Sonntag, 3. August 2014

Dilettantismus in der Schulpolitik

Wo sind sie nur, meine 
Steuergroschen?
Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
die Politik folgt ihren eigenen Regeln, wenn es gilt, sich mit auftauchenden Problemen zu beschäftigen. In erster Linie wollen die Politiker bei ihren Wählern gut dastehen, wollen Tatkraft und Entscheidungsfreude zeigen. Ausschlaggebend aus politischer Sicht ist dementsprechend, dass irgendetwas Vorzeigbares gemacht wird, und zwar schnell. Ob die gefundene Lösung fundiert und durchdacht ist, spielt dagegen keine allzu große Rolle.

Auch gerade in der Bildungspolitik, welche in die Zuständigkeit der Bundesländer fällt, lässt sich der geschilderte Aktionismus der Politik feststellen. Im Schulbereich folgt seit Jahren Reform auf Reform. Unablässig sorgen die Landesgesetzgeber und die Kultusministerien dafür, dass die Schulen nicht zur Ruhe kommen. Da werden Reformen durchgeführt, dann aber nach wenigen Jahren wieder rückgängig gemacht, ohne dass die Sachlage sich entscheidend verändert hätte. Die Leidtragenden sind in diesen Fällen natürlich vor allem die Schüler, aber auch Eltern und Lehrer sind betroffen.

Ein markantes Beispiel hierfür ist die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf 12 Jahre. Derzeit, noch vor Umsetzung der Reform in allen Bundesländern, erleben wir schon die Gegenbewegung, eine teilweise Rückkehr zur 13-jährigen Schulzeit. Da fragt man sich als außenstehender Beobachter, auf welcher Faktenbasis die vielen bildungspolitischen Reformen eigentlich beruhen.

Modellversuche sollen das Schulwesen weiterentwickeln

Eine Untersuchung aus einem ostdeutschen Bundesland wirft ein bezeichnendes Licht auf die Vorbereitung und Umsetzung von größeren und kleineren Reformvorhaben im Schulbereich. Die Studie belegt, dass die schulpolitisch Verantwortlichen keinen besonderen Wert auf eine wissenschaftliche Begleitung ihrer schulischen Reformen legen.

In der Studie wurde eine Vielzahl von Modellversuchen, die an Schulen des betreffenden Bundeslandes durchgeführt wurden, näher untersucht. Diese Modellversuche sollen dazu dienen, das Schulwesen pädagogisch und organisatorisch weiterzuentwickeln. Beispielsweise werden verbindliche pädagogische Standards zur Qualitätssicherung auf ihre Realisierbarkeit an verschiedenen Schulen erprobt. Die Kultusministerien der einzelnen Bundesländer entscheiden über die Durchführung von Modellversuchen, die dann von Universitäten oder Forschungseinrichtungen konzipiert und evaluiert werden. Jahr für Jahr entstehen für Modellversuche bundesweit Kosten in Höhe von einigen Millionen Euro.

Schwächen bei der Durchführung und Umsetzung von Modellversuchen

In der Studie wird kritisiert, dass die Modellversuche des betreffenden Bundeslandes zwar evaluiert wurden, aber die daraufhin veranlassten Maßnahmen nicht dokumentiert waren. Dementsprechend war nach Abschluss vieler Modellversuche nicht feststellbar, in welchem Umfang die Ergebnisse in die Schulpraxis übernommen wurden. Beispielsweise war nicht ersichtlich, ob im Rahmen von Modellversuchen erstellte Module oder Unterrichtshilfen weiterhin genutzt werden. Auch fehlte bei vielen Modellversuchen ein Vergleich mit anderen Schulen, die nicht in die Versuche mit einbezogen worden waren. Dadurch konnte bei der Evaluierung die Wirksamkeit der Modellversuche letztlich nicht nachgewiesen werden. Auch kam es in einigen Fällen aus demographischen Gründen zur Schließung von Schulen, die an Modellvorhaben teilnahmen. Dies führte im Ergebnis dazu, dass die Modellvorhaben in den betroffenen Schulen nicht zu Ende geführt werden konnten und die eingesetzten Ressourcen verloren waren.

Verbesserungen sind dringend geboten

Andererseits wurde in den Medien auch von Fällen berichtet, in denen die Ergebnisse von Modellversuchen gar nicht abgewartet und die noch zu erprobenden Annahmen umgehend auf alle Schulen übertragen wurden. Wenn schon Steuergelder in Millionenhöhe für Modellversuche aufgewendet werden, sollten deren Ergebnisse abgewartet und nicht vorschnell die Schulpraxis geändert werden. Bei abgeschlossenen Modellversuchen sollte genau festgehalten werden, wieweit die Ergebnisse umgesetzt oder auch nicht umgesetzt werden, sonst könnte man sich die Versuche ganz sparen. Natürlich müssen Modellversuche so konzipiert werden, dass ein seriöser Vergleich mit nicht einbezogenen Schulen möglich ist. Wie lieblos mit den Modellversuchen umgegangen wird, zeigt die Tatsache der Schulschließungen bei laufendem Versuch. Da hat das betreffende Kultusministerium offensichtlich die falschen, nämlich von Schließung bedrohten Schulen für die Teilnahme an dem Modellversuch ausgewählt.

Im Übrigen bleibt festzuhalten, dass die Schulpolitik letztlich nur einen begrenzten Einfluss auf das Bildungssystem hat. Sie kann nur den schulorganisatorischen Rahmen gestalten, was sie auch ohne Unterlass tut. Viel wichtiger für gute Ergebnisse des Schulsystems sind indes die Einstellung der Schüler zur Bildung allgemein und die Motivation der Lehrerschaft. Daran, liebe Leserinnen und Leser, glaubt ganz fest

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

1 Kommentar:

  1. Wäre doch eine Überlegung wert!
    https://www.youtube.com/watch?v=ZcvY_TsCVig

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