Samstag, 19. Juli 2014

Von Defiziten und Chefärzten

Wo sind sie nur, meine 
Steuergroschen?
Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
wie jedermann weiß, geht es den von der öffentlichen Hand getragenen Krankenhäusern in Deutschland finanziell gar nicht gut. Viele müssen schließen oder versuchen sich durch Zusammenschlüsse oder Kooperationen über die Runden zu retten. Schlecht geht es auch den Universitätskliniken, die sowohl für die Krankenversorgung als auch für Forschung und Lehre im Bereich der Medizin zuständig sind. Viele Uni-Kliniken erwirtschaften Jahr für Jahr Defizite in Millionenhöhe, die dann von ihren Trägern, den Bundesländern, aus dem Steuersäckel ausgeglichen werden müssen. 

Im Gegensatz dazu geht es dem ärztlichen und dem sonstigen Leitungspersonal der Uni-Kliniken in finanzieller Hinsicht blendend. Chefärzte an Uni-Kliniken haben schon immer gut verdient, da ihnen der Staat in der Vergangenheit das Privileg einräumte, Privatpatienten in Nebentätigkeit zu behandeln und dafür saftige Rechnungen zu schreiben. Inzwischen haben die meisten leitenden Ärzte einen sog. Chefarztvertrag mit ihrer Uni-Klinik abgeschlossen, welcher die Behandlung von Privatpatienten mit umfasst.

In den Chefarztverträgen wird dafür Sorge getragen, dass den betroffenen Ärzten durch den Wegfall des Abrechnungsprivilegs keine finanziellen Nachteile entstehen. Schätzungen gehen dahin, dass die meisten Chefärzte mehrere Hunderttausend Euro jährlich verdienen, einige wenige sogar deutlich mehr als eine Million.

Verdopplung der Vorstandsbezüge

Die Vorstände der Universitätskliniken - ärztlicher Direktor, kaufmännischer Direktor, Pflegedirektor - und zum Teil auch das gehobene Verwaltungspersonal durften sich in den letzten Jahren über eine rasante Einkommensentwicklung freuen. Mancherorts haben sich die Bezüge für die in Frage kommenden Positionen binnen weniger Jahre verdoppelt, während das sonstige Klinikpersonal sich mit den üblichen Tarifsteigerungen zufrieden geben musste. Der ärztliche Direktor eines großen Universitätsklinikums erhält derzeit etwa 500.000 Euro im Jahr, während der Rektor der betreffenden Universität froh sein kann, wenn er 150.000 Euro nach Hause bringt.

Die Chefarztverträge sehen fixe sowie variable Vergütungsbestandteile vor, wobei für die variablen Vergütungsbestandteile regelmäßig Zielvereinbarungen geschlossen werden. Die vereinbarten Ziele beziehen sich häufig auf wirtschaftliche Parameter wie die Höhe des Jahres- oder Betriebsergebnisses oder das Erreichen eines bestimmten Kostendeckungsgrades. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass die vereinbarten Ziele fast immer erreicht und damit die entsprechenden Bonuszahlungen fällig wurden. Bonuszahlungen gab es sogar dann, wenn die Zielvereinbarungen erst kurz vor Ablauf des Kalenderjahres geschlossen wurden oder wenn es gar nicht zum Abschluss einer Zielvereinbarung kam.

Erzwingt der Wettbewerb die üppigen Vergütungen?

Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen die Universitätskliniken stecken, fragt man sich, ob die üppigen Vergütungen für das ärztliche und sonstige Führungspersonal wirklich gerechtfertigt sind. Angeblich sind wegen des starken Wettbewerbs qualifizierte Kräfte anders nicht zu gewinnen. Dabei findet dieser Wettbewerb doch ganz überwiegend zwischen Kliniken statt, die von der öffentlichen Hand betrieben werden. Im Übrigen müssen sich Chefärzte, anders als sonstige Freiberufler oder Gewerbetreibende, ihren Klinikbetrieb nicht selbst aufbauen, sondern der Staat stellt ihnen alles, was sie brauchen, fertig zur Verfügung. Was die Chefarztverträge und die darin enthaltenen Zielvereinbarungen betrifft: Diese müssen selbstverständlich zu Beginn des betreffenden Jahres abgeschlossen sein, wenn sie eine steuernde Wirkung entfalten sollen. Offensichtlich sind die vereinbarten Ziele nicht sonderlich ehrgeizig, wenn sie von fast allen Ärzten ohne weiteres erreicht werden können. Hier müssen ambitioniertere Ziele vorgegeben werden.

Verbesserungen des Finanzierungssystems sind nötig

Wie nicht anders zu erwarten, stimmen die Universitätskliniken derzeit ein großes Klagelied an, wonach sie dramatisch unterfinanziert seien. Alle Hoffnungen richten sich momentan auf den Bund. Der müsse zusätzliches Geld locker machen, sonst drohe der Absturz der deutschen Universitätsmedizin. Diese Klagen sind nicht völlig unbegründet, denn es gibt einige Faktoren, welche die Universitätskliniken finanziell besonders belasten. Zu erwähnen ist hier insbesondere ihre Funktion als Notfallkrankenhäuser und ihre Zuständigkeit für besonders schwere und seltene Fälle. Diese Lasten werden durch das derzeitige Finanzierungssystem nicht vernünftig abgegolten. 

Unabhängig davon sollten die Universitätskliniken in Deutschland aber verstärkt daran arbeiten, endlich die bei ihnen vorhandenen Wirtschaftlichkeitsreserven zu mobilisieren und sich mit modernen Managementmethoden anzufreunden. Und nicht zuletzt sollte auch das hochbezahlte ärztliche und sonstige Leitungspersonal der Uni-Kliniken einen Beitrag zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit leisten und zu mehr Bescheidenheit zurückfinden. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Zahl der Führungskräfte verringert und Gehaltsobergrenzen festgesetzt würden. Darauf, liebe Leserinnen und Leser, hofft unverdrossen

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

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