Samstag, 20. September 2014

Verwaltungsarbeit an Schulen – Akteure in der Endlosschleife

Wo sind sie nur, meine 
Steuergroschen?
Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
manche Probleme der öffentlichen Verwaltung schleppen sich über Jahre dahin, ohne dass sich viel ändert. Zuerst wird eine Untersuchung vorgelegt, dann werden die Argumente ausgetauscht, schließlich werden Lösungen entwickelt und dann passiert - nicht viel. Häufig wiederholt sich dieser charakteristische bürokratische Ablauf sogar mehrmals. Es ist, als bewegten sich die Akteure in einer Endlosschleife.

Um ein Beispiel zu nennen: Schon vor vielen Jahren gab es eine Diskussion um das Thema Verwaltungsarbeit an Schulen. Wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, liegt das schon mehr als dreißig Jahre zurück. Die Schulleitungen würden viel zu sehr durch Verwaltungstätigkeiten belastet, so hieß es damals, sie könnten sich kaum um ihre viel wichtigeren pädagogischen Aufgaben kümmern. Es müssten Stellen für Assistenzkräfte geschaffen werden, um die Schulleitungen von Routinetätigkeiten zu entlasten. Genau dieselbe Diskussion findet immer noch statt, verbunden mit der schon damals als Lösung des Problems erhobenen Forderung nach der Einstellung von Assistenzkräften.

Es hat sich also nicht viel bewegt in all diesen Jahren – außer dass die meisten Teilnehmer der ursprünglichen Diskussionsrunden und Arbeitskreise inzwischen Pensionäre sind.

Eindeutig zu wenig Zeit für pädagogische Führungsaufgaben

Schulleiter haben in beträchtlichem Umfang administrative und organisatorische Aufgaben wahrzunehmen. Sie müssen Berichte und Statistiken anfertigen, müssen sich mit Haushalts- und Beschaffungsfragen befassen, müssen Gespräche mit der Schulverwaltung und dem Schulträger führen. Nicht selten beschäftigen sie sich auch mit Neubau- und Bauunterhaltungsmaßnahmen und kümmern sich sogar um Möblierungs- und IT-Angelegenheiten. Befragungen haben ergeben, dass die Schulleiter, obwohl sie von stellvertretenden Leitern und weiteren Lehrkräften unterstützt werden, mehr Arbeitszeit für administrative und organisatorische Angelegenheiten aufwenden als für pädagogische und sonstige Führungsaufgaben wie beispielsweise Schulentwicklung, Beratung und Personalführung. Was für eine Vergeudung.

Eine groß angelegte Untersuchung in einem süddeutschen Bundesland kam im Jahre 2003 zu dem Ergebnis, dass bei den Schulleitern eine angemessene Balance zwischen pädagogischen Führungsaufgaben und Verwaltungstätigkeiten nicht gewährleistet sei, und zwar unabhängig von der Schulart. Trotz großen persönlichen Engagements fehle den Schulleitern genügend Zeit für die Wahrnehmung ihrer eigentlichen Leitungsaufgaben. Ein wesentlicher Grund hierfür sei die Fülle der laufenden Schulverwaltungsangelegenheiten, deren Umfang ständig zunehme. Im Übrigen seien Defizite bei der Vorbereitung auf die Anforderungen der Verwaltungsaufgaben zu erkennen. Assistenzkräfte mit einer speziellen schulbezogenen Verwaltungsausbildung könnten eine sinnvolle Unterstützung der Schulleitungen darstellen und sie vor allem im administrativ-organisatorischen Bereich effizient und sinnvoll entlasten. Die vorhandenen Schulsekretariate könnten diese Unterstützung nicht leisten. Daraufhin wurden in dem betreffenden Bundesland in kleinerem Umfang Modellversuche zur Erprobung der Schulassistenz durchgeführt.

Die sinnvolle und wirtschaftliche Lösung: Der Einsatz von Assistenzpersonal

Zehn Jahre später gab es in einem norddeutschen Bundesland eine vergleichbare Untersuchung. Auch darin wurde kritisiert, dass Schulleitungen zu viele nichtpädagogische Verwaltungsaufgaben wahrnehmen müssten. Im Rahmen der von der Politik gewollten größeren Selbständigkeit der Schulen in dem betreffenden Bundesland seien den Schulleitungen noch weitere administrative Aufgaben aufgebürdet worden. In die norddeutsche Untersuchung waren auch sonstige Lehrkräfte einbezogen worden, welche ebenfalls, wenn auch in kleinerem Umfang, Verwaltungsaufgaben wahrnehmen. Nach den getroffenen Feststellungen waren diese Lehrkräfte u. a. mit Tätigkeiten wie Webauftritt der Schule und technischem IT-Support befasst.

In beiden Untersuchungen wird bemängelt, dass teure Lehrkräfte nichtpädagogische Aufgaben wahrnehmen. Diese Aufgaben sollten von kostengünstigerem Personal übernommen werden. Durch eine Bündelung der Verwaltungsarbeit bei fachlich qualifiziertem Assistenzpersonal würde eine Professionalisierung und damit eine Optimierung der schulischen Arbeit erreicht werden. Für das norddeutsche Bundesland wurde vorgeschlagen, für Schulen ab 80 (Vollzeit-)Lehrerstellen eine Schulverwaltungsassistenz einzurichten. Durch einen Modellversuch in dem betreffenden Bundesland sei nachgewiesen, dass der Einsatz von Assistenzkräften sinnvoll und wirtschaftlich sei. Das Schulministerium des Bundeslandes hat diesen Vorschlag für eine Schulart bereits akzeptiert und prüft, ob Schulverwaltungsassistenten für alle Schularten eingeführt werden können.

Im Bildungssystem brauchen selbst einfachste Reformen ihre Zeit

Na endlich, kann ich dazu nur sagen, da über diesen eher bescheidenen Reformansatz doch schon seit dreißig Jahren diskutiert wird. Auch in weiteren Bundesländern gab es Modellversuche, die in beschränktem Umfang zum Einsatz von Schulverwaltungsassistenten geführt haben. In anderen Bundesländern, wo der Einsatz von Assistenzkräften ebenfalls gefordert worden war, tat sich hingegen wenig. So ist das eben in einem föderalen Staat wie Deutschland, da steuert jedes Land seinen eigenen Kurs in der Schulpolitik. Auf die Situation der öffentlichen Kassen wird dabei wenig Rücksicht genommen. Da können wir nur hoffen, liebe Leserinnen und Leser, dass sich nach und nach doch noch in allen Bundesländern wenigstens an dieser Stelle die Vernunft durchsetzt und sich die Verantwortlichen zum Einsatz von Schulverwaltungsassistenten durchringen, und zwar in allen Schularten. Das kann aber noch eine ganze Weile dauern, sagt aus Erfahrung

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

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