Mittwoch, 12. November 2014

Die grellrosa Wogen gehen hoch: Angiegate bei NEOS - Das Neue Österreich!

von Luke Lametta
"Es zeigt sich, dass einige Formen der Diskriminierungen unbewusst geschehen und auch auftreten können, wenn die betroffenen Personen oder Gruppen sich nicht diskriminiert fühlen."

Hilarious. Und so praktisch. Da geht einem als Politikerin "die Diskriminierung" ja niiie aus. Welche Universität hat den kichernden Keks nochmal promoviert? Eine Degree Mill in China? So wie ich die Partei kennengelernt habe, lief es vielleicht irgendwie so:

Enter: NEOS, marktwirtschaftlicher Flügel.
"Hört mal. Wir haben momentan medial ziemlichen Gegenwind und ein paar echt schwindlige Fehler in kürzester Zeit gemacht. Kann sich der eine oder andere öffentlich mal bitte etwas zurücknehmen? Lasst uns Nebenkriegsschauplätze erst intern ausdiskutieren. Feri macht dann ab jetzt die "einheitliche Kommunikation". Lasst uns doch draußen einfach mal ganz nüchtern und aufgeräumt den Bildung/enkelfit/UnternehmischesÖsterreich-Stiefel runterspielen. Beate und der Wien-Wahl zuliebe. Wir liegen selbst dort nur mehr bei 7%. Und dabei wollten wir doch die völlig desolate Rathaus-SPÖ samt Manfred Juraczka und "Wirtschafts"bund ärgern. 
Die hätten's -sowas- von verdient."

Enter: NEOS, gelber Liberalala-Flügel.
"Fuck this shit. Verpolitisierung aller Lebensbereiche! Das WIR entscheidet. Und mehr Poesie! Tantra, Namen tanzen, Free Hugs! Fengshui-Zauber für die NEOSphäre! Mit feinstem Granderwasser drin! Bademäntel für alle! Merci, Chérie! Vision Quest im Wienerwald! Mit Schamanen! Und einem keltischen Baumkreis! Vegane Astralkarfiollaibchen! Lichtnahrung! 
Und das Allerallerallerwichtigste: Gender Mainstreaming. Gesetzliche Frauuenquoooten."

Enter: Kastanienpoet.
"Jawohl! Tschakka, Flügel heben. Wir kamen zuletzt medial gar nicht vor. Die Leute könnten mich vergessen! Ich rufe als Sofortmaßnahme zu Gastbeiträgen in Zeitungen auf. JedeR_§*¸.·´¯`·.M einzelneN_§*¸.·´¯`·.M Wähler_§*¸.·´¯`·.In muß klar sein: 
Wir Kinder der Erde, wir lieben dich!"

Enter: Heike.
"Ich hab da ne knorke Idee. Wir von Liberale Tafelrunde haben unsere Große Vorsitzende Angelika Mlinar immer auf speed dial. Die soll mal zackich was für das liberale Zentralorgan derStandard.at schreiben. So mit Zitaten der EU-Kommissarin Věra Jourová, "Raising awareness of gender equality across Europe", das ist schnieke und bringts total! Damit zeigen wir unserer aktuell etwas irritierten Zielgruppe wieder, wie dufte wir in Wahrheit sind!"


"Well, that escalated quickly."

Liebe NEOS, ich weiß schon: "Wertschätzung und so" ist euer tabuisierter "Kern-Wert". "Die NEOS-DNA", blahfaselsülzschwadronier. ME im Range eines veritablen Fetischs angesiedelt. Schließlich wollt ihr ja -soo- gern anders als die anderen Kinder sein. I get it.

Aber irgendwann - da brauchts halt einfach mal knallhartes Leadership. Ein strategisches Foul zur rechten Zeit. Da muß gezeigt werden, wo denn eigentlich der scheiß Hammer im Dachgeschoss-Loft hängt.

Lasst mich etwas abschweifen - Poesie!

Champions League Finale 2001.
FC Bayern München gegen FC Valencia. 
Drei Minuten gespielt. Trottelfoul im Strafraum, Elfmeter für Valencia. Kahn errät die Ecke. Trotzdem drin, war einfach zu präzise. Fucking Gaizka Mendieta, möchte ihn umbringen. 0:1. Aber der FC Valencia ist ja genauso blöd, 7. Minute, Strafraum-Foul an Stefan Effenberg. Mehmet Scholl tritt an. Ne, oder? Die Karikatur eines Schuss'. Schüsschen. Cañizares hält. Prust, "hält" - im Prinzip ange"schossen". OK, ich mag Mehmet Scholl. Der sagt lustige Sachen, wie dass er "im nächsten Leben Hund bei Uli Hoeneß oder Spielerfrau" werden möchte. Aber müssen sie den jetzt nicht eigentlich auswechseln?

Mehmet Scholl stand nämlich zwei Jahre zuvor auch schon auf dem Feld. Bei der traumatischen 1:2 Finalniederlage gegen Manchester United am denkwürdigen 26. Mai 1999. (Fand ich damals noch super. Noch nicht wissend, dass der FCB das etwas fußkranke München zu einer viel weniger langweiligen Stadt macht.)

Was jetzt aber keiner ahnte: Mehmet Scholl hatte wohl nicht vergessen, wie sich Verlieren damals angefühlt hat. Also so gar nicht. ♬ "Es tuat so weh, wenn ma verliert, wenn am de Kraft zarrissn wird..." singt Rainhard Fendrich. (Auch ein Poet, Matthias. Hatte auch schon "Ärger mit Drogen". Sounds familiar?)

Back on topic: Der psychologische K.O. für den FC Bayern generell und Mehmet Scholl im Besonderen also?

Kurz darauf gabs einen schnöden Einwurf für Valencia. Den sollte Mauricio Pellegrino machen. Ein argentinischer GOTT von Innenverteidiger damals. 197, hundertsiebenundneunzig Spiele für den FC Valencia. Eine lebende Vereinslegende. Einer von jenen Mann-Männern, die mit einer an Dschingis Khan gemahnenden Körpersprache allen Heranstürmenden zu verstehen geben: "Geh bitte, Burschi. Was willst ausgerechnet -du- denn eigentlich hier in Tornähe?"

Enter: Mehmet Scholl.
Der war mit der Einwurf-Entscheidung des Linienrichters irgendwie nicht einverstanden. Zierlich von Gestalt (Uli Hoeneß zu Mehmet Scholl: "Du hast einen Körper wie ein 13-Jähriger." O-Ton Scholl: "Mein Körper besteht aus 68 Kilogramm stahlharter Erotik!"), baute er sich vor Pellegrino auf und dürfte ihm, gemessen am "Die Hard!"-Blick dabei, einige Freundlichkeiten an den Kopf geworfen haben.

In seinen Braveheart-Augen loderte ungefähr sowas wie: "Ich werd' dich heute vernichten. Terminieren. Zertrümmern. Ich werd' dir das Herz rausreißen. Es essen. Den Rest von dir vergraben. Dich wieder ausgraben. Dich durch den Fleischwolf drehen. Paar Fleischpflanzerl aus dir machen. Alle auffressen. Dann alles wieder ausspeibm. Die Kotze nochmal verscharren. Und dann werd' ich auf deinem Grab tanzen wie Vincent Vega in Pulp Fiction! Vielleicht scheiß ich dann auch noch einen großen Haufen drauf. Du jämmerlicher Pfau!"

Haben alle gesehen. 
So mit "ganz ohne Wertschätzung", "ohne (falschem) Respekt", you know.

Und fanden auch alle ace. 
Man hatte den Eindruck: Geil, diese Scholl-Attitüde überträgt sich auf die ganze Mannschaft.
Echt wahr. Konnte man sehen. Spüren gar.
50. Minute. 
Handspiel im Strafraum.
Elfmeter für den FC Bayern.
Enter: Stefan Effenberg.
Der kommt jetzt schon zum zweiten Mal vor.
Den Jüngeren ("Wie? Der hat mal Fußball gespielt? Ich dachte, der macht nur blonde Bimbos klar.") muß mans erklären: 
Ja, hat er. Und gar nicht mal schlecht. Der war sogar Kapitän.
Jetzt das Scholl-Gesicht auch bei Effenberg. 
"Ich richt' euch die Wadln viere, Valencia!"
Scharfer Antritt. Drin! 1:1. 
Gefolgt von jetzt-erst-recht-Scholl-Gesicht bei Effenberg.
Trotzdem immer noch Unentschieden nach 90 Minuten.
Verlängerung. 
Das Spiel dauerte jetzt schon 108 kraftraubende, auszehrende Minuten.
Fouls über Fouls. English. Rare.
Hitzfeld nimmt Scholl mit Krämpfen vom Platz.
Nicht, dass der die Attitüde verloren hätte. 
Er teilt sich von da an den Trainerjob mit Hitzfeld an der Seitenlinie.
Für ihn kommt Paulo Sérgio.
120 Minuten gespielt. Schlusspfiff.
Immer noch 1:1. 
Elfmeterschießen. Gnah.
Für den FC Bayern tritt der für Scholl eingewechselte Paulo Sérgio an.
Weltmeister von 1994 mit der Seleção.
21 Tore in 77 Spielen.
Rückennummer "13".
Schießt drüber.
Also richtig drüber.
Sowas von "drüber".
GEZ-Sportkommentatoren bemühen in solchen Fällen gern das einschlägige Fußball-Esperanto: "Der Ball ist jetzt in der Innenstadt von Mailand..."
Für Valencia beginnt: Gaizka Mendieta.
Der schon wieder. Sowas von "drin". 0:1.
OK, jetzt aber?
Psychologischer K.O. für die Bayern?
Zweiter Leberwickel nach 1999?
Schnitt auf Pellegrino.
Gesichtsausdruck: "ROTFL. They just don't have what it takes. 1999!" 
Also 'en español' halt.
Schnitt auf Mehmet Scholl.
Gesichtsausdruck: "Pellegwer? Fuck. You. I. Am. Dead serious. Graab, Alter!"
Schnitt. Scholl-Gesicht bei Kahn.
Gut, so schaut der "eh immer" drein.
Schnitt. Scholl-Gesicht bei Hitzfeld.
Schnitt. Scholl-Gesicht bei Elber.
Schnitt. Scholl-Gesicht bei Carsten Jancker, Rapid-Fans ein Begriff..
Schnitt. Scholl-Gesicht all over.
Ganz besonders bei Scholl.
Also weiter im Drehbuch:
Niemand kann Kahn leiden, OK.
Aber Kahn hält halt.
Kahn hält gleich nochmal.
Und Oliver Kahn hält schon wieder!
Den Elfer von? 
Erraten: GOTT Pellegrino!
Der schaut jetzt irgendwie a wengerl deppert aus der Wäsch'.
Lametta: "ROTFL. Pfau! Scholli ftw!"
UEFA Champions League-Winner 2001: FC Bayern München.

Mehmet Scholl ist, bis heute, der eigentliche B̶ü̶r̶g̶e̶r̶m̶e̶i̶s̶t̶e̶r̶ König von München. 
Selbst bei den Fans von 1860. 
Einfach ein Spitzentyp mit scheiß-ma-nix-Attitüde. 
Heulsuse Andi Möller hätte das nie geschafft.

Get it? 
Oder hab ich zu weit ausgeholt für einen Novembermorgen?
Lasst's einfach mal dieses hellgrüne Waschlappentum bleiben.
Zero tolerance für die Metamorphose zur gelben Altpartei!
"Geht's raus und spielt's Fußball" würd der Kaiser sagen.
Und Matthias: Probiers doch nochmal mit Inhalieren. 
Diese Einläufe machen irgendwas Seltsames mit dir.

Kind regards. Best,
ersguterjunge

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