Samstag, 22. November 2014

Die Museen der öffentlichen Hand: Mehr unternehmerisches Denken ist erforderlich

Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
Museen sammeln Zeugnisse der Menschheitsgeschichte, um sie zu bewahren, zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Aufmerksamkeit der Museen, welche größtenteils durch Steuergelder finanziert werden, ist durch diese fachliche Ausrichtung stark auf die Vergangenheit bezogen. Dagegen fällt es ihnen deutlich schwerer, sich mit den Anforderungen der Gegenwart auseinander zu setzen. Da liegt manches im Argen, da muss betriebswirtschaftliches Denken viel stärker als bisher zum Einsatz kommen.

Bund, Länder und Gemeinden unterstützen den Bereich der Museen, Ausstellungen und Sammlungen mit jährlich annähernd zwei Milliarden Euro, wovon die Gemeinden knapp die Hälfte tragen. Zwei Milliarden Euro, das ist ein Betrag, der im internationalen Vergleich kaum übertroffen wird. Umgelegt auf die gesamte Einwohnerschaft sind das mehr als 20 Euro pro Kopf im Jahr. Mehr als die Hälfte aller Museen in Deutschland wird von der öffentlichen Hand getragen, darunter auch diejenigen Häuser, die besonders viele Besucher anziehen. Bemerkenswert ist, dass die Museen bei ihren Eintrittspreisen äußerst zurückhaltend sind.

Viele kleine Museen nehmen gar keinen Eintritt, und selbst bei renommierten Häusern müssen die Besucher in der Regel nur zwischen sieben und zehn Euro bezahlen.

Finanznöte der Museen sind zum Teil selbstverschuldet

Von den Museumsverantwortlichen wird immer wieder darüber geklagt, dass nicht genug Geld für die Arbeit der Museen zur Verfügung stehe. Fast überall seien die Ankaufsetats äußerst niedrig, so dass kaum neue Ausstellungsgegenstände erworben werden könnten. Dass die Finanznöte der Museen zum Teil selbstverschuldet sind, zeigt das nachfolgende Beispiel, das vor einiger Zeit durch die Presse ging. Es belegt, wie sehr es mancherorts an Kostenbewusstsein und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen mangelt. Die Ausgaben eines Museums in Norddeutschland für die Bewirtschaftung seiner verschiedenen Liegenschaften, also für die Gebäudereinigung, den Aufsichtsdienst, den Wach- und Schließdienst usw., beliefen sich auf fast 70% seiner Gesamtausgaben. Für die eigentlichen Museumsaufgaben blieben nur rund 30% übrig. Das führte dazu, dass das Museum seine Tätigkeit im Ausstellungsbereich über Jahre hinweg erheblich einschränken musste. Eine Untersuchung durch einen Gutachter führte dann zu dem Ergebnis, dass zwei der vier Liegenschaften des Museums entbehrlich waren. Durch die Konzentration auf zwei Standorte konnten die Bewirtschaftungskosten erheblich gesenkt werden. Auf diese Lösung hätten die Museumsverantwortlichen auch selbst kommen können, ganz ohne Gutachter, anstatt über zu wenig Geld zu jammern.

Die Museen sollten mehr als bisher zusammenarbeiten

Auch kooperieren Museen viel zu wenig untereinander, so dass mögliche Wirtschaftlichkeitsgewinne nicht realisiert werden. Dies gilt besonders für Großstädte, welche eine ganze Reihe kleinerer und größerer Museen vorweisen können. Kooperationen wären zum einen im administrativen Bereich bei Personal-, Finanz- und Rechnungswesen äußerst sinnvoll und würden die Kosten senken. Zum andern kommen Kooperationen auch bei den Museumswerkstätten, der Bewachung, im Bereich der Bibliotheken, ja selbst beim Marketing in Betracht. Doch wenig passiert in dieser Hinsicht, selbst wenn die Museen ein und derselben öffentlichen Körperschaft gehören und von ihr finanziert werden. Jedes Museum will seine eigene Verwaltung, seine eigenen Werkstätten, sein eigenes Marketing behalten. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Betriebswirtschaftliche Expertise ist erforderlich

Die von der Allgemeinheit finanzierten Museen in Deutschland müssen sich stärker als bisher als Unternehmen verstehen und sich auch entsprechend verhalten. Zu den museumsfachlichen Kompetenzen muss betriebswirtschaftliche Expertise hinzutreten. Dann dürfte es gelingen, die Kosten in den Griff zu bekommen, sinnvolle Kooperationen einzugehen und sich auch bei der Datenverarbeitung modern aufzustellen. Und auf der Einnahmeseite dürften es Spielräume geben, die ausgeschöpft werden können, ohne das zahlende Publikum abzuschrecken. Dann würden ja vielleicht die Klagen über zu geringe öffentliche Mittel nach und nach verstummen. Darauf hofft, liebe Leserinnen und Leser,

Ihr
ausgesprochen museumsfreundlicher
Gotthilf Steuerzahler

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