Dienstag, 11. November 2014

Rezension: Gerechtigkeit - ein umstrittener Begriff?

Das Buch kann hier bestellt werden.
Hubert Milz rezensiert
Diese Woche: Hardy Bouillon: Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit, 223 Seiten, 19,90 Euro, buchausgabe.de.

Folgt man bei dieser Frage dem Prof. Dr. Hardy Bouillon, einem Schüler des 2006 verstorbenen Philosophieprofessors Gerard Radnitzky (o. Prof. für Wissenschaftstheorie in Bochum und Trier), dann ist die Antwort ein klares "Nein".

Prof. Bouillon legt in diesem Buch sehr viel Wert auf eine unmissverständliche Sprache. Die Begriffe, welche behandelt werden, sind exakt zu formulieren – Prof. Boullion fordert eine saubere Sprache in der philosophischen Analyse. Aus diesem Grunde führt Prof. Boullion den Leser (und hier gerade Nicht-Philosophen wie mich) in den einleitenden Bemerkungen sehr umfassend und mit sprachlich akribischer Exaktheit in die Fragen zur "Ethik, Wirtschaft, Gerechtigkeit und Wirtschaftsethik" ein. 
Freiheitliche Literatur kann bei der 
Buchausgabe bestellt werden.
Der Leser sollte sich die Ruhe und die Zeit nehmen die Substanz dieser einleitenden Ausführungen auf sich wirken zu lassen und versuchen diese zu reflektieren, um danach der weiteren Argumentation des Autors zu folgen. Wobei der Autor den Leser durch eine anregende – aber auch sehr anspruchsvolle – Diskussion über Ansichten, Vorstellungen und Ideen im Zusammenspiel von Gerechtigkeit, Ökonomie, Ethik und Politik führt. 
Prof. Boullions Argumentationsstränge sind dabei konsequent und konsistent, seine Sicht der Gerechtigkeit stellt nicht nur auf das menschliche Handeln ab, sondern auch auf die Beweggründe, welche hinter dem Handeln stehen und auf die möglichen/wahrscheinlichen Folgen des Handelns. 
Prof. Bouillon entwickelt sozusagen eine Messschnur, an welcher nach formalen Kriterien das moralische Handeln zu bewerten ist. Mittels dieser Messschnur werden bekannte Gerechtigkeitstheorien, z. B. die von Rawls, diskutiert und ihre Schwächen aufgedeckt. Dabei zeigt sich, dass oftmals "wirtschaftsethische Positionen", wie z. B. "soziale Gerechtigkeit", "Umweltbetroffenheit" u. a., der Messschnur des Prof. Boullion nicht standhalten können, weil diese Positionen nur durch "hochmoralisches" Auftreten die handfesten Eigeninteressen der Akteure verbergen sollen.

Fazit: 
Das Buch ist ein für Nicht-Philosophen sehr anspruchsvoller Text, aber ein Text der sich lohnt. Prof. Bouillon legt mit diesem Buch ein philosophisches Grundlagenwerk zur Wirtschaftsethik vor. Ein Grundlagenwerk, welches in sich schlüssig ist und populäre Fehlschlüsse im Diskurs der Meinungen beim Thema "Wirtschaftsethik und Gerechtigkeit" offen legt. 
Der Leser ist sehr gefordert und wird lernen, wenn er der exakten Begrifflichkeit des Autors folgt, dass etliche ethische Vorstellungen des alltäglichen Lebens durch Verhunzung der Sprache verseucht und entstellt worden sind.

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