Freitag, 28. November 2014

Nur mit der Schere bewaffnet – Ana-Marijas Streben nach Glück

Ana-Marija. Foto: Monika Hrsak (facebook)
von Ana-Marija Hota aus dem Kroatischen übersetzt von Dominik Ešegović
Dies ist ein kleiner Bericht einer Frau aus einem Frisörsalon der Hauptstadt eines kleinen Balkanstaates. Ihre Geschichte erschien nicht auf einer libertären Internetseite, die sich dezidiert mit den Lehren der Österreichischen Schule beschäftigt. Es ist eine einfache Geschichte einer einfachen Frau, die bis vor kurzem noch nie etwas von den Lehren Mengers und Mises gehört hat. Die Idee der Freiheit und der Wille zum Fortschritt bedürfen jedoch keines Wissenschaftsstudiums. Manchmal genügt es auf seine eigene Intuition und auf seinen Verstand zu hören. Um sich persönlich zu entfalten, muss man gesetzte Grenzen überschreiten.

Ana-Marijas Blog „Leben in Dublin“ („Život u Dublinu“) ist eine lesenswerte Quelle für alle, die sich für ein Leben im weit entfernten Dublin interessieren und nicht davor zurückschrecken, die (post-)sozialistische Heimat zu verlassen. Auch wenn Irland kein libertäres Paradies darstellt, bietet seine Marktstruktur besonders Menschen aus ehemals kommunistischen Staaten eine Möglichkeit ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern.

Was soll ich sagen, der 10. November wird immer eines der wichtigsten Daten in meinem Leben bleiben. Der Tag, an dem mein Mann und ich mit unseren beiden Kindern und drei Koffern ungestüm ins Unbekannte geflüchtet sind. Wenn ich zurückblicke, kann ich gar nicht glauben, was wir da unternommen haben. Zwischen meinem ersten Gedanken, dass Irland ein super Land für meine Familie und mich sein könnte bis zum Betreten des Flugzeugs verging nur ein Monat. Nur ein einziger Monat! Manch einer trifft monatelang Vorkehrungen für so etwas! In diesem Monat haben wir mein Geschäft verkauft, unser Auto, Tonnen an Krempel und Kleidungsstücken verschenkt, unsere alte Wohnung gestrichen, unsere Möbel weggekarrt und Euros für unsere Reise gewechselt! Ich habe viele Nächte damit verbracht, mich mit meiner neuen Freundin Suzana auszutauschen, die uns eine Wohnung gesucht und mich mit überaus wichtigen Informationen versorgt hat. Noch Tage vor unserer Abreise habe ich im Frisörsalon gearbeitet. Man hat uns geraten, dass erst mein Mann oder ich alleine nach Dublin reisen sollten, um dort ein, zwei Wochen zu verbringen, um zu sehen, was die Stadt überhaupt hergibt. Diesen Teil haben wir übersprungen.

Wir haben uns einfach entschieden zu gehen und basta! Zwei, drei Wochen vor der Abreise haben wir uns einfache Flugtickets gekauft. Ich konnte es kaum erwarten endlich abzuhauen. Ich habe es dort, wo wir waren, einfach nicht länger ausgehalten. Und dabei befand ich mich in der besten Phase meiner Karriere. Es gab Kundenbesuche ohne Ende. Ich machte Frisuren für Fotoshootings, Videoaufnahmen, Zeitungen, bekam kleine Rollen in Fernsehserien, arbeitete als Statistin für ausländische Werbespots und durfte sogar damit rechnen Cheffrisörin des größten Fotostudios unserer Breiten zu werden. Ein großes Modeportal aus Spanien hat mir die Mitarbeit angeboten - ich war die erste Frisörin überhaupt, deren Dienste auf dessen Internetseite angeboten wurden. Und das zwischen Fotografen und Visagisten aus New York, London, Mailand... Aber all das bescherte mir nicht annähernd so viel Geld wie ich mir es wünschte, brauchte! Als Profi anerkannt zu werden ist super, aber das bedeutet nicht viel, wenn man sich und seinen Kindern nicht das ermöglichen kann, was man gerne hätte. 

Natürlich war es schwer für mich alles hinter mir zu lassen, aber ich habe es mir schlicht nicht erlaubt in Schwermut zu verfallen. Ich habe mich einfach auf mein neues Leben fokussiert. Ich habe mich auch von kritischen Stimmen aus meiner eigenen Familie nicht aus der Bahn werfen lassen, welche anklingen ließen, dass wir uns um den Verstand gebracht hätten und nicht mit dem Kopf denken würden. Es gab freilich vieles, was zu Komplikationen hätte führen können. Doch in meinen Gedanken bestand nur eine Option: Erfolg! Ich wusste, ja ich fühlte in der Gänze meines Seins, dass alles klappen wird! Ich hatte alle möglichen Szenarien durchgespielt: einen Plan A, einen Plan B, Plan C, D, bis hin zum Plan Z! Und wäre mein millionster Plan gescheitert, so hätte ich mir einfach einen weiteren überlegt. So schreite ich auch sonst durchs Leben. Mein Geist läuft ständig auf Hochtouren und überlegt sich neue Pläne! Manchmal kann das echt anstrengend sein, aber ich suche mir das nicht aus. Ebenso kann ich spontan sein und ändere einen Plan blitzschnell ab. Doch der Hauptzweck aller meiner Pläne ist es einfach glücklich zu sein. Ich entwickle auch Pläne oder Ideen, wenn ich nach der Arbeit meinen Zug verpasse. Ich habe ja nicht vor gestresst zu sein, also lege ich mir einfach einen Plan zurecht: „Nun, jetzt besorge ich mir einen Kaffee, setze mich an eine Brücke und genieße den Puls dieser Stadt.“

Meine Eltern haben mich wahrscheinlich zu einer solchen Einstellung erzogen. Beide sind in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land aufgewachsen und hatte viele Geschwister. Beide kamen in sehr jungen Jahren nach Zagreb um die Schule zu besuchen. Sie haben alles, was sie erreicht haben, mit der eigenen Hände Arbeit geschaffen und zwar nicht wenig. Mein Vater reagierte auf meine hysterischen, kindlichen Kapriolen wie: „Aber das machen doch alle, wieso darf ich es nicht machen?“, mit einmütiger Regelmäßigkeit so: „Wenn alle in einen reißenden Fluß springen, wirst du dann hinterher springen?“ Meine Eltern lehrten mich mit meinem eigenen Kopf zu denken, ganz unabhängig vom Einfluss meiner Freunde, der Gesellschaft, der Lehrer und Priester. Deshalb bin ich heute erfolgreich – in allem was ich mir vornehme. So verrückt oder überdimensioniert meine Pläne auch gewesen sein mögen, kenne ich mich und meine Möglichkeiten doch. Deshalb mache ich mir auch keine Illusionen die größte Biochemikerin auf der Welt zu werden, denn das zählt auch nicht wirklich zu meinem Interessensgebiet. Ich jage nicht fremden Träumen und Regeln hinterher. Ich habe meine. Dabei erfreue ich mich an fremden Träumen und Erfolgen als wären es meine eigenen. Ich verspüre keinen Funken Neid.

Wieso schreibe ich das hier? Es hat doch nichts mit Dublin oder Irland zu tun. Und ob es das hat. Ich denke, dass eine emotionale Stabilität und gesunde Selbsteinschätzung, sowie das Kennen seiner Schwächen und Stärken notwendig für das erfolgreiche Fortkommen sind, egal wo – doch besonders im Ausland! Die Persönlichkeit eines Menschen ist manchmal wichtiger als sein Wissen, der Grad seiner Bildung oder als sonst etwas! Die Quintessenz meiner Geschichte besteht in der Erkenntnis, dass jeder dazu bereit sein muss, das Beste von sich mitzubringen und seine Macken daheim zu lassen. Man muss ständig an sich arbeiten. Sei ein besserer Mensch heute, als du es gestern gewesen bist! Der Erfolg kommt dann schon von ganz allein! 

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