Montag, 11. August 2014

Grüne: Sie müssten eigentlich für den Markt sein

von Tomasz M. Froelich
Im vorigen Jahr verblüffte Cem Özdemir, immerhin Bundesvorsitzender der Grünen, so manchen Libertären mit der Aussage, die Grünen seien ,,eine libertäre Partei'': ,,Da redet ein Blinder von Farben'', werden sich viele ob der seit Jahrzehnten andauernden hyperetatistischen Auswüchse der grünsozialistischen Partei nicht ganz zu Unrecht gedacht haben. 

Von einer ,,libertären Partei'' sind die Grünen jedenfalls weiter entfernt als die Erde vom Mars. Fast nichts an ihnen ist libertär. Sie sind fast immer das Gegenteil dessen, was man sich als Libertärer so wünscht. In jeder Hinsicht. Und dennoch: eines ihrer zentralen Anliegen, der Umweltschutz, ist durchaus auch ein libertäres Ziel, das sich am besten mit einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung erreichen lässt. Problem: Die Grünen halten von Marktwirtschaft wenig und von Planwirtschaft viel.

So dichten sie die Zerstörung unserer Umwelt gerne dem scheinbar nimmersatten Kapitalismus an, dessen Gier die natürlichen Ressourcen wegfresse und die Umwelt zerstöre. Der Staat müsse dem Einhalt gebieten, da andernfalls binnen kürzester Zeit alle lebensnotwendigen Ressourcen verschwinden würden, so das grüne Credo. 

Aus grüner Sicht geflissentlich übersehen wird dabei die Rolle, die der Mechanismus der freien Marktwirtschaft bei der Erhaltung und Schaffung natürlicher Ressourcen spielt. Man nehme zum Beispiel einen sich im Privatbesitz befindenden See, der reichlich Fische beheimatet und einem passionierten Fischer gehört: Der Fischer wäre im eigenen Interesse stets darum bemüht, seinen See so zu bewirtschaften, dass die Fischbestände stabil bleiben oder wachsen würden. Denn so könnte er auch die nächsten Jahre in ihm fischen und seine Beute womöglich sogar vermehren. Kurzum - es macht für den Fischer Sinn, Ressourcen zu schonen.

Wäre der See hingegen öffentliches Eigentum, so wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die dortigen Fischbestände ausgerottet wären. Es gäbe keinen Anreiz den See nachhaltig zu bewirtschaften, da die Gefahr groß wäre, dass andere die Früchte der eigenen Arbeit ernten oder diese ganz zerstören. Wer nichts oder weniger angelt, ist der Dumme. Die Folge: Überfischung. Heutzutage ein weit verbreitetes Problem. Und auch der Verbraucher leidet: Er zahlt für seinen Fisch mehr, sofern er ihn überhaupt noch serviert bekommt. Tragik der Allmende at its best. 

Die Probleme der Seewirtschaft galten früher auch für die Landwirtschaft, ehe dort private Eigentumsrechte durchgesetzt wurden. Gerd Habermann schreibt in seinem ,,polemischen Soziallexikon'', dass einst der Bison in Nordamerika fast ausgerottet wurde, weil er - ähnlich wie heute die Fische - als ,,freies Gut'' angesehen wurde. Nach der Durchsetzung privater Eigentumsrechte brauchen sich die dort grasenden Rinderherden nun hingegen keine Sorgen mehr um ihren Bestand zu machen, da sie privaten Eignern gehören, die sie pflegen.

Privateigentum schont Ressourcen. Öffentliches Eigentum vernichtet sie. Es ist nur wenig verwunderlich, dass die staatlichen Kommandowirtschaften des Ostblocks mit die größten Ressourcenverschwender und Umweltzerstörer waren, während sich die Privaten einen allzu verschwenderischen Umgang mit Ressourcen gar nicht leisten können, da damit Kosten verbunden sind, die nicht mal eben - wie bei öffentlichen Unternehmen Usus - vom enteigneten Steuerzahler zwangsbeglichen werden, sondern schlimmstenfalls den Bankrott bedeuten. 

Solange sich die Grünen gegen jegliche Form der Privatisierung natürlicher Ressourcen versperren, kann ihnen die Umwelt nicht allzu sehr am Herzen liegen. Ihr Hass auf den Kapitalismus ist ihnen wohl wichtiger als ihre Liebe zur Umwelt. Sie sind nicht libertär, wie Cem Özdemir es behauptet. Sie könnten es aber sein. Der Umwelt zuliebe.

Kommentare:

  1. Das ist nichts als orwellsche Sprachokkupierung, was Özdemir hier versucht. Im englischen Sprachraum ist ja "liberal" bereits völlig mit der Bedeutung "sozialistisch" besetzt und wird von keinem mehr mit "freiheitlich" in Verbindung gebracht. Im Deutschen ist es schon ziemlich schwammig geworden, fast jeder versteht etwas anderes darunter. Jetzt wollen sie "libertär" auch noch haben. Kein Lebensraum für Andersdenkende, nicht in der phyischen, nicht in der sprachlichen und damit auch nicht in der gedanklichen Welt. So sind eben Linke und Grüne.

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  2. Es ist ohnehin ein reinstes Tohubawohu, was und wer heutzutage als ,,libertär'' bezeichnet wird. Es gibt linke Gruppen - nicht nur die Grünen - die sich als ,,libertär'' bezeichnen, ferner aber auch Neokonservative, die nur dann libertär sind, wenn es ihnen gerade passt. Wenn es so weiter geht, werden sich die Lbertären bald eine neue Bezeichnung geben müssen.

    Beste Grüße,

    Tomasz

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  3. Vor der österreichischen Schule war die Bedeutung von libertär auch autonom. Es bezeichnete Anarchisten im Allgemeinen. Nur leider existierten damals hauptsächlich linksökonomische Anarchisten sowie Primitivisten. Ich glaube die Grünen versuchen sich an den "linken" Libertarismus anzulehnen obwohl sie nicht mal das sind.

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  4. Das Beispiel mit dem See mag zwar stimmen, greift aber viel zu kurz und erfasst negative Konsequenzen nicht. Durch die Privatisierung des Sees sind alle, die darin schwimmen oder fischen möchten, auf das Wohlwollen des Besitzers angewiesen. Privatisieren wir alle Seen, Flüsse, Ackerflächen, Parks, Wildnisse usw., sind diese in der Hand weniger, die nach Gutdünken damit verfahren können und - wenn sie möchten - allen anderen den Zugang verwehren. Nichts gegen Privateigentum, es ist sogar eine Grundvoraussetzung der Freiheit, aber die gesamte Welt zu privatisieren und mithin nur wenigen Menschen zu überlassen, ist fahrlässig.
    Darüber hinaus möchte ich noch anmerken, dass auch ohne Privatisierung der Elbe die Wasserqualität gestiegen ist, was sich nicht ausschließlich dem Zusammenbruch des Ostblocks verdankt, sondern auch strengeren Regeln zum Umweltschutz. Die zwangsweise Einführung von Katalysatoren hat einen Beitrag zur Verbesserung der Luft geleistet. Aus freien Stücken wird kein Textilhersteller seine Abwässer klären, da damit zusätzliche Kosten verbunden sind, die den Gewinn schmälern. Und irgendein Subkontraktor von H&M in China wird sich nicht den gesamten Yangtse leisten können. Und selbst wenn, wäre es ihm vermutlich trotzdem egal, was mit dem Wasser flussabwärts passiert, da er flussaufwärts von seiner Fabrik fischen oder schwimmen wird. Wer die Umwelt schützen möchte, muss dem Menschen Regeln aufzwingen oder akzeptieren, dass wir uns über kurz oder lang selbst zugrunde richten.

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  5. Guter Einwand, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass in einer privatisierten Welt plötzlich alle rigoros jedem den Zutritt verbieten würden. Und was die Umweltverschmutzung angeht: Ist erstmal alles privatisiert, so wäre es doch sehr wahrscheinlich, dass Umweltverschmutzungen auch geahndet werden würden, nämlich als Angriffe auf anderer Leute Eigentum.

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  6. Meine Gedanken hierzu:
    Das Beispiel mit dem See erscheint schlüssig, aber nur deswegen, weil man ihn als klar abgrenzbare, abtrennbare Ressource betrachtet, die nur noch einem einzigen Eigentümer
    gehört.
    Nehmen wir z.B. zwei Teilseen, die wasserseitig durch einen schmalen Arm miteinander verbunden sind
    , aber unterschiedlichen Eigentümern gehören.
    Können sie dann auch so sicher sein, dass der Eigentümer des einen Teilsees nicht schnell mal seine Seite leerfischt oder eine lustige Motorbootregatta nach der anderen dort veranstaltet, um binnen kurzer Zeit seine Einnahmen zu maximieren oder seinen Kapitaleinsatz wieder rauszubekommen und ihn dann "leer" weiterzuveräußern?

    Was macht dann derjenige, dem die andere Seehälfte gehört und dem der Fischbestand ohne sein Zutun schwindet... Würde der nicht ebenso seine Netze auswerfen und alles rausholen, was geht - bevor es der Andere tut?

    Oder nehmen wir die Ozeane... Wenn alle Ozeane in der Hand eines einzigen Eigentümers konzentriert sind, erst dann hätte der Eigentümer ein Interesse an deren nachhaltiger Bewirtschaftung, ja?
    Oder privatisieren wir Meeresregionen, d.h. klar abgegrenzte Fanggründe?
    Der Thunfisch kennt nun aber keine Grenzen und wird daher gerade deswegen bis zur letzten Schwanzflosse abgefischt, weil man sich sagt: Wenn ich ihn nicht fange, fängt ihn ein anderer...

    Oder nehmen wir Trinkwasser, d.h. Grundwasser...
    Fazit:
    1. Die meisten natürlichen Ressourcen lassen sich nicht klar abgrenzen bzw. abtrennen, um deren "Ausbeutung" ohne Einschränkungen für andere Eigentümer (oder eigentumslose Bürger) zu ermöglichen.
    2. Der Anreiz zur nachhaltigen Bewirtschaftung tritt hinter die kurzfristige Gewinnerzielungsabsicht zurück, wenn man als Eigentümer nicht darauf vertrauen kann, dass sich andere Eigentümer, die Zugriff auf dieselben Ressourcen haben, ebenso vernünftig/ressourcenschonend verhalten.

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