Montag, 15. September 2014

Rezension: Kluger Titel

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Hubert Milz rezensiert
Diese Woche: Philipp Bagus, Andreas Marquart: Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden ... und welche Rolle der Staat und das Papiergeld dabei spielen, 192 Seiten, 16,99 Euro, FinanzBuchVerlag.


Die Rahmenhandlung des Buches ist die Geschichte einer kleinen Stadt. Die beiden Autoren schildern bildhaft eine Stadt mit arbeitssamen, strebsamen und sparsamen Menschen.

- Zu Beginn wird erzählt, wie die einzelnen Familien ihrem Gewerbe nachgehen, die verschiedensten Produkte herstellen und den Handel via Naturaltausch betreiben.

- Es wird einfühlsam dargestellt, dass der Naturaltausch zeitaufwendig und mühsam ist, schließlich entsteht - spontan durch die Interaktionen der Menschen - das indirekte Tauschmittel ,,Geld" in Form von ,,Gold", da ,,Gold" als Gut zur Herstellung von Schmuck (dieser ist allseits begehrt) ein wertbeständiges Gut ist, welches leicht als indirektes Tauschmittel eingesetzt werden kann.

- Der Einsatz von ,,Geld" erbringt für die Menschen der kleinen Stadt enorme Zeitvorteile. Diese Zeitersparnis setzen sie zielstrebig in die weitere Differenzierung der Arbeitsteilung ein. Die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen wächst stetig an und die Güter werden beständig preiswerter, so dass der Wohlstand in der kleinen Stadt individuell und kollektiv stetig anwächst.

- Die Lagervorrichtungen der Juweliere, die als Handwerker direkt mit ,,Gold" als ,,Rohstoff", als ,,Werkstoff" für ihre Produkte arbeiten, werden als Depot für die sichere Aufbewahrung des ,,Geldes" der Bewohner der kleinen Stadt genutzt. Gegen Vorlage des Depotscheins erhält ein Bewohner sein eingelagertes Geld zurück.

- Mit der Zeit wird der Depotschein an sich immer öfter als ,,Geldersatz" zum Tauschen genutzt, da solche Depotscheine leichter zu transportieren sind als das ,,Gold" - die Banknote ist entdeckt und die Juweliere werden zu Banken.

- Handel und Wandel blühen in der kleinen Stadt - bis zu dem Zeitpunkt, als die Juweliere unehrlich werden. Denn diese haben gemerkt, dass nicht ständig das ganze ,,Gold" im Depot eingefordert wird, sondern nur ein Teil. Und so beginnen die Juweliere ein Mehrfaches an Depotscheinen (= Banknoten) in Umlauf zu bringen, als wie ,,Gold" im Depot vorhanden ist. Die ,,Geldmenge" wurde ausgeweitet, ohne dass entsprechend die ,,reale Goldmenge" erhöht worden ist.

- Die Folgen bleiben nicht aus. Die erhöhte (ungedeckte) ,,Geldmenge" steht einem mehr oder weniger unverminderten Warenangebot gegenüber und dies führt im Zeitablauf zu Preissteigerungen. Die Juweliere (Banker) bereichern sich auf Kosten der übrigen Stadtbevölkerung.

- Werden die Menschen der kleinen Stadt nun misstrauisch, so werden immer mehr versuchen ihre Banknoten bei den Juwelieren (Bankern) einzulösen und selber auf Vorrat zu halten. Kann dann einer der Banker, der vielleicht sehr stark gezockt hat, den Einlöseverpflichtungen nicht nachkommen, dann setzt ein Wettlauf ein: Alle wollen ihre Depots auflösen und die Banknoten einlösen. Doch nicht alle Banknoten können (da viele nicht gedeckt sind) eingelöst werden. Folge: Die Banker gehen in die Pleite und eine Reihe der Stadtbewohner erhält kein ,,Gold", sondern bleibt auf wertlosem Papier sitzen.

- Die kleine Stadt liegt in einem Staat, der von einem König beherrscht wird. Dieser hat die Vorgänge rund die Banknoten beobachtet und für sich vorteilhafte Schlüsse daraus gezogen. Er kann die Banken für seine Zwecke, für die Finanzierung seines Haushaltes nutzen, z. B. indem die Banken ihm für seine Schuldscheine ungedeckte Banknoten ausstellen; der König legalisiert durch Dekret die Veruntreuung und den Vertrauensbruch der Banker. Der König hingegen spielt nun mit den ungedeckten Banknoten den ,,sozialen König", der seinen Untertanen viele Wohltaten ,,schenkt", aber auch anderseits seine eigenen Partikularinteressen befriedigt.

- Wohltaten, die von den Untertanen bezahlt werden, sobald wieder ein Wettlauf um das ,,Gold" im Depot einsetzt und es klar wird, dass soviel ,,Gold" nicht vorrätig ist.

- Der König (=Regierung) wird, damit so etwas nicht dauernd passiert, tätig werden; mit verschiedenen Maßnahmen, z. B. privaten Goldbesitz verbieten, die Einlöseverpflichtungen aufheben oder die Goldbindung der Banknoten gänzlich aufheben, um die Banknoten zu alleinigem, gesetzlich gültigen ,,Geld" zu erklären.

- Dieses ,,(Papier)Geld" kann und wird der König beliebig und leichtfüßig vermehren. Wiederum für eigene Partikularinteressen und natürlich, um als ,,sozialer König" seine Untertanen mit vielen ,,Wohltaten" zwangszubeglücken.

- In einem solchen System wird ungehemmt durch natürliche Grenzen - wie die vorhandene Goldmenge - das ,,(Papier)Geld" immer weniger wert, denn die Papiergeldmenge bläht immer weiter auf. Anstatt langfristig zu planen und zu sparen, werden die Menschen das langfristige Handeln vergessen, ihre Wünsche mittels Kredit befriedigen und viel Zeit aufwenden müssen, um überhaupt Anlagemöglichkeiten zu finden, die den Bestand ihres Vermögens real zu sichern helfen.

- Aus den arbeitssamen, strebsamen und sparsamen Menschen der kleinen Stadt ist nun durch den ,,sozialen König" und sein Papiergeld das Gegenteil geworden. Die Menschen haben die Mentalität von Hasardeuren annehmen müssen: Herkömmliches Sparen und Haushalten ist irrational geworden, rational ist es, Schulden zu machen und höhere Risiken einzugehen. Insgesamt sind die Menschen ärmer geworden - bis auf den ,,sozialen König" und das mit diesem in inniger Umarmung agierende Bankenunwesen.

Fazit: Das Buch ist eine exzellente Einführung in die Geldtheorie der ,,Wiener Schule der Ökonomie", welches schön darstellt, wie Regierungen, nebst Komplizen sich auf Kosten der Bevölkerung räuberisch bereichern. Deshalb noch einmal: Ein kluger Titel wurde für das Buch gewählt, denn ein Buch mit dem Titel ,,Einführung in die Geldtheorie ..." würde den ökonomischen Laien, den das Buch ansprechen und informieren will, sicher nicht zum Lesen reizen!

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