Montag, 1. September 2014

Rezension: Nichts für Papiergeld-Junkies!

Das Buch kann bei der Buchausgabe
oder bei Amazon bestellt werden.
Hubert Milz rezensiert
Diese Woche: Gregor Hochreiter: Krankes Geld - Kranke Welt. Analyse und Therapie der globalen Depression, 264 Seiten, 19,90, Resch-Verlag 2010. 

Die sogenannte Weltfinanzkrise, die als sogenannte Subprime-Krise 2007 in den USA startete, die hat niemand auf dem Radar gehabt. So oder so ähnlich tönt es seit Jahren aus den ,,qualitätsfreien Führungsorganen der staatstragenden Medienlandschaft". Auch am 17.07.2014 bei der Geburtstagsfeier der Kanzlerin Merkel, wurde vom Laudator Osterhammel, einem Geschichtsprofessor, behauptet, dass niemand aus den Reihen der Ökonomie die sogenannte Weltfinanzkrise prognostiziert gehabt habe.

Dem Historiker wurde am Folgetag mitgeteilt, dass seine Aussage nicht richtig gewesen ist, dass es viele Ökonomen gegeben hat, die schon Jahre vor Ausbruch der Krise ihre warnenden Stimmen erhoben hatten. Beispielhaft wurden dem Historiker einige Namen genannt, darunter seit Jahrzehnten erfolgreiche Börsianer und angesehene Professoren, die i. d. R. ihre qualitativen Prognosen anhand der Methodik der sogenannten ,,Austrian School of Economics" aufgestellt hatten.

Der Historiker antwortete wörtlich: ,,Mir schreiben auch zig Leute, sie hätten den Fall der Mauer prophezeit, usw."! Die Art und Weise der Antwort des Historikers zeigt, dass für ihn diejenigen, die 2007/08 richtig prognostiziert hatten, nur spinnerte Kaffeesatzleser sind. Er, der Historiker selbst, zieht es demnach vor an der ,,Märchen- und Legendenbildung" mitzumachen, an welcher die ,,üblichen Verdächtigen" (ein Kartell, bestehend aus Big Government-Big Business, nebst deren bezahlten Kumpanei) seit Jahren emsig flechten. Offensichtlich ist der Osterhammel kein Historiker im Sinne Rankes, denn Ranke forderte, dass ein Historiker davon getrieben sein muss, herauszufinden, ,,wie es wirklich gewesen ist".

Gregor Hochreiter, der Autor dieses Buches ,,Krankes Geld – Kranke Welt", gehört zu den – von Osterhammel erniedrigten – Ökonomen, die vor der sogenannten Weltfinanzkrise gewarnt hatten. Hochreiter schrieb z. B. in 2006 eine Artikelserie, in welcher er als Folge des Papiergeld-Rausches (auch und gerade mit Blick auf den Rausch in 2006) eine düstere Zukunft prognostizierte. Die Aussichten sah Hochreiter damals – 2006 als alle sogenannten Experten noch in seliger Party-Stimmung schwebten – als wesentlich schlechter an als 1929 zur Weltwirtschaftskrise oder 2000 beim Platzen der Dotcom-Blase.

Mit Blick auf diese Artikelreihe und andere ähnliche Artikel ist es folgerichtig gewesen, dass Hochreiter im Jahre 2010 dieses Buch, welches sich eingehend mit solchen Krisen beschäftigt, vorgelegt hat.

Anhand der Genealogie des Geldes zeigt Hochreiter was Geld eigentlich ist. Daraus folgt dann, dass das heutige Geld in diesem eigentlichen Sinne nur Schein ist; keinen inneren Wert kennt und durch absolut nichts gedeckt ist. Dieser Umstand – keinerlei Deckung des papierenen Scheingeldes – kann auch auf den Internet-Seiten der Zentralbanken nachgelesen werden.

Einige wichtige begriffliche Abgrenzungen nimmt Hochreiter ebenfalls vor. Eine dieser Klärungen betrifft das Wort Inflation; im ursprünglichen Wortsinn war damit die Aufblähung der ungedeckten Geldmenge gemeint – und allgemeine Preissteigerungen sind die Folge solcher Aufblähungen. Da das Geld (das gesetzliche Zahlungsmittel, staatliches Geldmonopol) unter staatlich-hoheitlicher Regie steht, war es natürlich sehr nützlich für die Politik-Kaste, dass sie es mittels jahrzehntelanger Manipulation der veröffentlichten Meinung schaffte, dass ein breites Publikum heute unter Inflation allgemeine Preissteigerungen versteht. Ergo kann die Politik-Kaste, die durch Geldinflation ursächlich für allgemeine Preissteigerungen verantwortlich zeichnet, bequem die Schuld auf sogenannte gierige Preistreiber (z. B. Mineralölindustrie) schieben – Sündenböcke eben!

Regierungen haben also das Geldmonopol, sie sind jedoch zu raffiniert, um einfach Geld selber beliebig zu drucken, sondern sie verschleiern das Spiel der Geldmengeninflation mittels des Zentralbanksystems: Eine staatliche Zentralbank mit angeschlossenen privaten Teilreservebanken. Teilreservebanken suhlen sich im Genuss des staatlich verliehenen Privilegs zur Veruntreuung von jederzeit fälligen Geldeinlagen. So können dieses Banken bei einem Reservesatz von 10% [d. h. von 10€, die jederzeit fällig sind, braucht die Bank nur 1€ vorzuhalten] leicht per Kreditschöpfung aus 10€ leicht 100€ machen - diesen 90€ "neuen Euro", die Güter nachfragen können und werden, steht jedoch eine mehr oder weniger unveränderte Gütermenge gegenüber – kein zusätzlicher Hosenknopf wurde produziert, nur die Geldmenge ist aufgebläht worden.

Auf der Basis der ,,österreichischen Konjunkturtheorie" zeigt Hochreiter, dass die ständige Aufblähung der Kreditgeldmenge des Teilreservebankensystems (= Geldschöpfung aus dem Nichts) die Wurzel allen Übels ist. Also die Wurzel ist, warum und weshalb im Wirtschaftsgeschehen die sogenannten Blasen entstehen, Börsenfieber herrscht und plötzlich auch ganz unbedarfte Leute zu wilden, unbesonnenen, ja fast irren Spekulanten mutieren können. Dabei kann sich Hochreiter auf viele historische Tatsachen berufen, welche die ,,österreichische Konjunkturtheorie" empirisch belastbar stützen; exemplarisch analysiert Hochreiter u. a. den ,,großen Krach von 1873" oder die sogenannte ,,Weltwirtschaftskrise von 1929" und kann dabei zeigen, dass diese ,,Krisen" alle nach gleichen Mustern entstanden und abgelaufen sind – und dass es sich regelmäßig und ursächlich, vor allem bei verheerenden Verwerfungen – um Staatsversagen gehandelt hat und nicht um Marktversagen. Dies sind historische Fakten, welche die ,,österreichische Konjunkturtheorie" empirisch belastbar bestätigen. Doch solche Fakten scheinen Geschichtsprofessoren à la Osterhammel noch nicht einmal peripher zu tangieren; denn dann hätten solche Intellektuellen das Problem einen Irrtum eingestehen zu müssen.

Bei den ökonomischen Analysen bleibt Hochreiter jedoch nicht stehen. Hochreiter wirft auch den Blick auf die Konsequenzen, welche das ,,kranke Geld der Politik" bezüglich des moralischen Verhaltens der Bevölkerung zeitigen wird. Hier zeigt Hochreiter schlüssig, dass die ,,Politik des kranken Geldes" eine ,,Kranke Welt" erzeugt, fördert und vorantreibt. Also, dass für das Fehlverhalten – Gier, brutaler Egoismus, unethischem und asozialem Agieren etlicher Marktakteure – ebenfalls ursächlich die ,,Politik des kranken Geldes" verantwortlich ist.

Friedrich August von Hayek sagte einmal, dass ein ,,Nur-Ökonom" per se ein schlechter Ökonom ist und dadurch unter Umständen sogar zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden kann. Wer kein ,,Nur-Ökonom" – also kein schlechter Ökonom – sein will, der habe sich zumindest noch umfangreich mit Staatslehre, Jurisprudenz, Psychologie, Geschichte und Philosophie zu befassen. Mit diesem Buch hat Hochreiter gezeigt, dass er kein ,,Nur-Ökonom" ist!

1 Kommentar:

  1. Ähhh, der Mann heißt nicht Schaf, nicht Lamm, nicht Osterhammel,
    nicht Hammel sondern
    Osterhammel!
    Nomen est Omen!

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