Mittwoch, 9. Juli 2014

Wie der Kulturmarxismus die Volkskultur ins Visier nimmt und wie Liberale darauf reagieren sollten

von Johann Kaltenleithner
Wer bisher als Mitglied der spärlichen Opposition gegen die Renaissance altlinker Ideen (deren ideologische Staubdecke notdürftig abgebürstet und mit einem „progressiven“ Gewand überzogen wurden) sich vor allem an deren ökonomischen Umwälzungsplänen abarbeitete, sollte sich ernsthaft überlegen, seinen Fokus zu erweitern. Denn wie sich an der in Österreich tobenden Hymnendebatte zeigt, haben die Linken ihre Strategie der systematischen Delegitimierung aller den ihren widerstrebenden Ideen mittlerweile verbreitert und auf nunmehr die hierzulande immer noch sehr lebendige traditionelle Volkskultur ins Visier genommen. 
Diese gilt wenig überraschend als Hort des kulturellen Konservatismus und somit als wenig empfänglich für jene Imperative der political correctness, mit welchen die stockelitäre politische Klasse die widerspenstigen plebejischen Massen gedanklich zu domestizieren versucht. Da auch die Dauerbeschallung dieser „Hinterwäldler“ durch die mantraartige Wiederholung der rot-grünen Doktrin im Konzert all ihrer Proponenten vom Bundespräsidenten abwärts über die Unterrichtsministerin bis hin zum erzlinken (und natürlich aus gleichsam Fernsehkonsumenten und –verweigerern zwangsweise abgepressten Beiträgen finanzierten) Staatsfunk ORF an deren Renitenz nichts geändert hat, greifen Letztere nunmehr zu ihrer liebsten Standardwaffe, so ausgebeult und abgewetzt sich diese mittlerweile in den Augen aller anderen darstellen muss - erraten, es ist die berühmt-berüchtigte Nazikeule.
 
Wird die Schlagkraft besagter Allzweckwaffe in Worte gegossen, hört sich das dann so an wie in jenem „taz“-Artikel, den man wohl schon auf Basis seines infamen Titels („Volks-Rock-'n'-Roller“ Andreas Gabalier - Hits mit Blut und Boden“) ohne Abstriche als bisher stupidesten Ausfluss des zeitgenössischen Kulturmarxismus bezeichnen kann: Darin wird der österreichische Volksmusiker Andreas Gabalier mit allerlei gar nicht so subtilen Nazi-Innuendos übel verleumdet, in dem die Autoren seine Texte mit penetranter Pedanterie nach vermeintlich „rechten“ Gedankensplittern durchforsten und beispielsweise schon den im ruralen Teil Österreichs unhinterfragt gängigen Ausdruck „Madel“ oder „Dirndl“ für „Frau“ als Indiz für nazistische Gesinnung auslegen, was deren eklatante Unkenntnis der hiesigen Kultur und des Sprachgebrauchs offenbart. Dass Gabalier in seinen Liedtexten sich auch noch erdreistet, seine Herkunft und seine Verbundenheit zu dieser nicht etwa schamhaft zu verhehlen, sondern ganz im Gegenteil zu besingen, bringt die in ihrer Nazi-Paranoia völlig festgefahrenen „taz“-Schreiberlinge erst recht in Rage. 

Wenn ihr singendes Hassobjekt darüber hinaus Österreichs weibliche Einwohner mit sehr wohl kitschigen, aber innerhalb der in puncto Prüderie wohl nur von Klosterschulen überbietbaren intellektuellen Elfenbeintürme der Linken als frauenfeindlich verstehbaren Zärtlichkeitsbekundungen bedenkt, hört sich für die Autoren des dummdreisten Pamphlets endgültig der Spaß auf. Ihr endgültiges Verdikt fällt dementsprechend aus, man dichtet Gabalier sogar den holprigen Neologismus „nationalsexuell“ an, um seine vermeintlich perfide getarnte, inhaltlich natürlich gleichsam faschistoide wie nazistische und sexistische, Ideologie zu benennen. Gabaliers Ursünde, die ihm den Hass der vereinten Linken, Nominalkonservativen und verwirrten Liberalalas zuzog, bestand übrigens in seiner Weigerung, die Bundeshymne mit dem politisch approbierten, unrhythmisch gegenderten Text vorzutragen. Wofür er wohlgemerkt von der Erbin der Urheberin des Originaltextes, Paula von Preradović, überschwängliches Lob sowie breite Unterstützung durch das die linke Bevormundung schon längst überdrüssige gefühlte Gros des Volkes erhielt. 

Bleibt noch zu erörtern, warum Liberale und/oder Libertäre dieser im Grunde lächerlichen Posse überhaupt Aufmerksamkeit schenken sollten. Aus mehreren Gründen ist dies sicherlich geboten: zunächst aufgrund des Anlassfalles, in dem sich einmal wieder der autoritäre Habitus der politischen Sprachschöpfer widerspiegelt (man ziehe sich zu dessen Verdeutlichung die TV-Konfrontation zwischen Gabalier und der ehemaligen Frauenministerin Maria Rauch-Kallat zu Gemüte). 

Wenn linke Ideologen versuchen, ihre weltanschaulichen Prämissen per legislativem Dekret in die Sprache zu inkorporieren, ist Vorsicht geboten, denn um die diskursverengende Wirkung einer erfolgreichen linguistischen Alterierungskampagne zu erkennen, muss man nicht einmal Orwell gelesen haben. Des Weiteren sollte die allzu urban konzentrierte liberale Bewegung auf Basis dieser Erfahrung ihre Berührungsängste mit dem „gemeinen Volk“ vom Lande abstreifen, denn aus diesem können wir eine zahlenmäßig nicht zu unterschätzende Masse an Verbündeten rekrutieren, gerade zur Unterstützung unserer Abwehrhaltung gegenüber staatlich orchestriertem Gesellschaftskonstruktivismus, der sich zunehmend gegen volkstümliche Traditionen und althergebrachte Konventionen richtet, wie das vor blanker, unverhohlener Verachtung gegenüber althergebrachter Sprach- und Gesangskultur sowie ländlich-alpinen Lebenswelten triefende „taz“-Geschwurbel in entlarvender Manier verdeutlicht. Es ist dies ein weiterer Anknüpfungspunkt zwischen Liberalismus/Libertarismus und kulturellem Konservatismus – diese Verbindungsschiene sollte man im Hinblick auf das Ziel einer Verbreiterung der Unterstützerbasis liberaler Ideen nicht verrosten lasten.

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