hält, dass fair agiert wird und man aufrichtig ist. So waren in der letzten Zeit Aussagen wie solche zu hören: „Von einer liberalen Partei erwarten wir halt keine Kommandos von oben nach unten und einen autoritären Führungsstil.“ Nein, aber „liberal“ heißt Verantwortungsbewusstsein und Vertragstreue und nicht, dass man tun und lassen kann, was man will, und ein anderer muss die Suppe auslöffeln. WIR erwarten von einer liberalen Partei eben auch keine Kommandos von „unten nach oben“ und ein immer wiederkehrendes „Vor-das-Schienbein-Treten“, nur weil es den Bundesvorstand trifft und der gefälligst alles ertragen muss. „Liberal“ heißt Fairness und Geradlinigkeit, „liberal“ bedeutet Gleichheit vor dem Recht und nicht ein Messen mit zweierlei Maß.

„Es sind ja schon viele vor uns gegangen. Das waren nicht alle Querulanten, die hat die Führungsspitze hinausgeekelt“, wird uns vorgeworfen. Hierzu Folgendes! So lange der Bundesvorstand seit dem 03.09.2013 agiert, haben wir noch nie Kommandos gegeben, aber irgendjemand muss nun einmal organisieren und die politische Richtung vorgeben. Sollen wir für jede Idee, sei sie auch noch so „durchgeknallt“, unseren Kopf hinhalten müssen? Welcher „Idiot“ macht denn so etwas? Wir definitiv nicht. Wir hängen an keinem Vorstandsposten, wenn er ins Nichts führt, denn die verantwortungsvolle Ausübung kostet sehr, sehr viel private Zeit. Lebenszeit! Lebenszeit, von der wir jede Minute nur einmal leben können! Und sie kostet auch privates Geld! Viel Geld! Keiner von uns verdient auch nur einen Cent, aber wir müssen uns von einzelnen Mitgliedern behandeln lassen, als würden wir, wie zum Beispiel Herr Lucke von der AfD, Tausende von Euros jeden Monat für unsere Arbeit kassieren und uns deshalb alles gefallen lassen müssen.

Wir haben die jeweiligen Positionen im Bundesvorstand sehr gern ausgeübt, vor allem, weil unsere positive Wahrnehmung gerade in den letzten Monaten immer hoffnungsvoller wurde. Leider kämpfen wir jedoch auch immer noch gegen das extrem schlechte Image der Vergangenheit; ein Umstand, den wir aber mit viel Energie und entsprechender Außenwirkung zunehmend in den Griff bekamen. Diese Arbeit wird aber sogleich wieder ruiniert, wenn wir dann im Inneren immer und immer wieder über „Belanglosigkeiten“ debattieren und die Prioritäten einzelner Mitglieder zu Gesamtproblematiken hochstilisieren (müssen). Wir haben immer offen gesagt, dass die Satzung einer Organisation sicherlich wichtig ist, sie aber nicht wichtiger werden darf als die Menschen, die mit ihr arbeiten. Dass wir uns keinen Gefallen damit tun, dass wir wie eine Partei agieren, die zum einen zahlungskräftig ist und zum anderen Tausende von Mitgliedern hat. Wir haben auch immer kundgetan, dass wir mit Fünf-Euro-Beiträgen gerade einmal das „Toilettenpapier auf dem Bundesparteitag“ finanziert bekommen und sich dies ändern muss. Diesen Vertretern, die artikulieren, dass Beiträge von drei Flaschen mittelmäßigem Wein bei „Aldi“ Wucher sind, sollten sich fragen, wer hier seit Jahren alles finanziert, was die PDV nach außen trägt. Und ob es libertär ist, dass Einzelne auf private Kosten für die geradestehen müssen, die zehn Euro im Monat als „Wucher“ bezeichnen.

Ja, wir sind für die Ausarbeitung der Satzung von Einzelnen kritisiert worden. Und ja, sie ist stringent. Sie ist deshalb stringent, weil wir aus der Erfahrung gelernt haben. Susanne Kablitz und André Liedgens haben auf dem Landesparteitag in NRW gerade den Mitgliedern, die an der Satzung gearbeitet haben, eindringlich vor Augen geführt, dass Landesverbände, denen der Bundesfinanzvorstand monate-, ja fast jahrelang hinterherlaufen muss, um nur den Jahresabschluss zu bekommen, nicht in der Lage sind, die Finanzhoheit zu übernehmen. Wir haben erklärt, dass wir aufgrund des Gesamtüberblicks über die PDV berechtigte Zweifel daran haben, dass die Eigenverantwortung auch eigenverantwortlich genutzt wird. Und dass es nicht zumutbar ist, dass wir im Bundesvorstand die Verantwortung für etwas übernehmen, über das wir keinen Überblick haben. Dass es nicht zumutbar ist, dass Rechte gern und bereitwillig übertragen werden, die Pflichten aber einzig und allein beim Bundesvorstand liegen sollen. André Liedgens hat mehrfach deutlich erklärt, in welcher Form die Satzungsänderungsanträge eingereicht werden müssen, eben WEIL wir wollten, dass mit offenen Karten gespielt wird. WEIL wir wollten, dass Diskussionen geführt werden. Warum von den agierenden Personen so nicht gehandelt wurde – wir wissen es nicht. Und es spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Ein Bundesvorstand – auch der nach uns – muss agieren können. Er muss schnell reagieren können, wenn dies nötig ist. Wenn er erst mit Hunderten von Mitgliedern debattieren muss, dann kann er seine Arbeit gleich einstellen. Ja, das wirkt möglicherweise diktatorisch, aber solange der Bundesvorstand das Grundsatzprogramm und die abgesprochenen Vereinbarungen mit den Mitgliedern einhält und er somit im Rahmen seines Mandats agiert, kann er gar nicht anders handeln.

Wir haben immer wieder erklärt, dass wir an libertären Redeclübchen kein Interesse haben. Gern kann sich der eine oder andere seinen Utopien und Wunschvorstellungen hingeben, wir jedoch werden diese Träumereien weder mit unserem Geld noch mit unserer Lebenszeit, noch mit unserer Gesundheit weiterhin finanzieren. Denn dies ist nichts anderes als Sozialismus! Etwas, das wir mit aller Entschiedenheit ablehnen.

Ein Großteil der Basis ist nur noch frustriert. Aber der Frust trifft keinesfalls in der Breite den Bundesvorstand, der in seiner ursprünglichen Zusammensetzung kaum noch besteht. Nein, es sind sehr viele, die bei mir, Susanne Kablitz, anrufen und sagen, dass wir endlich „aufräumen“ sollen. Dass wir endlich die „Dauerstörer“ vor die Tür setzen sollen. Dieses „Machtwort“ werden wir nicht sprechen, schon allein deshalb, weil es in einer libertären Partei schlecht aufgehoben ist. Wir hatten gehofft, dass es auch ohne geht, aber da haben wir uns geirrt. Und da wir bei uns bleiben möchten, werden wir die notwendigen Konsequenzen ziehen und den Leuten das Feld überlassen, die der Überzeugung sind, diese Arbeit im Bundesvorstand sehr viel besser ausfüllen zu können. Wir, die Unterzeichner, überlassen das Feld denjenigen, die ihre moralischen Ansprüche wie eine Monstranz vor sich hertragen, einem dann aber – ohne jegliche Vorwarnung – das Messer in den Rücken rammen. Wir überlassen denjenigen das Feld, die, wie zum Beispiel der Landesverband Rheinland-Pfalz, allen Ernstes 52 (in Worten: zweiundfünfzig!) Änderungsanträge zu unserem Satzungsentwurf einreichen. Eine Arbeit, die wir unmöglich neben unserer Hauptarbeit schaffen KÖNNEN! Und dies als Antwort darauf, dass wir vollkommen satzungskonform die Anträge der Satzungsgruppe abgelehnt haben, weil sie – auch satzungsgemäß korrekt – fehlerhaft eingereicht wurden. In der Folge wurden wir dann sogar aufgefordert, diese fehlerhaften Anträge „durchgehen zu lassen“ und gegen die Satzung zu verstoßen. Wohlgemerkt von den Personen angeregt, die uns nur wenige Monate vorher wegen angeblichen Satzungsverstoßes vor das Schiedsgericht gezerrt haben.

Diese Art von „Gutmenschen“ wollen wir nicht mehr ertragen müssen. Lieber ein offenes Wort und vorübergehende Auseinandersetzungen als diese Form des Psychoterrors. Zudem sind wir es leid, dass ständig Projekte nicht stringent abgearbeitet werden können, weil wir uns immer und immer wieder mit internem „Mist“ beschäftigen müssen. Dass wir es uns zu Recht anhören mussten, dass wir nicht aus „den Puschen kommen“, weil all die Themen, die vorgebracht wurden, nicht zügig umgesetzt wurden. Aber alleine konnten wir das nicht schaffen, vor allem dann nicht, wenn wir auch noch zig Nebenbaustellen abzuarbeiten hatten. Wir haben seit Anbeginn im Mai 2009 überaus viele überaus wertvolle und fleißige Mitstreiter (die vor allem sinnvoll tätig waren) verloren, die es nicht weiter hinnehmen wollten, dass wir uns intern zerfleischen, und wir werden diesen Weg nun auch gehen. Einfach deshalb, weil unsere Interessen andere sind, weil wir vorankommen, weil wir die Freiheit nach vorne bringen wollen. Und dies werden wir auch tun! 100-prozentig – nur eben nicht mehr in der PDV, was uns wirklich weh tut. Aber es gehört zum Erwachsensein dazu, einzusehen, wenn der Traum ausgeträumt ist, wenn es keine Chance mehr gibt.

Und so möchte ich – Susanne Kablitz – ein paar Worte loswerden, die mir ganz persönlich auf der Seele liegen, auch wenn sie mich bei dem einen oder anderen in Ungnade fallen lassen. Aber beliebt zu sein war noch nie meine oberste Priorität! Wer wie oben immer nur den anderen die Schuld in die Schuhe schiebt, ist in meinen Augen ein Feigling, und ich habe mir „Schmarrn“ dieser Art nun lange genug angehört! Ich habe die Faxen dicke! Und ich habe von den Personen die Nase voll, die immer – absolut immer – nur dann auf der Bildfläche auftauchen, wenn es etwas zu nörgeln gibt. Allzu oft wurde gedroht, dass wenn ich dieses oder jenes nicht mache, derjenige austreten wird. Oder dass er uns sonst in einer gewissen Form schaden wird, wenn ich den Vorstellungen, die „geäußert“ wurden, nicht „umgehend nachkomme“. Aber ich lasse mir weder drohen noch mich erpressen noch nötigen. Und ich sage auch als Bundesvorsitzende meine Meinung. Dieses Gejammer vom „bösen Bundesvorstand“, von der unheilvollen „Obrigkeit“ nimmt bei einigen schon pathologische Züge an. Solche Züge, dass man sich schon jedes Wort dreimal überlegen musste, um nicht im Licht eines „Diktators“ zu erscheinen. Das ist mir – bei allem Respekt – schlichtweg zu blöd! Es ist nicht meine Aufgabe, die Minderwertigkeitskomplexe einzelner Mitglieder zu therapieren. Und es hat mit Libertarismus nichts zu tun.

Ich weiß zudem genau, dass – zumindest solange der Bundesvorstand in dieser Form besteht – das Satzungsthema, mit dem wir uns jegliche produktive Zeit im Bundesvorstand rauben, nicht vom Tisch kommen wird. Es wird jetzt immer und immer wieder debattiert werden, und bei aller Liebe zur PDV – ich möchte meine Zeit sinnvoller und effektiver einsetzen als mich mit diesen Kopfgeburten zu beschäftigen, die uns keinen Schritt voranbringen. Und so muss ich einsehen, dass meine Zeit in der PDV abgelaufen ist. Ich habe alles mir Mögliche versucht, ich habe versucht, für jeden ein offenes Ohr zu haben und alle Aktionen der PDV, soweit es zeitlich und beruflich machbar war, zu begleiten. Mehr ging nicht – bei uns allen nicht!

Wir im Bundesvorstand ziehen nun aus all den vielen Vorwürfen die Konsequenzen und werden einem neuen Bundesvorstand den Weg ebnen. Wir wünschen dem neuen Vorstand die Gabe, es jedem Mitglied recht zu machen, stets den richtigen Ton zu treffen und trotz unserer heutigen schnellebigen Zeit und des extrem umgreifenden sozialistischen Würgegriffs immer genug Zeit und Muße zu haben, mit jedem Einzelnen ausgiebig zu debattieren und eine für alle befriedigende Lösung zu finden. Vor allem machen wir denen den Weg frei, die sicherlich ihren vielen Worten und Verbesserungsansprüchen nun auch Taten folgen lassen wollen und werden. Die Zeit des „Schwätzens“ ist vorbei – jetzt ist Zeit, zu liefern!

Im Zusammenhang mit unserem Rücktritt haben wir auch die Rückabwicklung des Windmobil-Projekts beschlossen, weil wir es nicht verantworten können – besonders denjenigen Spendern gegenüber, die hohe Beträge gespendet oder in Aussicht gestellt haben –, dieses Projekt und seine finanziellen Mittel einer ungewissen Zukunft zu überlassen. Sämtliche Spenden, bei denen die Spender namentlich identifiziert werden konnten, sind am Freitag, 07.11.2014 vor Geschäftsschluss zurücküberwiesen worden.

Wir bedanken uns in aller Form und in aller Aufrichtigkeit bei den Mitstreitern, die an unserer Seite standen und uns unterstützt haben. Bei denjenigen, die uns für unsere Arbeit sogar ab und zu ein Lob ausgesprochen haben und zu schätzen wussten, dass jeder Einzelne von denjenigen im Bundesvorstand, die jetzt gemeinsam austreten, zwischen 20 und 30 Stunden in der Woche ehrenamtlich für die Themen der PDV gearbeitet hat. Die sich keine Auszeiten gegönnt und ihre Projekte wie vereinbart begleitet haben. Bei denjenigen, die wussten, dass eine verantwortungsvolle Arbeit nur möglich ist, wenn man bereit ist, ein solches Arbeitspensum neben der notwendigen, weil bezahlten, Arbeit und dem Privatleben, das zunehmend unter die Räder kam, auch zuverlässig und dauerhaft auf sich zu nehmen. Diesen Mitstreitern danken wir von Herzen – aber am Ende waren es einfach zu wenige!

Und so bleibt uns zu sagen: Danke für „alles“, bleibt gesund und munter und vergesst nicht: Wir lieben Freiheit!

Susanne Kablitz, Uwe Schröder, Peter Bruchmann, Johannes Roßmanith, Peter Abel, Gerhard Breunig, Thomas Stahl und André Liedgens

Kommentare:

  1. Bravo!
    Das musste einfach einmal gesagt werden.
    Per aspera ad astra!
    MbG
    Seibold, Wien

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  2. Wahrscheinlich hätte man von Anfang an festschreiben müssen, daß man nur für einen politischen Weg zu mehr Freiheit steht und nicht für libertäre Idealbilder, die in weniger als 20 Jahren sowieso nicht verwirklicht werden können. So hätte man die "libertären Fundamentalisten" sinnvoll eingebunden, die kompromißunwilligen Störenfriede ferngehalten und sich langsam etablieren können.

    Nebenbei bemerkt: Mit Philosophie alleine kann man keine Partei (mehr) etablieren. Man braucht Emotionen und Empörung, siehe AfD und Grüne.

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  3. Wieso aus? Es wird ein neuer Vorstand gewählt werden und die Landesverbände sind durchaus noch intakt.

    Ist zwar allemal eine Bombe, nur hebt das ja die Grundlagen der PdV nicht aus den Angeln. Diese sind im Grundsatzprogramm hinterlegt.

    Es sieht aber so aus als ob es kurioserweise auch bei den Libertären darum geht wer "oben" ist. Aber nun ja so sind Parteien nun einmal strukturiert.

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  4. Besonders amüsant: Als Susanne Kablitz und Co. noch im Amt waren, warf man ihnen parteiintern Machtbesessenheit vor. Das deckt sich nicht wirklich mit dem Rück- und Austritt, für den allerdings auch schon neue Vorwürfe formuliert werden: Die ehemalige Führung wolle nun die Partei zerstören. Abenteuerlich.

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  5. Hahaha,

    Blutilde, genau deshalb wurde ich aus dem Bundesvorstand gemobbt: "Man braucht Emotionen und Empörung, siehe AfD und Grüne." Na und? Der Rest ist Geschichte, als hätte ich es vorausgesehen.

    Hintergründe breite ich hier aus:
    http://www.dzig.de/Guenter_Rohrmoser_als_Ziehvater_und_Vordenker_konservativer_Strukturen

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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